"Sie haben alles Positive verspielt"

Rosenheim - Drei Jahre muss ein 19-jähriger Bewährungsversager ins Jugendgefängnis. Er hatte bei Volksfesten Schlägereien angezettelt!

Wegen zahlreicher Delikte, begangen während der Bewährungszeit, musste sich jetzt ein 19-jähriger Azubi vor dem Rosenheimer Schöffengericht verantworten.

Auf dem Volksfest in Bad Aibling 2011 verprügelte der Angeklagte angetrunken und ohne ersichtlichen Grund einen 18-jährigen Schüler mit Faustschlägen und Kopfstößen, das Herbstfest in Rosenheim beging er, indem er einen 16-jährigen Schüler beim Autoscooter mit Kopfstößen attackierte und einem 17-jährigen Azubi die Faust ins Gesicht drosch.

Anzeige und Herbstfestverbot waren die logische Folge. Nur zwei Tage darauf war er trotzdem wieder auf der Wiesn. Dabei beschloss er, zusammen mit seinem ständigen Kumpan, der ebenfalls demnächst vor Gericht stehen wird, zwei Wiesnbesucher zu überfallen. Zwei junge Männer, die wehrlos als "wilde Biesler" am ehemaligen "Kaiserbad" standen, überfielen sie von hinten. Dabei schlug der Angeklagte einen 18-jährigen Schüler nieder, beraubte ihn um Geldbörse und Handy und floh. Sein Kumpan hatte weniger Glück. Dessen Opfer setzte sich erfolgreich zur Wehr, bis die Polizei einschritt. Mit der Beute war der Angeklagte nicht erfolgreich. Die Geldbörse war ohne Bares, und mit dem Handy konnte er nichts anfangen.

Schließlich gestand er auch, in der Nacht zum 17. August zusammen mit demselben Kumpan vier Autos aufgebrochen zu haben. Wo kein Geld zu finden war, wurden auch skurrile Dinge wie ein Schallpegelmessgerät entwendet, in der Hoffnung, das verscherbeln zu können. Dass er daneben noch ohne Führerschein alkoholisiert mit einem nicht versicherten Roller zu schnell gefahren war, war da noch der geringste Vorwurf.

Bewährungsstrafe ausstehend

Problematisch war vor allen Dingen, dass er nur knapp vier Monate vor der ersten Straftat vom selben Gericht wegen 13-fachem Diebstahl und anderen Delikten zu einer Jugendgefängnisstrafe von 14 Monaten verurteilt worden war. Diese Strafe hatte das Gericht - es hoffte auf eine günstige Sozialprognose - zur Bewährung ausgesetzt.

Auf die Frage der Schöffin, ob er denn keine Freunde außerhalb des kriminellen Milieus habe, antwortete der Angeklagte, "nein, solche Freunde hab ich nicht." Das nimmt auch nicht wunder, wenn man hörte unter welchen Bedingungen der junge Mann aufwuchs und mit welchen Mitteln er sich dagegen zur Wehr setzte. Das konnte zwar Erklärung, nicht aber Entschuldigung sein.

Die Vorsitzende Richterin des Jugendschöffengerichts, Verena Köstner, machte ihm klar, dass er, seit er 18 Jahre alt ist, für seine Taten vollumfänglich verantwortlich gemacht werden kann. "Sie haben alles verspielt, was das Gericht beim letzten Verfahren für sie positiv gewertet hat. Ausbildungsplatz weg, Bewährungsauflagen nicht erfüllt - es ist nichts da, was man Ihnen nun noch positiv zumessen könnte."

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe zeigte die überaus schwierige Jugend des Angeklagten auf. Dennoch bestätigte sie, dass hier wohl nur noch eine längere Jugendstrafe Wirkung zeigen könne. Die Staatsanwältin machte in ihrem Plädoyer klar, dass es selten Angeklagte gäbe, die in so kurzer Zeit unter offener Bewährung so heftig rückfällig geworden seien. "Der Angeklagte hat mehr als bewiesen, dass es ein Fehler war, ihm Bewährung zuzubilligen. Sie forderte - unter Einbeziehung des vorherigen Urteils - eine Gesamt-Jugendstrafe von zwei Jahren und acht Monaten.

Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Sandra Staber, wies darauf hin, dass ihr Mandant vom Wesen her nicht in der Lage sei, seine Gefühle zu zeigen. Zu oft sei er in der Vergangenheit verletzt worden. Aber er sei durch die Untersuchungshaft sehr wohl beeindruckt und bereue seine Taten. Sie stellte das Urteil in das Ermessen des Gerichtes.

Das deutliche Strafmaß von drei Jahren Jugendgefängnis wurde von der Richterin umfassend begründet: "Wir wollen sicherstellen, dass Sie im Gefängnis genügend Zeit haben, um ihre angefangene Berufsausbildung abzuschließen. Wenn das geschehen ist, haben sie nach der Haftentlassung eine Chance zum Neubeginn. Sollten sie diese Ausbildung früher abschließen, dann ist immer eine vorzeitige Entlassung möglich. Sollten sie diese allerletzte Chance auf ein geregeltes, strafloses Leben nicht nutzen, dann wäre ihr Lebensweg wohl negativ vorgezeichnet."

au/Oberbayerisches Volksblatt

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