OB signalisiert neue Kandidatur

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Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sagt nicht "ich werde" oder "ich will" auf die Frage nach ihrer erneuten Kandidatur. Aber sie wird darüber mit der Fraktion und dem Kreisverband sprechen.

Rosenheim - Viele Fragen haben die Rosenheimer Bürger an ihre Oberbürgermeisterin. Die brennendsten hat Gabi Bauer in einem Interview beantwortet:

Im letzten Jahr zeigte sie sich noch unentschlossen. In diesem Jahr signalisiert Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer im Interview mit dem Oberbayerischen Volksblatt zum Jahresschluss, dass sie bei der Kommunalwahl 2014 wieder antritt. Sie sagt nicht, "ich werde" oder "ich will", aber sie kündigt Gespräche mit der Fraktion und dem Kreisverband darüber an - ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie weitermachen wird.


Fangen wir mit dem Naheliegenden an: Was haben Sie zu Weihnachten gemacht?

Ich war Heiligabend noch zu Besuch bei der Bundespolizei und anschließend bei der Polizei, weil mir das in diesem Jahr einfach sehr wichtig war. Ich wollte auch ein der Verbundenheit zur Polizei setzen, zum Präsidium, in diesen schweren Zeiten. Dann bin ich in die Christmesse gegangen, in die Seniorenmesse um 16 Uhr. Pfarrer Zach hat in seiner Predigt gesagt, er sei erschrocken über die Media-Markt-Reklame "Weihnachten findet unter dem Baum statt". Das war eine tolle Predigt, sehr sinngebend, ein schöner Abschluss. Ich habe mich dann unter meinen Weihnachtsbaum zurückgezogen und musste ihm Recht geben: "Weihnachten findet nicht nur unter dem Baum, sondern in unseren Herzen statt."


Können Sie an solchen Tagen entspannen, einmal nicht an die städtischen Finanzen, den Happinger See, die Krippenbauten, Schulrenovierungen, die fehlenden Gelder für die Westtangente denken?

Ja. Es geht auch deshalb, weil die Zeit vor Weihnachten so spannungsreich und arbeitsintensiv ist. Wenn man man zurückblickt auf eine Zeit, in der man gearbeitet hat und man hat nicht das Gefühl, die Dinge laufen an einem vorbei, sondern man hat sich aktiv eingebracht, darf man auch loslassen.

Was hat Sie 2011 am meisten bewegt?

Fukushima, vor allem, wie die Japaner mit diesem Thema umgegangen sind. Ihre Art, das Gesicht zu wahren, Probleme alleine bewältigen, keine direkte Hilfe in Anspruch nehmen zu wollen. Und ich bin froh und dankbar, dass wir in einer engen Verbindung mit unserer Partnerstadt Ichikawa stehen und wir auch wissen, dass die Gelder, die wir gesammelt hatten, das sind immerhin 40000 Euro, einem Waisenhaus in der Nähe von Fukushima zugute kommen. Die Folge, dieser rasante Atomausstieg, war erstaunlich. Dass so etwas die Energiepolitik komplett umdrehen kann, hat mich stark beeindruckt.

Wie war das Jahr für Sie? War es ein gutes Jahr für Rosenheim?

Es war ein anstrengendes Jahr, und es war trotz allem, was passiert ist, für die Stadt ein gutes Jahr. Dabei steht Rosenheim regelrecht im Widerspruch zur Finanz- und Wirtschaftskrise. Man denkt, jeden Moment muss es explodieren, und genau das Gegenteil passiert in Rosenheim. Die Steuereinnahmen steigen, wobei ich persönlich nicht glaube, dass wir am Ende der Spirale sind. Ich denke, dass die Wirtschaft im nächsten Jahr gewisse Dämpfer kriegen wird. Ohne dass wir uns ängstigen müssen, kann ich doch die Sorge der Menschen verstehen, die sich fragen: Was passiert mit dem Euro? Was passiert mit unserer Währung? Kommt eine Inflation? Kommt eine Rezession? Das ist etwas, was vor allem die Älteren bewegt, die das alles schon einmal erlebt haben.

Sehen Sie sich beim Blick in die Zukunft weiterhin an der Spitze der Stadtverwaltung? Werden Sie 2014 als Kandidatin wieder antreten? Im letzten Jahr hatten Sie gesagt, Sie hätten sich noch nicht so richtig entschlossen.

Nun, es kommt jetzt die Zeit, in der man mit der Fraktion und mit der Partei spricht. Wir haben das noch nicht getan, und deshalb kann ich dazu keine Auskunft geben. Aber wir werden darüber sprechen müssen. Zur Zeit fühle ich mich eigentlich ganz fit.

Es ist im Prinzip doch Ihre Entscheidung. Wenn Sie sagen, ich möchte Oberbürgermeisterin bleiben, werden weder Fraktion noch Kreisverband Ihnen Steine in den Weg legen. Das wäre politische Selbstmord.

Es ist aber eine Entscheidung, die mit dem Kreisverband und der Fraktion abgesprochen werden muss. Mehr lässt sich dazu im Moment nicht sagen (lacht).

Was hat Sie am meisten gefreut im abgelaufenen Jahr?

Es hat mich sehr gefreut, dass wir viele Dinge auf den Weg bringen konnten. Das fängt beim Bahnhof an und hört beim neuen Gewerbegiet auf. Dass wir eine Menge dazu beigetragen haben, dass wir im Kinderkrippenprogramm vorangekommen sind. Ich freue mich, dass wir uns mit dem Stadtrat auf unser Stadtentwicklungskonzept einigen konnten, dass wir in einen intensiven Dialog über die Zukunft der Stadt gehen mit den Kollegen des Stadtrats und der Bürgerschaft. Und natürlich, gar keine Frage, wir hatten ein wunderschönes Herbstfest mit einem tollen Umzug. Wir haben damit Rosenheim wieder ein Stück bekannter gemacht..

Was hat Sie am meisten geärgert?

Ich ärgere mich natürlich, wenn ich in dieser Stadt überall Baustellen antreffe. Das ist leider so, obwohl mir bewusst ist: Wir brauchen den Herderbach, und wir brauchen die Kanalisation, und wir brauchen die Fernwärme, und wir brauchen nachhaltige Entwcklung. Aber es ist einfach eine Katastrophe, wenn man von Baustelle zu Baustelle fährt. Das Verständnis der Menschen ist allerdings groß. Dafür bedanke ich mich. Es geht halt nicht anders. Geärgert hat mich selbstverständlich die Entscheidung, dass immer noch kein Datum für den Bau der Westtangente feststeht.

Fühlen Sie sich dabei von Ihrem Parteikollegen, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, im Stich gelassen?

Nein, wirklich nicht. Die Mittel, die er für ganz Deutschland zur Verfügung hat, sind so minimal, dass ich fast Verständnis aufbringen könnte, wäre ich nicht so persönlich betroffen.

Wann rechnen Sie mit Mitteln für die Westumgehung?

Wohl 2013. Ich war auf der Verkehrskonferenz von Peter Ramsauer im Dezember. Er hat klar signalisiert, dass unter allen Projekten, die er genannt hat, bayernweit die Westtangente ganz vorne ist.

Welches ist Ihre größte Sorge beim Blick in die Zukunft für Rosenheim?

Für mich ist am wichtigsten, dass wir keine Arbeitslosigkeit bekommen, dass es uns gelingt, im Rahmen unserer Möglichkeiten die Arbeitsplatzsituation stabil zu halten.

Nachdem die Stadt das Vorkaufsrecht am Happinger See wahrgenommen hat, hatte Firmenchef Anton Kathrein angekündigt, er würde Arbeitsplätze aus der Stadt weg verlagern. Haben Sie Sorge, dass er diese Drohung noch wahrmacht?

Wir sind dabei, zu untersuchen, was am Happinger See überhaupt möglich ist. Wir wissen auch, wir stehen in der Konkurrenz zu anderen Gemeinden. Derzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung. Zum Schluss werden wir das Projekt ausschreiben, da hat dann jeder eine Chance. Über die Pläne von Herrn Kathrein habe ich keine neuen Informationen.

Geben Sie dem Rosenheimer Sommerfestival langfristig eine Chance?

Immer, wenn etwas im Freien stattfindet, hat man keine Garantie. Ich bewundere alle, die am Königsplatz sitzen und sich im Regen große Konzerte anhören. Da muss man wahrscheinlich die richtige Einstellung haben. Ich weiß aber auch: Wenn es schön ist, ist es superschön. Es muss sich zeigen, ob es uns gelingt, nicht gar zu große Defizite zu machen.

Was halten Sie persönlich von dem Hochhausgedanken auf dem Capitol-Grundstück?

Das war ein interessantes Thema, ist aber mittlerweise möglicherweise keines mehr, weil der Investor parallel schon eine neue Planung in Auftrag gegeben hat. Wir haben uns vorgenommen, dass wir Rosenheim anschauen und fragen: "Wo sind Hochhäuser überhaupt möglich? Kann man, sollte man in dieser Stadt Hochhäuser bauen?" Das wird jetzt städteplanerisch erarbeitet. Was das Capitol-Grundstück angeht, warten wir gespannt auf das, was der Investor uns an neuen Entwürfen vorlegt.

Haben Sie gewusst, bevor es in der Zeitung stand, dass dem Ausbau des Herderbachs soviele Bäume zum Opfer fallen sollen?

Wir haben es im nachhinein aufbereitet und werden einen Ortstermin haben.

Da sitzen Techniker in der Stadt, die erarbeiten Projekte, die sicher ihre Berechtigung haben. Aber die Sensibilität für das, was die Menschen in einem solchen Fall bewegt, fehlt offenbar.

Das ist das Thema beim Straßenbau, das ist das Thema bei den Bäumen. Da geht der Ingenieur die Strecke entlang und zählt, und zum Schluss sind es 97 Bäume. Der eine sagt, das ist eine kahle Stange, ein anderer sagt, das ist ein Baum. Es ist klassisch. Wenn heute eine Straße gesperrt wird und niemand hat die Menschen darauf vorbereiter, ist es das gleiche. Es ist leider so. Da ist eine Differenz zwischen Technik und emotionalem Denken.

Gibt es etwas, was Sie sich für 2011 vorgenommen hatten und nicht erledigen konnten?

Es erschreckt mich manchmal selbst, wieviel wir in ein solches Jahr packen. Wir waren sehr konzentriert auf Krippenbau. Nicht jeder Standort ist aber bisher hundertprozentig sicher. Ich hätte mir gewünscht, dass wir stärker noch im Bereich Bildung hätten tätig werden können. Beim Karolinen-Gymnasium steht immer noch nicht fest, ob wir neu bauen oder sanieren. Was halt gar nicht gelungen ist, ist die Sache mit dem Bürgerhaus in Happing. Das ist voll in die Hose gegangen, das betrübt mich ohne Ende. Ich kann den Frust der Bürger gut verstehen. Wir müssen eine Lösung finden, aber diese Lösung muss auch akzeptabel sein, was die Kosten betrifft. Ich kann sechs Millionen Euro nicht aus dem Ärmel schütteln. Ich sage auch: Teil der europäischen Finanzkrise sind die Verschuldungen. Es muss uns klar sein, dass wir auf Dauer nicht auf Pump leben können. Wenn wir im nächsten Jahr eine Nettoneuverschuldung hinnehmen müssen, liegt das daran, dass wir am Bahnhof das Gelände gekauft haben. Das liegt nicht am Happinger See, das möchte ich betonen. Am Bahnhof, das sind rentierliche Kosten. Der Kredit kommt durch den Verkauf wieder herein.

Wird sich 2012 am Bahnhof etwas tun?

Ja, es kommt das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs. Und dann wird man sehen, was man bauen kann. Wenn wir das Ergebnis kennen, werden wir die Flächen an den Markt geben, dann können sich Investoren melden.

Es ist der Stadt mit der Firma FuG ein wichtiges Unternehmen abhanden gekommen. Sie ist nach Schechen ausgewandert. Fürchten Sie, dass weitere Firmen gehen?

Das kommt darauf an, welche Angebote wir machen können. Es kommt auch aber auch darauf an, dass die Menschen akzeptieren, dass wir ganz klaren Richtlinien unterworfen sind. Wenn ich ein einem Landschaftsschutzgebiet bin, bin ich in einem Landschaftsschutzgebiet. Der Stadtrat hat das Baugesuch abgelehnt, und er ist Souverän der Stadtpolitik.

Mit dem neuen Gewerbegebiet am Oberfeld bekommt die Stadt im nächsten Jahr ja Luft.

So ist es. Man muss es aber auch so sehen: Für jede Ansiedelung, jede Geschäftsaufgabe, jeden Wegzug gibt es spezifische Gründe. Worum es mir geht, ist auch die höchstmögliche Objektivität bei der Betrachtung der einzelnen Vorkommnisse. Bei FuG waren es das Landschaftsschutzzgebiet und eine schwierige Grundwassersituation, und es war die Tatsache, dass der Investor die anderen ihm angebotenen Grundstücke nicht haben wollte. Zudem war es die Situation, dass um uns herum Gemeinden sind, die preiswerter Gewerbegrundstücke anbieten können. Genauso wie dem Professor Kathrein sofort sämtliche Seegrundstücke in der Umgebung angeboten wurden.

In gut zwei Jahren sind Kommunalwahlen. Erfahrungsgemäß legen zuvor alle Parteien und Gruppierungen Munition zurecht, um sich gut zu positionieren. Erwarten Sie einen harten Wahlkampf?

Klar. Er hat schon begonnen.

Was wünschen Sie den Rosenheimer Bürgern für das Jahr 2012?

Dass die Menschen zufrieden sind mit sich. Mit sich sind sie zufrieden, wenn ihr Leben ausgefüllt ist. Ihr Leben ist ausgefüllt, wenn sie beruflich Perspektiven sehen. Wenn sie Möglichkeiten für ihre Familie haben, wenn sie sich wohlfühlen in Rosenheim. Ich will ein Rosenheim für alle Generationen. Das ist mir wichtig. Dafür arbeite ich.

Auch in der weiteren Zukunft?

Das hoffe ich. Schauen wir mal.

Oberbayerisches Volksblatt

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