Betrug in 24 Fällen verhandelt - Freispruch für Ofenbauer-Meister

Zu spät betrogen gefühlt

Rosenheim - Über zwei Jahre lang hatten zwei befreundete Kachelofenbauer gemeinsam als Subunternehmer für eine Kachelofenfirma deren Öfen gesetzt. Dann ging der Streit ums Geld los:

Der 31-jährige Angeklagte, der sich nun vor dem Amtsgericht in Rosenheim zu verantworten hatte, war im Jahr 2007 noch Geselle und durfte als Vertragspartner dieser Firma gemäß den Vorschriften der Handwerkskammer dies nur zusammen mit einem Meister tun. Ein befreundeter Ofenbauer hatte bereits den Meisterbrief und brachte Geld, so lud der Angeklagte diesen ein, sich mit ihm zusammen zu tun. Er würde ihn, so berichtete der 31-Jährige vor Gericht, von Fall zu Fall nach dessen Kostenvoranschlag bezahlen.

Laut Anklage jedoch war eine 50/50-Abrechnung des Arbeitshonorars vereinbart worden. Nachdem es zwischen den Partnern und Freunden zu einem Zerwürfnis gekommen war, hatte nun der ehemalige Freund und Kollege behauptet, er sei mit zu wenig Arbeitslohn abgefertigt, und somit betrogen worden. In der Summe handle es sich um rund 5.000 Euro, die der Angeklagte vorenthalten habe.

Davon könne laut dem 31-Jährigen keine Rede sein. Er habe jeweils vor Baubeginn dem Beschuldiger alle Pläne ausgehändigt und danach habe dieser seine Forderung errechnet. Erst nach ihrem Zerwürfnis, das mit diesen Abrechnungen gar nichts zu tun gehabt hätte, und nachdem der Beschuldiger seine Stelle in der Abwicklung eingenommen habe, sei dieser mit den "völlig unberechtigten Nachforderungen" angekommen. Der Angeklagte selbst habe damals dann die Meisterschule besucht, die er mit einem Sonderpreis der bayerischen Staatsregierung abgeschlossen hat. Er sei nun gut im Geschäft und könne über das Motiv des früheren Freundes nur mutmaßen.

Der angeblich Geschädigte berichtete hingegen, er sei zunehmend misstrauisch geworden, weil der Angeklagte besser mit dem Geld ausgekommen ist. Er müsse viel mehr einbehalten haben, als das nach der von ihm behaupteten 50/50-Regelung habe sein können.

Der schriftliche Nachweis fehlte

Auf Nachfrage des Gerichts gestand er zu, dass er wegen einer kostspieligen Scheidung bei seinem Kollegen ein Darlehen von 1000 Euro aufgenommen habe und häufig mit Geldproblemen zu kämpfen hatte. Einen schriftlichen Nachweis über die angegebene 50/50-Regelung hatte er nicht. Allerdings wisse der damalige Auftraggeber von dieser Abmachung und könne dies als Zeuge bestätigen.

Dieser Unternehmer berichtete, dass die zwei Männer sich so verabredet hätten, was ihm damals der Angeklagte berichtet habe. Ob, und in welcher Form das dann zwischen den beiden geregelt worden wäre, das wisse er nicht und das habe ihn auch nie interessiert. Zudem behauptete der Zeuge, er hätte den Angeklagten niemals beschäftigt, wäre nicht der "Geschädigte" als Meister zur Verfügung gestanden. Als ihm der Verteidiger vorhielt, dass er den Angeklagten sehr wohl auch ohne Meister in vier Fällen beauftragt und beschäftigt hatte, tat er das mit Termindruck ab. Darüber hinaus bestätigte er, dass der "Geschädigte" seit dem Ausscheiden des Angeklagten dessen Platz eingenommen habe.

Die Staatsanwältin hielt anhand der Aussagen den Beweis dafür erbracht, dass der Angeklagte entgegen einer Abmachung dem Kollegen über 5000 Euro vorenthalten habe. Sie beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten wegen 24-fachen Betrugs in besonders schwerem Fall.

Die Verteidiger Frank Wilhelm Drücke und Holger Rothmund verwiesen darauf, dass sich in den Aussagen des Auftraggebers im Laufe der Zeit "ein verblüffender Erinnerungszuwachs" ergeben habe. Sie fragten, ob es nicht damit zu tun haben könne, dass der angeblich Geschädigte zwischenzeitig sein eigener Geschäftspartner geworden sei. Sie erläuterten, dass in ihrem Mandanten den beiden ein ernsthafter Konkurrent erwachsen sei. Zum Dritten sei dem angeblich Geschädigten und früheren Freund bekannt, dass ihr Mandant in völlig anderer Sache vorbestraft ist und eine neuerliche Strafe dessen Existenz vernichten könne. Angesichts der völlig klaren Interessenslagen sei das Motiv für diese, völlig haltlose, Beschuldigung nur zu deutlich. Beweise oder auch nur vernünftige Indizien für die Schuld ihres Mandanten gebe es nicht.

Das Gericht wog Aussagen, Zeitabläufe, Wahrscheinlichkeiten und Interessenslagen gegeneinander ab. Es entschied, dass die Zweifel an der Schuld des Angeklagten und das Interesse der Zeugen an einer Verurteilung zu groß seien: Freispruch. au

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