Später Johannistrieb

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Rosenheim - Ein 74-Jähriger hat zwischen 2006 und 2009 eine 13-jährige Reitschülerin mehrfach begrabscht. Jetzt wurde er verurteilt.

Vom "Johannistrieb" spricht man bei erotischen Aufwallungen, die Männer im höheren Lebensalter überkommen. Der pensionierte Handwerksmeister hatte sich damit bis in seine 70-er Jahre Zeit gelassen. Allerdings war das Ziel seiner Begierde völlig falsch gewählt: Ein 13-jähriges Mädchen war ihm wohl in kindlichen Begeisterung zu nahe gekommen und hatte in ihm unselige Wünsche geweckt.

Zwischen 2006 und 2009 hatte sich der 74-jährige Angeklagte als freiwilliger Stallhelfer eines Reiterhofes immer wieder des Mädchens angenommen und sich seine "Belohnung" mit Streicheleinheiten und versuchten Zungenküssen abholen wollen. Das Mädchen hat nichts dagegen unternommen, weil es Angst hatte, dann vielleicht nicht mehr reiten zu dürfen - immerhin hatte der Mann eigene Pferde im Stall stehen. Die durfte sie reiten und dafür nahm sie das Gegrabsche in Kauf.

Schließlich beobachteten zwei Freunde des Mädchens im Juni 2009 die Zudringlichkeiten des Mannes, filmten diese mit einer Handykamera und gingen damit zur Polizei.

Nun saß der alte Mann vor dem Jugendschutzgericht unter Vorsitz von Richter Herbert Schäfert und hatte sich wegen sexueller Nötigung in mehreren Fällen zu verantworten. Es war ihm kaum ein Wort zu entlocken. Schier abwesend hockte er hilflos neben seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Harald Baumgärtl. Der erklärt namens seines Mandanten, dass dieser vollumfänglich geständig sei. Er bedauere seine Entgleisungen und habe zu keiner Zeit dem Mädchen Böses gewollt.

Der herzkranke Patient, so der gutachterlich beigezogene Psychologe des Landgerichts Traunstein, sei deutlich altersreduziert. Eine beginnende Demenz und eine depressive Erkrankung seien möglich, müssten klinisch untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Eine Wiederholungsgefahr sehe er nicht, zumal dessen Ehefrau - nun darauf aufmerksam gemacht - den Lebenswandel ihres Mannes voll unter Kontrolle habe.

Auch der Staatsanwalt erkannte darauf, dass von dem Angeklagten keine Wiederholungsgefahr ausginge. Dennoch sei eine deutliche Strafe auszusprechen. Diese könne aber wohl zur Bewährung ausgesetzt werden. 14 Monate Haft hielt er für straf- und schuldangemessen.

Der Verteidiger stimmte dem Staatsanwalt im Wesentlichen zu, hielt aber eine Strafe von zwölf Monaten für ausreichend.

Das Gericht wählte die goldene Mitte, verurteilte den Angeklagten zu 13 Monaten Gefängnis, die es für zweieinhalb Jahre zur Bewährung aussetzte.

au/Oberbayerisches Volksblatt

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