Spanisch auf dem Vormarsch

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Rosenheim - Auch an Rosenheimer Schulen lernen Schüler Spanisch: nach der Weltsprache Englisch spielen Französisch und Latein allerdings nach wie vor eine wichtigere Rolle.

Lesen Sie hier den Bericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Spanisch immer beliebter

Die Fremdsprache Spanisch ist auf dem Vormarsch: An bayerischen Schulen hat sich die Zahl der Schüler, die Spanisch lernen, innerhalb von sechs Jahren verdreifacht. Auch an Rosenheimer Schulen lernen Schüler Spanisch; nach der Weltsprache Englisch spielen Französisch und Latein allerdings nach wie vor eine wichtigere Rolle.

Aus dem CD-Player tönt laute Musik: Der kolumbianische Popsänger Juanes singt "A Dios le pido", auf Deutsch "Ich bitte Gott". Aufmerksam hören die Schüler einer zwölften Klasse des Karolinen-Gymnasiums zu und versuchen, den spanischen Text zu verstehen. Als das Lied vorbei ist, bespricht die Spanischlehrerin Nadine Oppolzer alle wichtigen Vokabeln mit ihren Schülern und erklärt Sinn und Grammatik des Liedtextes. Auf diese Weise soll den Schülern der Zugang zur neuen Fremdsprache erleichtert werden.

Die Sprache von Juanes scheint gut bei jungen Leuten anzukommen. Wie die Schüler am Karolinen-Gymnasium entscheiden sich nämlich in Bayern immer mehr Schüler dazu, Spanisch zu lernen - und auch immer mehr Schulen ziehen mit, indem sie Spanischunterricht anbieten oder Spanisch sogar als zweite Fremdsprache nach Englisch einführen.

26.000 Gymnasiasten lernen Spanisch

An bayerischen Schulen lernen dementsprechend immer mehr Schüler Spanisch. An den Gymnasien hat sich die Zahl innerhalb von sechs Jahren verdreifacht. 2008 belegten fast 26000 Gymnasiasten das Fach Spanisch, an Realschulen lernten im letzten Schuljahr immerhin über 1000 Schüler Spanisch. Für den Anstieg brauchen die Schulen natürlich auch genügend Lehrer. "Die Zahl der Lehramtsanwärter für Spanisch ist in den letzten Jahren stark gestiegen", sagt Sylvia Schnaubelt, Pressesprecherin des Bayerischen Kultusministeriums.

Trotzdem sei es schwierig, Lehrer für Spanisch zu finden, sagt Magnus Nieger, Leiter des Karolinen-Gymnasiums. An seiner Schule können sich Schüler ab der zehnten Klasse für Spanisch entscheiden. Der Mangel an Spanischlehrern sei aber nicht der einzige Grund, warum sich Spanisch wohl langfristig nicht gegen Französisch und Latein durchsetzen werde, so Nieger. Für Latein spreche die Verwurzelung im deutschen Schulsystem, zudem sei Latein eine gute Basis, um andere romanische Sprachen zu erlernen. Französisch sei eine Gebildetensprache und habe große Bedeutung wegen der deutsch-französischen Freundschaft.

Für Schulen sei es zudem nicht einfach, eine neue Fremdsprache einzuführen, erklärt Nieger. Wenn man beispielsweise Französisch durch Spanisch ersetzen wolle, sei eine Sondergenehmigung des Kultusministeriums nötig. Auch Dieter Friedl, Leiter des Ignaz-Günther-Gymnasiums, hält Französisch und Latein für bedeutender als Spanisch. Französisch sei vor allem in Europa wichtiger, weil die Sprache historisch und kulturell viel mehr verwurzelt sei als Spanisch. Jedoch liegt Französisch von der Verbreitung her mit 68 Millionen Erstsprechern hinter Deutsch auf Platz elf.

Wenn man die Statistik der meist gesprochenen Sprachen der Welt betrachtet, verwundert es allerdings nicht, dass Spanisch gegenüber Französisch und Latein aufholt. Spanisch liegt rein statistisch betrachtet mit 329 Millionen Muttersprachlern sogar vor Englisch mit 328 Millionen. Damit ist Spanisch sogar die zweithäufigste Sprache der Welt hinter Chinesisch, das mit über 1,2 Milliarden am meisten Muttersprachler hat.

"Bedeutung nicht an Zahlen festmachen"

Obwohl also viel mehr Menschen auf der Welt Spanisch sprechen als beispielsweise Französisch, lässt sich die Bedeutung einer Sprache natürlich nicht nur an Zahlen festmachen. Es sei nicht sinnvoll, die Bedeutung der Fremdsprachen nach der Statistik festzulegen, "weil wir dann alle Chinesisch lernen müssten", so Friedel. Das Beispiel Englisch zeige, dass eine Weltsprache nicht die meisten Muttersprachler brauche, um sich weltweit als Sprache Nummer eins zu etablieren und es wohl noch lange zu bleiben.

lom/Oberbayerisches Volksblatt

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