Spieltrieb eines Spitzenmanagers

OVB
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Schnell und glänzend: Modellrennautos faszinierten einen Spitzenmanager derart, dass er 120 000 Euro veruntreute, um teure Liebhaberstücke zu kaufen.

Rosenheim - Das Klischee vom Kind im Manne, der mit der Modelleisenbahn oder Carrera-Rennautos spielt - es greift auch bei Spitzenmanagern, wie jetzt ein ungewöhnlicher Gerichtsfall zeigt.

Den 48-jährigen Betriebswirt hätte seine Sammelleidenschaft jedenfalls fast in den Ruin getrieben. 120.000 Euro zweigte er vom Geschäftskonto ab, um exklusive Modellrennwagen zu kaufen.

Der 48-Jährige wurde vom Schöffengericht Rosenheim unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber wegen Untreue zu einer Haftstrafe von elf Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Der eloquente, distinguierte Mann hatte als Geschäftsführer einer weltweit agierenden und erfolgreichen Handelskette zwischen 1999 und 2006 erfolgreich und gut dotiert gewirkt. Warum er ein Geschäftskonto für private Zwecke verwendet hat, wollte er nicht sagen. Neben Ausgaben für sein Privatauto erwarb er in schöner Regelmäßigkeit für teures Geld Spezialrennwagen - sogenannte Slotcar-Flitzer, wie man sie auf Carrerabahnen verwendet. Da gibt es auch kostspielige Exemplare - und einem echten Sammler ist nichts zu teuer. Über 110 schnelle Mini-Autos fand die Polizei bei den Hausdurchsuchungen. So kam im Lauf der Jahre auf dem Konto ein Defizit von über 120.000 Euro zusammen.

Die Sache verwundert umso mehr, weil der Manager sich dieses Hobby bei seinem Gehalt locker auch völlig legal hätte leisten können. Im Jahr 2009 - der Angeklagte war inzwischen für einen anderen Großkonzern tätig - kam die Geschichte zur Anzeige. Die Zahl der deutschen Topmanager ist nicht so groß, über polizeiliche Ermittlung, sowie Hausdurchsuchungen wird schnell geredet. So kam es, dass sein letzter, hoch dotierter Vertrag in der Schweiz aufgelöst wurde und andere Firmen, die ihn früher sofort engagiert hätten, sich nun zurückzogen.

Beruflich hat ihn die überflüssige Dummheit nahezu ruiniert. Insgesamt war er geständig, nach seiner Einlassung verringerte sich nicht die Schadenssumme, aber die Anzahl der Straftaten gegenüber der Anklage um nahezu die Hälfte.

Bislang völlig unbescholten, hat er auch den gesamten Schaden an den damaligen Konzern längst zurückbezahlt. Die Firma erklärte, dass sie kein Strafverfolgungsinteresse mehr habe.

Vor diesem Hintergrund plädierte der Staatsanwalt für eine Gefängnisstrafe von 20 Monaten, wobei er sich eine Aussetzung zur Bewährung durchaus vorstellen könnte.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Gruner aus Frankfurt, war über die geforderte Strafhöhe konsterniert. Er verwies darauf, dass sein Mandant niemals vorher straffällig geworden war, umfassend geständig sei und den Schaden zur Gänze wieder gutgemacht hatte. Der Anwalt hielt eine Geldstrafe für ausreichend. Insbesondere verwies er darauf, dass sein Mandant bei einer Gefängnisstrafe von über einem Jahr laut Gesetz nicht mehr als Geschäftsführer einer GmbH auftreten könne. Damit würde man, neben der Strafe, gegen seinen Mandanten gewissermaßen ein Berufsverbot erlassen.

Das Gericht würdigte die aufgeführten Aktiva des Angeklagten. Aber wegen der Schadenshöhe und der Vielzahl der Straftaten sei eine Gefängnisstrafe unumgänglich. "Gleichwohl", so Loeber, "soll der Angeklagte nicht doppelt bestraft werden." So sprach das Gericht eine Haftstrafe von elf Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde, und eine Bußauflage von 5000 Euro aus.

au/ls/Oberbayerisches Volksblatt

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