FENSTER AUF

Studie der TH Rosenheim zum Lüften im Klassenzimmer: Auf was es in der Corona-Pandemie ankommt

In ihrem Element: In diesem Testraum führen Prof. Dr. Harald Krause (links) und Prof. Dr. Johannes Aschaber ihre Studien zur Raumlufttechnik durch.
+
In ihrem Element: In diesem Testraum führen Prof. Dr. Harald Krause (links) und Prof. Dr. Johannes Aschaber ihre Studien zur Raumlufttechnik durch.

Wie lüftet man richtig? Mit dieser Frage beschäftigten sich Prof. Dr. Johannes Aschaber und Prof. Dr. Harald Krause von der Technischen Hochschule Rosenheim. Mit gezielten Hochrechnungen stellen sie sich unter anderem gegen die pauschalen Empfehlungen des Umweltbundesamtes für Klassenzimmer.

Rosenheim – Offene Fenster, CO2-Ampeln, Sensoren und Filteranlagen. Das richtige Vorgehen beim Thema Lüften ist seit der Corona-Pandemie gerade in Räumen mit vielen Menschen präsent. An der Technischen Hochschule (TH) Rosenheim haben zwei Professoren daher eine Studie durchgeführt, die mit den Mythen und Spekulationen aufräumen soll. Mit ihren Ergebnissen wollen sie eine Anleitung zum richtigen Lüften erstellen und versuchen in Zusammenarbeit mit den regionalen Schulen, ihre Theorien in die Praxis umzusetzen.

Experten wollen Klarheit schaffen

Ein Bericht der Tagesschau war der Auslöser, der Prof. Dr. Johannes Aschaber und Prof. Dr. Harald Krause auf die Idee brachte, sich intensiver mit dem optimalen Lüften in Großräumen zu beschäftigen. Da die Begriffe wie Aerosolkonzentration, Lüftungsanlage und CO2-Filter häufig nicht genau definiert oder im falschen Zusammenhang gebraucht wurden, war es ihnen wichtig, Klarheit zu schaffen. Ihre zentralen Fragen: Was ist gute Luft? Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko in Innenräumen und wie funktioniert das richtige Lüften?

Die Tipps der Experten: So wollen die Professoren der TH Rosenheim für eine gute Luftqualität sorgen.

Um diese zu beantworten, haben sich die beiden Experten vom Studiengang Energie- und Gebäudetechnologie den Hauptübertragungsweg des Virus über die Aerosole (Luftpartikel) angesehen. Das größte Problem ist, dass sich die kleinen Teilchen in einem geschlossenen Raum nach einer gewissen Zeit so stark konzentrieren, dass die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Corona deutlich steigt. „Man muss sich das vorstellen wie Zigarettenrauch“, erklärt Aschaber: „Wenn sich jemand innerhalb eines Raumes eine Zigarette anzündet, dann merkt man das am anderen Ende des Raumes innerhalb kürzester Zeit, selbst wenn man den Rauch gar nicht sieht.“

Damit man die Gefahr einer Infizierung besser abschätzen kann, wurden ander TH Hochrechnungen durchgeführt, die von einer mit Corona infizierten Person in einem normalen Klassenzimmer ausgehen. Das Ergebnis: Das Risiko, sich bei einem dreifachen Luftwechsel pro Stunde durch Aerosolübertragung mit Corona anzustecken liegt bei knapp 50 Prozent, wenn eine infizierte Person während eines sechsstündigen Schultages anwesend ist.

Die offizielle Empfehlung des Umweltbundesamtes, in einen Schulraum dreimal die Stunde zu lüften, hält Krause daher für „Quatsch“. Viel mehr gelte es, sich ein langfristiges System zu überlegen, mit dem man dauerhaft für gute Luft sorgen kann. Ein wichtiger Schritt in dieser Hinsicht seien CO2-Messgeräte, die bei einem kritischen Wert von über  1000 ppm (1000 CO2-Partikel pro Millionen) ein Signal von sich geben. Dieser Ansatz sei für viele Schulen die kurzfristige Lösung, sobald der Unterricht wieder in Präsenz stattfinden kann.

Diese Erkenntnis kann auch Marko Hunger, der Schulleiter der FOS/BOS Rosenheim bestätigen: „Wir haben unsere eigenen Messgeräte eingesetzt und damit unseren Zyklus überprüft, in dem wir Lüften müssen. Daraufhin haben wir unseren Schulgong genau danach eingestellt.“

Lüftungsanlagen als langfristige Lösung

Für eine langfristige Lösung wollen Krause und Aschaber noch weitere Tests durchführen. Sie sind überzeugt, dass sich mit der richtigen Platzierung von Lüftungsanlagen und regelmäßigem Lüften die Luft in Klassenzimmern deutlich verbessern lässt, nicht nur in Zeiten von Corona. Sobald der Präsenzunterricht in voller Klassenstärke wieder stattfinden kann, wollen sie daher zusammen mi FOS/BOS-Leiter Hunger ihre Studien in der Praxis testen. „Man kann schließlich immer etwas dazulernen“, meint der Schulleiter, „gerade, wenn es um Corona geht.“

Kommentare