Hilfe für Störenfriede

Rosenheim - Aggressiv oder ständig störender Klassenclown: Für Grundschulkinder mit Verhaltensauffälligkeiten wurde vor zwei Jahren in Rosenheim modellhaft eine spezielle Stütz-und Förderklasse geschaffen.

Ziel ist die Rückführung an die normale Schule. Dies hat sich so gut bewährt, dass nun eine dauerhafte Einrichtung daraus wird. Die anderen Schüler leiden, wenn Kinder ständig den Unterricht stören. Dabei sind etliche der kleinen Störenfriede durchaus lernfähig. Möglicherweise ist eine schwierige familiäre Situation Auslöser für die Verhaltensauffälligkeit oder es stecken andere Probleme dahinter, und das Kind lebt diese in der Klasse aus. Im Herbst 2008 wurde auf der Grundlage eines Konzerpts des Bayerischen Staatsregierung in Rosenheim modellhaft die Stütz- und Förderklasse eingerichtet. Bis zu acht Kinder der ersten bis vierten Klasse mit "erhöhtem sozial-emotionalem Förderbedarf" werden dort betreut, Kinder, die in der Regelschule als nicht beschulbar gelten, aber eine durchschnittlliche Intelligenz aufweisen. Sonderschullehrkräfte, eine sozialpädagogische Fachkraft und eine Sozialpädagogin übernehmen die Betreuung im Zusammenspiel mit dem Diakonischen Werk als Jugendhilfeträger.

Die Förderung ist individuell auf die Schüler zugeschnitten. Beziehungsaufbau, Gefühlswahrnehmung, Selbst- und Fremdwahrnehmung, soziales Lernen in der Gruppe und Konzentrationstraining sind Stichworte dazu. Dies soll zu einem anderen Umgang der Kinder mit den Mitschülern und den Lerrninhalten führen. "Die Einstellung zur Schule wird positiver", stellt das Staatliche Schulamt fest. Eltern werden gleichfalls von dem Team unterstützt und lernen, wie sie ihre Kinder fördern können. Die Sonderklasse bedeutet nach den Erfahrungen des Schulamts eine große Entlastung für die anderen Schüler: Dadurch entspanne sich die Situation in der Ursprungsklasse und dies mache eine Rückführung der Kinder möglich. In Einzelfällen erfolgt nach der Rückkehr an die normale Schule auch noch eine Nachbetreuung.

Wieder zurück in die normale Schule

 Im Schuljahr 2008/2009 waren sechs Buben und ein Mädchen in der Stütz- und Förderklasse. Von ihnen besuchen heute drei wieder die normale Grundschule. Bei zweien besteht nach einem Umweg über das Sonderpädagogische Förderzentrum noch die Möglichkeit der Rückkehr, ein Schüler ist weiterhin in der Stütz- und Förderklasse, einer ist ins Ausland verzogen.

Auch die Lehrer sind glücklich über die Möglichkeit, auffällige Schüler, zudem solche mit Defiziten im sozialen Bereich, an Fachkräfte abzugeben. Ihnen die notwendige Aufmerksamkeit in einer Klasse mit normalerweise 29 Schülern zu geben, sei nicht möglich, heißt es vom Schulamt. Die Zeit gehe von der Unterrichtszeit der Mitschüler ab und führe zur Unzufriedenheit und zu Misserfolgen bei Schülern und Lehrern. Nicht zuletzt hat sich die Stütz- und Förderklasse aus finanzieller Sicht des Jugendamtes bewährt. Der Tagessatz pro Kind liegt bei 60 Euro, während die Kinder sonst eine Heilpädagogische Tagessstätte mit einem Tagessatz von 90 Euro besuchen müssten. Für manche wäre auch eine Heimunterbringung notwendig, für die täglich Kosten zwischen 130 und 250 Euro anfallen.

Der Jugendhilfeausschuss diskutierte jetzt das Thema, wobei WIR-Stadträtin Bärbl Thum, selber Grundschullehrerin, bekannte, sie sei am Anfang sehr skeptisch gewesen. Sie vertrat früher die Ansicht, verhaltensauffällige Kinder würden am besten in einer "normalen" Gruppe aufgefangen, denn dort würden sie Vorbilder finden. Nun habe sie aber festgestellt: "Das, was in der Stütz- und Förderklasse an hervorragender individueller Förderung erfolgt, kann die normale Schule nicht leisten."

bi/Oberbayerisches Volksblatt

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