Kein Durchblick? Es ist nur ein Test

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Noch fehlt den Fahrgästen der Durchblilck bei den neuen Anzeigetafeln.

Rosenheim - Spannung herrscht bei den Busunternehmen im Stadtgebiet. Die Fahrgäste sollen demnächst an drei Haltestellen mitverfolgen können, ob ihr Bus pünktlich kommt oder Verspätung hat.

Für Verwirrung sorgen derzeit die daür angeschafften elektronischen Anzeigetafeln. Noch läuft ein Testbetrieb, aber das wird den Fahrgästen nicht mitgeteilt.

In Zukunft sollen auf den Tafeln die echten Zeiten zu lesen sein. Fahrgäste können sich also genau darüber informieren, wann ihr Bus wirklich eintrifft. "Wenn ich lese, dass mein Bus in einer Viertelstunde kommt, kann ich mich darauf verlassen und noch schnell einen Kaffee trinken", erklärt Josef Staudhammer von der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (ROVG).

Momentan sind aber an den Tafeln am Bahnhof, Atrium und Busbahnhof noch die regulären Abfahrtszeiten zu lesen, die auch im Fahrplan nachgeschlagen werden können. Die neue Technik funktioniert nach den Worten von Staudhammer erst nach den Sommerferien.

Das Wort "Testbetrieb" ist jedoch seit einigen Tagen verschwunden - zum Ärger einiger Fahrgäste, die davon ausgehen, dass die Monitore die realen Abfahrtszeiten anzeigen. Hat ein Bus Verspätung, verschwindet die Anzeige derzeit einfach auf der Tafel und die Fahrgäste wissen nicht, wann er wirklich kommt. "Die Tafeln sind einfach zu klein", das Wort "Testbetrieb" habe da keinen Platz, bedauert Staudhammer.

Beim Stadtbusverkehr Kroiss sind mittlerweile zehn Fahrzeuge mit dem für die Übermittlung der Echtzeitdaten notwendigen Computer ausgerüstet. Beim Regionalverkehr Oberbayern (RVO) soll dies in den Sommerferien geschehen. "Es dauert pro Bus einen Tag, bis das aufwendige Computersystem installiert ist. 60 Fahrzeuge müssen wir damit ausstatten. Das bedeutet eine Menge Arbeit und dafür suchen wir uns eine möglichst ruhige Zeit", so Franz Polland, RVO-Niederlassungsleiter.

Er ist von den Vorteilen des Systems für die Kunden überzeugt. In Großstädten wie Berlin oder Hamburg sei ein derartiges System schon lange Standard. Die Erfahrungen damit seien durchwegs gut, die Fahrgäste größtenteils zufrieden. Gerade Reisende, die sich in einer Ortschaft nicht so gut auskennen, würden das System begrüßen, weil sie genau sehen, an welcher Haltestelle sie aussteigen müssen und wann der nächste Bus kommt.

Ziel sei die Vernetzung des Öffentlichen Personennahverkehrs mit größtmöglichem Service für die Kunden. 100000 Euro haben die Tafeln in der Stadt gekostet. Der Freistaat Bayern fördert das Projekt finanziell. 1500 Fahrzeuge sollen innerhalb der kommenden Jahre in Bayern umgerüstet werden.

Udo Jalink, Assistent der Geschäftsleitung bei Kroiss, ist gleichfalls überzeugt davon, dass das System für die Fahrgäste auf jeden Fall viele Vorteile mit sich bringt. Allerdings meint er, die von der ROVG aufgestellten Anzeigetafeln am Busbahnhof und am Atrium seien zu klein: "Ich finde, da kann man die Linienverbindungen nur schlecht lesen." Mit dieser Kritik steht er nicht allein, auch Buskunden bemängeln das kleine Format.

Ab Herbst soll das Angebot Zug um Zug ausgeweitet werden, was nach den Worten von Franz Polland sogar dazu führen kann, dass Busse in Zukunft ihre Fahrpläne ganz den Wünschen jedes einzelnen Fahrgasts anpassen: "Die Busfahrer sehen, wo jemand zusteigen will und legen die ideale Route fest." Per Mobiltelefon könne man dann vielleicht auf schnellsten Wege die günstigen Verbindungen erfahren. Auch die Bahn solle in das Projekt mit einbezogen werden. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik.

Fahrplan auch auf der Telefonstele

Momentan steht die Umsetzung der "Stufe Eins" an. Das heißt: Neben den Anzeigetafeln, die noch an anderen Standorten in Stadt und Landkreis aufgestellt werden sollen, gehört dazu die Installation von Telefonstelen. Einige stehen bereits, aber sie funktionieren noch nicht. Auch von dort aus soll man die Echtfahrzeiten abrufen können. Außerdem sollen sie die Telefonzellen ersetzen, die man seit einigen Jahren größtenteils in vielen Städten und Gemeinden vergebens sucht.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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