Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Götz Brühl referierte bei CSU über Energiewende

"Trend zu staatlicher Planwirtschaft"

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Dr. Götz Bühl referierte auf Einladung der CSU im Mail-Keller.

Rosenheim - Welchen Weg die Stadtwerke Rosenheim angesichts der "Energiewende 2022" einschlagen, erläuterte jetzt Geschäftsführer Dr. Götz Brühl auf Einladung der CSU im Gasthaus "Mail-Keller".

Mit dem Beschluss zum stufenweisen Atomausstieg hat der Bundestag im vergangenen Jahr auf die verheerende Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima reagiert.

Um jederzeit umweltfreundliche, preiswerte Energie liefern zu können, setzt der städtische Energieversorger auf ein Vier-Säulen-Modell: Kraft-Wärme-Kopplung mit hocheffizienten Gasmotoren, Restmüllverbrennung, Einsatz von Holz und anderer Biomasse als Brennstoff sowie Fernwärme-Ausbau.

Nicht zuletzt aufgrund der neu entwickelten Anlage zur Holzvergasung (wir berichteten) ist Brühl überzeugt, sei für Rosenheim das im Energiekonzept festgeschriebene Wunschziel fürs Jahr 2025, die Kohlendioxid-Null-Bilanz, erreichbar. 2013 würden - auch dank der neuen Vergasungsanlage, die heuer 2000 Stunden laufen soll - die CO2-Emissionen im Bereich der Stadtwerke um rund ein Drittel unter dem Wert von 1990 liegen.

Umfassend erläuterte der Stadtwerke-Chef mit Schaubildern die Energiequellen und -flüsse, Zusammenhänge des internationalen Strommarktes sowie deren Auswirkungen auf Netzlast und Kostenentwicklung. "Wärme ist und bleibt wichtig", betonte Brühl in seinem eineinhalbstündigen Vortrag. In Privathaushalten liege ihr Anteil an verbrauchter Energie (ohne Kraftfahrzeuge) bei 87 Prozent. Nur 13 Prozent würden als Strom benötigt; dieses Verhältnis werde sich auf absehbare Zeit nicht signifikant ändern.

Zudem hob er ein "riesiges Energiesparpotenzial" hervor: "Aus der Abwärme aller deutschen Kraftwerke könnte ganz Deutschland beheizt werden." Grund genug für die Stadtwerke, die Kraft-Wärme-Kopplung voranzutreiben, wobei die Vergasung von Holz mit 30 Prozent eine doppelt so hohe Stromausbeute liefere wie das Verbrennen. Die gewonnene Wärme fließt ins Fernwärmenetz. Der erzeugte Strom wird je nach Marktlage eingespeist: Ist der Marktpreis günstig, wird die Produktion ausgesetzt und Strom aus dem Netz bezogen. Der Einsatz der Biomasse Holz als Brennstoff - "es ist weder Futter-, noch Nahrungsmittel" - biete einen entscheidenden Vorteil: Er lasse sich lagern und bedarfsgerecht einsetzen. Als Verbrauch sei die Hälfte der Holzmenge angepeilt, die jährlich im Landkreis nachwachse.

Währenddessen stünden Alternativen wie Fotovoltaik oder Windkraft nur zeitweise zur Verfügung; die so gewonnene elektrische Energie lasse sich auf absehbare Zeit nicht sinnvoll speichern. Die Kapazität aller in Deutschland vorhandenen Pumpspeicherwerke liege bei 40 Gigawattstunden; benötigt werde jedoch die tausendfache Menge.

Kritik übte Brühl an der Förderpraxis seitens der Bundesministerien für Umwelt und Wirtschaft, die anstelle ganzheitlicher Konzepte lediglich einzelne Techniken unterstützten. Zudem wirke der stetig wachsende Apparat der Bundesnetzagentur weit über den Bereich der Netzregulierung hinaus und verhindere einen wirtschaftlichen Betrieb. Die Tendenz zu einer staatlichen Planwirtschaft sei "unübersehbar".

pil/Oberbayerisches Volksblatt

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