Er hofft auf Nachahmer

Rebellion gegen Corona-Lockdown: Rosenheimer Sporthändler will ab 11. Januar öffnen

Die Zeichen verdichten sich, dass der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert werden soll. Ein Sporthändler aus Rosenheim will seine fünf Länden dennoch ab 11. Januar wieder öffnen.
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Die Zeichen verdichten sich, dass der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert werden soll. Ein Sporthändler aus Rosenheim will seine fünf Länden dennoch ab 11. Januar wieder öffnen.

„Irgendwann ist das Fass voll.“ Udo Siebzehnrübl, Betreiber eines Sportgeschäfts in Rosenheim, will eine mögliche Verlängerung des coronabedingten Lockdowns nicht mehr hinnehmen. Der 60-Jährige will seine fünf Intersport-Geschäfte zum 11. Januar wieder öffnen – und hofft auf Nachahmer aus der Branche.

Rosenheim – Das Weihnachtsgeschäft ist ins Wasser gefallen und ein Ende des Lockdowns am 10. Januar unwahrscheinlich. Doch egal wie die Politik entscheidet – Udo Siebzehnrübl (60) will aufsperren. Das hat der Inhaber von fünf Intersport-Geschäften – eines davon steht in der Rosenheimer Fußgängerzone – in einem offenen Brief an den Bayerischen Handelsverband bekannt gegeben.

Keine Querdenker oder Corona-Leugner

Der Geschäftsmann ist sauer. Das hört man auch am Telefon. „Ich habe es satt, weiterhin als Sündenbock der Corona-Pandemie herzuhalten“, sagt er. Grund für seinen Unmut ist die politische Diskussion darüber, dass die Geschäfte auch über den 10. Januar hinaus geschlossen bleiben könnten. „Irgendwann ist das Fass voll“, sagt er.

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Weil er nicht tatenlos herumsitzen will, hat er einen offenen Brief geschrieben, adressiert an Melanie Eykmann, Bezirksgeschäftsführerin des Handelsverbandes Bayern sowie Wolfgang Puff, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Bayern. Darin schreibt Siebzehnrübl unter anderem, dass es für die Einzelhändler an der Zeit ist, „die Tonart mit der Politik zu ändern“.

„Wir lassen uns nicht mehr länger gängeln“

„Wir lassen uns nicht mehr länger gängeln, als wären wir in der Diktatur“, schreibt er und weist im nächsten Satz darauf hin, dass das keinesfalls heiße, dass Einzelhändler Querdenker oder Corona-Leugner seien. Vielmehr gehe es ums Prinzip. „Die Politik weiß einfach nicht, was sie mit diesen Entscheidungen anrichtet“, sagt er am Telefon. Er spricht von Existenzängsten, von gefährdeten Arbeitsplätzen und daraus resultierenden Leerständen. Nachdem man den ersten Lockdown gerade so überstanden habe, sei man jetzt zum wiederholten Mal „massiv gebeutelt“. „Sowohl die Solidarität, als auch die finanziellen Möglichkeiten sind völlig aufgebraucht“, sagt Siebzehnrübl. Denn: Eine finanzielle Unterstützung sei nicht in Sicht. Das hätten auch etliche seiner Kollegen bestätigt.

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Finanzielle Unterstützung hin oder her, Udo Siebzehnrübl will vor allem eines: seine fünf Geschäfte so schnell wie möglich wieder aufsperren. Und dafür will er sich auch – wenn es denn sein muss – über Verordnungen hinwegsetzen. „Wir können und werden uns eine weitere Schließung der Geschäfte nicht mehr gefallen lassen und wollen ab dem 11. Januar wieder öffnen“, gibt er sich kämpferisch. Bereits jetzt habe er mit Kollegen aus der Sportbranche gesprochen, ihnen von seinem Vorhaben berichtet und um Unterstützung gebeten – mit Erfolg.

Bis jetzt seien alle, mit denen er gesprochen habe, an Bord und wollen ebenfalls aufsperren. In den kommenden Tagen sollen weitere Gespräche mit Einzelhändlern folgen, dann auch in Rosenheim. Doch in der Stadt selbst reagiert man noch verhalten. „Ich habe von dem offenen Brief noch nichts gehört“, sagt beispielsweise Paul Adlmaier, Vorsitzender des City-Managements und Inhaber des gleichnamigen Herrenmodegeschäfts. Er könne seinen Kollegen zwar verstehen, trotzdem wisse er nicht, wie er sich entscheiden werde. Auch weil er nicht glaubt, dass man Verordnungen einfach so umgehen kann.

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Angst vor möglichen Konsequenzen hat Udo Siebzehnrübl jedenfalls nicht: „Wenn 5000 Händler aufsperren, kann ich mir nicht vorstellen, dass alle bestraft werden.“ Und selbst wenn, scheint ihn das im Moment wenig zu kümmern. Er will ein Zeichen setzen. Für sich selbst, aber auch für die Einzelhandelsbranche. „Wenn wir es nicht versuchen, schaffen wir es nicht“, sagt Siebzehnrübl. Dafür wird er eben auch zum Revoluzzer.

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