Rosenheim

Umsatz in der Innstraße bleibt aus

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Unternehmer in der Innstraße fürchten um ihre Zukunft: Bei Gemüsehändler Kamil Candemir bleiben die Kunden aus.

Die Bauarbeiten in der Innstraße nerven derzeit Autofahrer, Radler und Fußgänger gleichermaßen. Doch am meisten leiden die Geschäftsleute in diesem Bereich: Sie klagen über immense Umsatzeinbußen.

"Ich weiß nicht, ob wir bis zum Ende der Bauarbeiten durchhalten", erklärt Gastwirtin Hildegard Chueprasert. Zusammen mit ihrem Ehemann Son betreibt sie seit 24 Jahren das Siam-Restaurant. Jetzt bleiben die Kunden weg, besonders beim Mittags-Geschäft seien die Einbußen enorm.

Vergangenes Wochenende konnte Chueprasert nicht fassen, was vor ihrem Restaurant vor sich ging. Der Fußgängerweg stadtauswärts endete abrupt genau neben der Eingangstür ihres Restaurants mit einem Eisengitter. Ständig kamen Radler und Fußgänger und stellten dann erstaunt fest, dass ein Weiterkommen nicht möglich ist. Die meisten drehten verärgert um. Nur wenige versuchten, sich durch einen kleinen Schlitz am Bauzaun vorbeizuzwängen. "Unvorstellbar, die Leute haben jetzt von dieser Seite aus keine Möglichkeit mehr, zu mir zu kommen", ärgerte sich die Wirtin. Außerdem versperre ein großer Baucontainer den Blick auf die Gaststätte und Parkplätze seien auch keine mehr vorhanden.

Chueprasert hofft, dass die Stammkunden ihr trotz der widrigen Umstände die Treue halten: "Aber auch wenn sie das tun, wird es für uns finanziell schwierig." Sie würde sich von der Stadt ein Entgegenkommen wünschen, etwa die Aussetzung der Gewerbesteuer während der Bauphase. Derzeit fühle sie sich alleine gelassen, und so gehe es auch den meisten anderen Geschäftsbetreibern in der Innstraße.

Umsatz um 50 Prozent zurückgegangen

Auch Kamil Candemir vom Gemüsegeschäft "Südländischer Obstgarten" plagen Zukunftssorgen. Seit 20 Jahren ist er mit seinem Laden in der Innstraße stationiert, jetzt klagt auch er über gewaltige finanzielle Einbußen. Um 50 Prozent sei der Umsatz bereits zurückgegangen. Normalerweise würden seine Mitarbeiter täglich frische Ware beim Großmarkt abholen. Jetzt rentiere sich nur noch zwei Mal in der Woche eine Fahrt. Dazu käme noch die Belastung durch den ständigen Lärm und Schmutz. Besonders in den Morgenstunden beim Berufsverkehr sei das Chaos vor der Eingangstüre kaum auszuhalten.

Mit dem Auto würden ihn seine Kunden nicht mehr erreichen, doch auch die Fußgänger und Radfahrer hätten ihre Schwierigkeiten. Das bestätigt die Schloßbergerin Angelika Glatzle, die das Obstgeschäft eigentlich regelmäßig aufsucht. "Mit dem Auto probiere ich es gar nicht mehr. Doch auch mit dem Fahrrad ist der Einkauf ohne Abstellmöglichkeiten schwierig. Da überlegt man sich, ob man sich die Strapaze antut", gibt sie zu.

Nicht besser sieht die Lage in der Metzgerei "Rosis Innspezialitäten" aus. "Ich hoffe, dass mein Geschäft die Bauphase mit Hängen und Würgen überlebt", bangt Geschäftsinhaberin Rosi Heeke. Auch bei ihr bleiben die Kunden weg.

"Schuh-Lehner" befindet sich zwar nicht mehr in unmittelbarer Nähe der Baustelle, trotzdem spürt man auch dort die negativen Auswirkungen. "Jetzt verirrt sich kein Mensch mehr in die Innstraße. Die machen alle vorher kehrt. Dieser Bereich ist ganz ausgestorben", so Geschäftsinhaberin Ingeborg Koziol.

Die Folgen der Bauarbeiten in der Innstraße spüren auch Geschäftsinhaber in der angrenzenden Chiemseestraße, wie Thomas Fürst vom Fruga-Getränkemarkt verärgert feststellt: "Auch uns bleiben die Kunden weg." Er könne besonders den langen Zeitraum der Bauarbeiten überhaupt nicht nachvollziehen. "Die Innstraße ist eine sensible Verkehrs-Hauptschlagader. Da muss doch einfach zügiger gearbeitet werden."

Zwischen Bauphasen keine Zeit zum Erholen 17 Monate Bauzeit habe die Innstraße in den vergangenen Jahren bewältigen müssen. "Kaum erholt man sich von einer Bauphase, kommt der nächste tiefe Fall. Irgendwann kann man so etwas nicht mehr auffangen", erklärt Fürst.

Renate Rüber vom "Haarstudio Creativ" hatte bisher immer Verständnis für die Bauarbeiten in der Innstraße. Doch jetzt ist sie mit ihrer Geduld am Ende. "Wenn die Bauarbeiten wirklich so lange dauern sollten, ist meine Existenz stark bedroht und auch die Arbeitsplätze meiner acht Mitarbeiter damit gefährdet", sagt sie. Dabei will sie eigentlich im kommenden Jahr 20 Jahre Selbständigkeit feiern. Ob sie das noch kann, stehe jetzt in den Sternen. Sie appelliert an die Stadt, "dass die Arbeiten Tag und Nacht durchgeführt werden." Ansonsten würde es bald einige alteingesessene Rosenheimer Geschäfte weniger geben: "Was hilft eine attraktive Innstraße, wenn es dort am Schluss keine Läden mehr gibt?".

Auch die Interessengemeinschaft Innstraße mit Johann Lützenkirchen an der Spitze hat jetzt zu den Bauarbeiten in einem offenen Brief an die Politik Stellung genommen. "Die nicht enden wollende Zahl der Baustellen geht langsam an die Substanz", steht in dem Schreiben. Nun sei die Stadtverwaltung gefordert, Maßnahmen zu treffen, um die Geschäftsinhaber zu unterstützen. Die Interessengemeinschaft fordert eine Beschleunigung der Großbaustelle, durch Verlängerung der Tagesarbeitszeiten und den Verzicht von Parkgebühren und Verwarnungen in diesem Bereich. Außerdem werden Vermieter gebeten, auf den Mietzins zu verzichten oder diesen abzusenken, um damit die am härtesten betroffenen Geschäfte zu unterstützen. wu

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