Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Er verbreitet weiter Verschwörungstheorien

Vom Freund und Helfer zum Querdenker: Rosenheimer Polizist (57) ist vom Dienst suspendiert

Auf dieser Kundgebung in Rosenheim im Februar hatte auch der mittlerweile verstorbene Ex-Polizist Karl Hilz gesprochen, der zu den Mitbegründern des Vereins „Polizisten für Aufklärung“ gehört. Kurt Rohrmoser engagiert sich dort aktuell als kommissarischer Zweiter Vorsitzender.
+
Auf dieser Kundgebung in Rosenheim im Februar hatte auch der mittlerweile verstorbene Ex-Polizist Karl Hilz gesprochen, der zu den Mitbegründern des Vereins „Polizisten für Aufklärung“ gehört. Kurt Rohrmoser engagiert sich dort aktuell als kommissarischer Zweiter Vorsitzender.

Früher war Kurt Rohrmoser Verkehrserzieher bei der Polizei. Heute ist er wegen Querdenkertums vorerst aus dem Dienst suspendiert. Doch er verbreitet weiter Verschwörungstheorien und engagiert sich in einem Verein von Corona-Leugnern.

Rosenheim/München – Hände an die Lenkstange, Armzeichen, Schulterblick, abbiegen – einst brachte Kurt Rohrmoser als Verkehrserzieher der Ebersberger Polizeiinspektion Grundschülern das richtige Verhalten im Straßenverkehr bei. Ein paar Jahre später biegt der 57-Jährige selbst falsch ab und kritisiert mit drastischen Worten einen Polizeieinsatz auf seinem Telegram-Kanal.

Der Polizeioberkommissar wird daraufhin vom Dienst suspendiert – als einer von vier Polizeibeamten, die laut Innenministeriums seit Beginn der Pandemie wegen Querdenkertums vorerst aus dem Dienst in der bayerischen Polizei entfernt wurden. Fast so schnell wie das Coronavirus selbst mutierten auch sie. Vom Freund und Helfer zum Freund und Schwurbler.

Er postet fleißig auf Telegram

Seit Rohrmoser keinen Dienst mehr schiebt, scheint es ihm nicht langweilig zu sein. Er postet weiter auf Telegram Corona-Verschwörungstheorien und engagiert sich als kommissarischer Zweiter Vorsitzender im Verein „Polizisten für Aufklärung“, einem Sammelbecken für Querdenker in Uniform und Coronaleugner. Auf der Homepage heißt es, in dem Verein engagierten sich Menschen aus Polizei, Militär, Rettungsdienst, Justiz und Feuerwehr sowie Mitarbeiter anderer staatlicher Institutionen mit dem Ziel, „die freiheitliche demokratische Grundordnung zu wahren und zu verteidigen“.

Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite

Mitbegründet hat den Verein, der im November gestorbene Ex-Polizist Karl Hilz. Der 64-Jährige war zentraler Akteur der Corona-Proteste in Bayern und reiste bundesweit zu Kundgebungen. Dabei wurde er mehrfach in Gewahrsam genommen. Seit Hilz‘ Tod führt der Weißenburger Polizist Bernd Bayerlein (auch suspendiert) als Interims-Vorsitzender die Geschäfte, Rohrmoser rückte vom Beisitzer zum Zweiten Vorsitzenden auf. Er sei „in Nullkommanix vom Polizeioberkommissar zum suizidalen Reichsbürger“ geworden, prangert der Verein dessen Suspendierung an. Mehrere Anfragen an den Verein und die Bitte um ein Gespräch mit Rohrmoser bleiben unbeantwortet, offensichtlich will man sich gegenüber der „Systempresse“ nicht äußern.

Kritik an polizeilicher Maßnahme

Dafür gibt sich Rohrmoser im Internet umso gesprächiger. In einem Interview vom 25. November, geführt von einer Maria Pia de Vos, schildert er, wie es zu seiner Suspendierung kam. Man behaupte, er wäre nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung, weil er auf seinem Telegram-Kanal eine polizeiliche Maßnahme kritisiert habe.

Bei dieser Maßnahme habe „hinten und vorne nichts zusammengepasst, mit dem was ich jemals gelernt habe“. Er habe recht deutliche Worte gewählt in dem Video, weil er „ein Stück weit aufrütteln“ wollte, dass das, was derzeit hierzulande passiert, nichts mehr mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu tun habe. Immer wieder geht es in dem Interview um „sie“, die die Grundrechte der Menschen mit Füßen treten würden.

Einsatz in der Verkehrsmeldestelle

Wer damit gemeint ist, wird nicht ausgesprochen. Die Polizeiführung, die bayerische Staatsregierung, die Bundesregierung, der Staat? Zum Zeitpunkt seiner Suspendierung war Rohrmoser in der Verkehrsmeldestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim eingesetzt.

Er befand sich nach seinen Angaben wegen einer „auch dienstlich bedingten“ Depression im Krankenstand. Dann habe er einen Termin mit einer Amtsärztin ausgemacht, um sich wieder in den Dienst eingliedern zu lassen und sei vor diesem Termin zu seinem Chef zitiert worden. Dieser sei „sichtlich nervös gewesen“, schildert Rohrmoser und habe gesagt: „Jetzt haben sie dich suspendiert, sie warten schon zur Verlesung.“

Er selbst habe sein „Hirn ausgeschaltet und das über mich ergehen lassen“. Das sei im Nachhinein auch gut gewesen, sagt der passionierte Kampfsportler, weil er aufgrund seiner Depression „wirklich wütend“ werden könne, wenn er sich in einer hilflosen Lage befinde. Ihm sei vorgehalten worden, selbstmordgefährdet zu sein. Er solle sich in ein Krankenhaus begeben, es sei „alles schon vorbereitet“.

Lesen Sie auch: Ein Lebenszeichen im Internet: Reichsbürgerschule Deutelhausen sucht Lehrer

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums äußert sich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht näher zu den Behauptungen von Rohrmoser im Zusammenhang mit den Umständen seiner Suspendierung. „Grundsätzlich ist jedoch aus Fürsorgegründen bei einer Suspendierung der Polizeiliche Soziale Dienst mit eingebunden.“

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) haben die Aktivitäten von Rohrmoser und den Seinen im Verein „Polizisten für Aufklärung“ eine klare verfassungsfeindliche Stoßrichtung. „Wir haben den Staatsschutz im Landeskriminalamt informiert“, berichtet der schleswig-holsteinische GdP-Landesvorsitzende Torsten Jäger, in dessen Bundesland der dubiose Verein seinen Sitz hat. „Die Tätigkeiten dieses sogenannten Vereins sind erschreckend. Ein tatsächliches Mitwirken von Polizisten bei diesen Aktivitäten muss aus unserer Sicht zwingend disziplinar- und beamtenrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

Hausverbot an der alten Dienststelle

Seine Kollegen in der alten Dienststelle kann Rohrmoser im Moment nicht besuchen. Er hat Hausverbot. Dies sei eine „notwendige Begleitverfügung“ bei Suspendierungen, sagt Martin Emig, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Hierzu gehöre der Ausspruch eines grundsätzlichen Hausverbots in Gestalt eines Betretungsverbots für alle Diensträume. Dieses gelte nicht, wenn der Beamte zu einem Beratungsgespräch mit dem Polizeilichen Sozialen Dienst, der Polizeiseelsorge oder der Personalvertretung erscheint oder eine Anzeige erstatten möchte.

Lesen Sie auch: Tausende demonstrieren in Bayern gegen Corona-Maßnahmen

Rohrmoser berichtet in dem Interview, dass er über einen Anwalt gegen die Suspendierung vorgegangen sei. Ohne Erfolg. Die Suspendierung sei aufgrund des anwaltlichen Widerspruchs überprüft worden „und ist bestandskräftig“, so Emig. Unabhängig von Rechtsmitteln werde hierbei aber auch kontinuierlich von Amts wegen geprüft, ob die Voraussetzungen einer Suspendierung weiter vorliegen.

Zu den Vorwürfen gegen ihn in seinem laufenden Disziplinarverfahren hat sich Rohrmoser der Polizei gegenüber nicht geäußert, wie er angibt, weil er sich dazu nicht äußern könne. „Das bringt mich so auf, dass ich eine Woche krank bin, richtig krank.“ Er könne auch nicht zu einer Anhörung erscheinen, „weil irgendwann kommt der Punkt, da habe ich mich nicht mehr unter Kontrolle“.

Gedanken über den „Wiederaufbau“

Trotz seiner Erfahrungen, rät Rohrmoser seinen Kollegen nicht, den Beruf an den Nagel zu hängen. „Wenn das Ganze irgendwann mal neu aufgebaut werden muss, dann brauchen wir genau diese Leute, die trotzdem dabei geblieben sind und versucht haben, ihr Gewissen in ihren Job einzubringen. Wir brauchen diese Leute für den Wiederaufbau, wenn wirklich mal was kommt.“

Lesen Sie auch: Oberster Rosenheim-Cop im echten Leben: Manfred Hauser folgt auf Robert Kopp

Er selbst wird daran wohl nicht teilnehmen. Als es sinngemäß um die Frage geht, ob es für ihn noch einen Weg zurück in den Polizeidienst gibt, antwortet er mit einer Gegenfrage: „Will ich das wirklich? Mich wieder zum Werkzeug machen lassen, das dieses System unterstützt?“

Kommentare