Vor der Spritze besser zum Hausarzt-Check?

Rosenheimer nach Corona-Impfung auf Intensivstation – er bleibt trotzdem vom Nutzen überzeugt

Rosenheimer nach Corona-Impfung auf Intensivstation
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Pumperlg‘sund ins Bett, als Notfall erwacht: Der 39-jährige Rosenheimer steht selbst vor einem Rätsel.

„Geht zum Hausarzt, informiert euch“: So will ein Rosenheimer Krankenpfleger Menschen davor bewahren, seine Erfahrungen wiederholen zu müssen. Er landete auf der Intensivstation. War es seine schwere Vorerkrankung, die ihn nach einer Corona-Impfung in Schwierigkeiten brachte?

Rosenheim – Pumperlg‘sund ins Bett, als Notfall erwacht: Weil er nach seiner zweiten Corona-Impfung plötzlich mit schweren Problemen zu kämpfen hatte, ließ sich Stefan Tafertshofer (Name von der Redaktion geändert) mitten in der Nacht vom Notarzt abholen. Seine Symptome nach seinen Worten: „Schüttelfrost, Fieber, die Lunge rasselte und brodelte.“

Ein angeborener Herzklappenfehler als Ursache für die Impfreaktion?

Der Notarzt brachte Tafertshofer (39) auf die Intensivstation, für eine Nacht. Ein Lungenödem habe er gehabt, sagt Tafertshofer. Als Krankenpfleger im Romed-Klinikum ist er vom Fach, die Symptome könne er deuten, sagt er. Was dann noch folgte, war allerdings auch für den Klinikumsmitarbeiter eine Überraschung. Bei dem 39-Jährigen wurde noch mehr festgestellt: ein angeborener Herzklappenfehler.

War das Problem am Herz für die heftige Reaktion mit dem Corona-Impfstoff der amerikanische Firma Moderna verantwortlich? Ärzte aus der Region sind skeptisch. Heftige Beschwerden nach Corona-Schutzimpfungen seien sehr selten, sagt etwa Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbands Rosenheim. „Vielleicht mal eine Krankschreibung für ein, zwei Tage“, das sei‘s dann aber auch gewesen, meint er.

Der Zusammenbruch stellt Ärzte vor ein Rätsel

Der 39-jährige Rosenheimer steht selbst vor einem Rätsel. „Ich laufe Marathon“, erzählt Tafertshofer, „laufe im Training 40 Kilometer die Woche.“ Auch sein Lebenswandel sei solide: Kein Alkohol, keine Zigaretten. „Und ich habe zwei kleine Kinder, die halten mich in Bewegung.“ Die erste Impfung habe er ja auch bestens vertragen. „Es gab überhaupt keine Komplikationen.“

Kleinere Probleme bei Impfungen, unabhängig vom Impfstoff, sind laut Robert-Koch-Institut nicht neu, zumal bei jüngeren Menschen. „Eine Impfung ist ein Reiz“, erklärt Ihler, „der Körper reagiert darauf“. Wenn man so will, sind Reaktionen wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen oder sogar Fieber nach der zweiten Impfung ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass der Körper begonnen hat, eine Abwehr gegen das Corona-Virus aufzubauen. „Die heftigeren Reaktionen bei jüngeren Menschen hängen damit zusammen, dass die ein stärkeres Immunsystem haben“, erklärt Dr. Florian Bonke, Allgemeinarzt mit Corona-Schwerpunktpraxis im Inntal.

Müdigkeit gehört zu den verbreiteten Nebenwirkungen

So klagen beim Corona-Impfstoff von Moderna gut zwei Drittel der Befragten laut Robert-Koch-Institut über Müdigkeit. Aber Beschwerden, so schlimm, dass man in der Intensivstation landet?

Die Millionen-Ausnahme: Die Gefahr eines schweren Zwischenfalls, der ärztliche Behandlung notwendig macht, liegt laut Paul-Ehrlich-Institut – die Einrichtung bewertet die Sicherheit von Impfstoffen in Deutschland – bei den Corona-Mitteln bei allerhöchstens zehn pro einer Million Impfdosen.

Bei Zweifeln besser informieren

Untersuchungen sollen noch genaueren Aufschluss über die Probleme am Herzen geben. Für den Krankenpfleger, der seit über einem Dutzend Jahren in der Onkologie arbeitet, war die Fahrt mit dem Notarzt das erste Mal „auf der anderen Seite“. Wie hat er die Betreuung durchs Romed-Klinikum erlebt? „Eins mit Sternchen“, sagt Tafertshofer. „Mir ist nochmals mehr klar geworden, wie wichtig dieser Job ist.“

Der Nutzen der Corona-Impfungen überwiegt bei weitem

Zum Impfskeptiker ist er nicht geworden, im Gegenteil. „Ich habe mich impfen lassen, weil ich auch meine Patienten schützen will“, sagt er. Allerdings, so sagt er, wolle er mit seiner Geschichte mahnen. Es solle sich jeder, der sich impfen lasse und Zweifel habe, über seine Vorerkrankungen informieren. „Ich hatte von meinem Herzklappenfehler keine Ahnung“, sagt er. „Es hätte mich auch bei irgendeinem Marathonlauf aus den Schuhen hauen können.“ Sein Rat: „Fragt euren Hausarzt.“

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Wenngleich auch der den Herzklappenfehler nicht ohne weiteres hätte entdecken können, geben ihm Ihler und Bonke grundsätzlich Recht. Es gebe schon Komplikationen wie etwa Ansammlungen von Allergien, da rate er zunächst von einer Impfung ab, sagt Bonke. „Da warte ich ab, bis wir eine breitere Datenbasis haben.“ Von einem sind beide Ärzte überzeugt: vom Nutzen der Impfung. „Jeder Eingriff ist ein Risiko“, sagt zum Beispiel Ihler. „Aber beim Impfen überwiegt der Nutzen das Risiko bei weitem.“

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