Warnstreik des öffentlichen Dienstes in Rosenheim

Mehr Lohn gefordert: „Sie haben das Geld und wollen es nicht ausgeben“

Warnstreik am 19. Oktober in Rosenheim
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Günter Zellner beim Warnstreik der Gewerkschaft ver.di

Rosenheim - Am Montag, 19. Oktober, fand in Rosenheim im Mangfallpark Nord, wie von der Gewerkschaft ver.di bereits angekündigt, ein Warnstreik statt:

Am Montag, den 19. Oktober, trafen sich dort um 9.30 Uhr etwa 70 Personen, um für faire Gehälter und mehr Personal im öffentlichen Dienst zu streiken. Auf Abstand und das Tragen von Masken wurde stark geachtet. Auch das Mikrofon, das die Sprecher nutzten, wurde vor dem Weitergeben immer desinfiziert. Um 10.30 Uhr begann dann die Streik-Kundgebung.

„Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!“

Ver.di-Sekretär Win Windisch machte gleich zu Beginn klar: „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!“ Ingrid Meindl-Winkler (Gewerkschaftssekretärin Ver- und Entsorgung der Gemeinden) fügte an: „Abstand nehmen wir von dem Angebot der Arbeitgeber!“ Günter Zellner (DGB-Geschäftsführer) kam als nächstes zu Wort. Zur Lohn-Problematik äußerte er sich anklagend in Richtung Arbeitgeber: „Sie haben das Geld und wollen es nicht ausgeben“. Zellner sagte auch, dass sie mehr Geld wollen und es ihnen auch zustehe, denn Beschäftigte im öffentlichen Dienst seien wertvoll.

Aus allen Landkreis-Kliniken hatten sich Menschen eingefunden, um ihre Meinung zu verdeutlichen. Dadurch, dass Arbeitnehmer aus Prien, Bad Aibling, Wasserburg und Rosenheim anwesend waren, mussten teilweise Operationen, die nicht dringend notwendig waren, verschoben werden. In Rosenheim beispielsweise war am Streiktag (19. Oktober) nur ein Notdienst in der Klinik vor Ort. OP-Pflege, Anästhesie, Physiotherapie und auch Azubis waren im Mangfallpark, um sich für ihre schwierige Lage Gehör zu verschaffen.

„Wir haben hier und heute die Möglichkeit, der Politik den Kampf anzusagen!“

Zusätzlich sprachen zwei Beschäftigte aus den RoMed Kliniken. Veronika aus Prien sagte zu ihrer Situation klar: „Wut und Zorn und Ohrfeigen bekommen wir dieses Jahr“. Außerdem beklagte sie, dass die einmalige finanzielle Unterstützung während der Corona-Krise in dem Umfang nicht ausreichend sei und es bitter ist, dass ein Streik überhaupt notwendig ist, um auf etwas aufmerksam zu machen, was in anderen Branchen selbstverständlich ist. Sie fordert dazu auf, nur Dienst nach Vorschrift zu machen und alles, was darüber hinausgeht, wie Einspringen, Überstunden und keine Pausen machen, zu verwehren. Sie hofft, dass den Arbeitgebern dann dadurch endlich die Augen geöffnet werden können.

„Wir sind systemrelevant“

Dieter aus der Wasserburger Klinik ist der Meinung, dass sich die Lage nicht von selbst verbessern wird, wenn niemand etwas unternimmt. Es sei wichtig, jetzt zu streiken, denn sieben Tage die Woche zu arbeiten und keine Pausen zu machen, so könne es für ihn nicht weitergehen. „Das ist doch kein Angebot, das ist der blanke Hohn!“, schrie er ins Mikro. Er kritisierte, dass die Regierung die Automobilindustrie und unter anderem die Lufthansa während der Krise entschädigte, für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst sei aber plötzlich nicht genug Geld da. Er beendete seine Rede mit den Worten: „Wir haben keine Angst! Hört her! Wir lassen uns das nicht weiter gefallen!“

Windisch erklärte zwischen den Redebeiträgen, dass an diesem Tag nicht nur in Rosenheim gestreikt wird, auch die Regionen Traunstein, Trostberg und Bad Reichenhall haben sich an diesem Tag versammelt, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Die Forderungen „Lohnverbesserung“ und „mehr Personal“ zogen sich durch alle Reden an diesem Tag. Ebenso die Slogans „Wir sind unverzichtbar“, „Wir wollen mehr Geld für mehr Personal“ und „Mehr von uns ist besser für alle“.

fs

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