Mittelschule: Frage nach dem Mehrwert

Rosenheim - "Die Mittelschule ist nicht notwendig", sagen die Einen. Die Anderen sind glühende Verfechter der Weiterentwicklung der Hauptschule - Diskussionen sind somit vorprogrammiert.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Weichen gestellt - Erste Kritik wird laut

Zur "Mittelschule" will Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle die Hauptschule einzeln oder in Schulverbünden weiterentwickeln. Das sorgt derzeit für viel Diskussionsstoff. Auch kritische Stimmen werden laut. Das erste Dialogforum der Regierung befasste sich damit im Rathaus ebenso, wie der Bayerische Elternverband (BEV) bei seiner Landesversammlung in der Grundschule Prinzregentenstraße.

Das Interesse fiel bei beiden Veranstaltungen eher gering aus. Am Dialogforum nahmen politische Vertreter ebenso teil, wie viele Lehrkräfte aus der Stadt.

RegierungsvizepräsidentUlrich Böger, Regierungsschuldirektor Hans Bergmüller und Ministerialrat Stefan Graf zeigten auf, wie die Weiterentwicklung der Hauptschulen im Detail aussehen soll und was das für die Stadt Rosenheim im speziellen bedeutet. Mit dabei waren auch Wolfgang Tauber, Leiter des Schulamtes Rosenheims und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer.

"Ich bin ein Verfechter der Weiterentwicklung der Hauptschule. Egal, wie sie am Schluss auch heißt, das Prädikat muss bleiben", sagte Bauer. Sie wisse aber auch von der Verunsicherung vieler Eltern und Lehrer im Bezug auf die geplante Reform.

Schulamtsleiter Wolfgang Tauber ging auf die zu erwartende Entwicklung der Schülerzahlen in Rosenheim ein. Im Gegensatz zu vielen ländlichen Gebieten werde man in der Stadt in den kommenden Jahren sogar einen leichten Zuwachs verzeichnen. Lediglich die Volksschule Westerndorf St. Peter weiche von diesem Trend ab. In zehn Jahren müsse man dort mit 36 Prozent weniger Schüler als heute kalkulieren. Westerndorf könne damit in Zukunft aus eigener Kraft keine Ganztages-Klassen mehr bilden. Darum sei die Einführung von Schulverbänden so wichtig.

Schulverbände entstehen laut Tauber in Zukunft zwischen Aising und Fürstätt, ebenso zwischen der Hauptschule Mitte und Westerndorf St. Peter.

Die Weichen zur Einführung der Mittelschule seien damit gestellt, mit der Umsetzung würde man bereits im kommenden Schuljahr beginnen.

SPD-Stadträtin Gabi Leicht beleuchtete mit der Umstrukturierung verbundene finanzielle Fragen kritisch. CSU-Stadtrat Florian Ludwig wollte wissen, ob bei einem Scheitern der Reform auch eine Rückabwicklung möglich sei. "Nicht vorgesehen", lautete dafür die Antwort von Regierungsvizepräsident Ulrich Böger.

SPD-Stadträtin Maria Noichl fragte schließlich nach dem "Mehrwert" der Mittelschule. Dieser bestehe, so Böger, im Erhalt einer wohnortnahen Schulstruktur. Nicht zuletzt werde auch eine noch bessere Berufsorientierung angestrebt, auch in Kooperation mit den Berufsschulen. Damit gab sich Noichl nicht zufrieden. "Vieles was da angesprochen wird, gibt es an den Hauptschulen doch jetzt schon." Diese Meinung vertrat sie dann auch bei der Sitzung des BEV im der Grundschule in der Prinzregentenstraße. "Es gibt sicherlich einiges, was sich an den Hauptschulen ändern muss. Aber die Einführung der Mittelschule ist nicht die richtige Antwort." Der "Mehrwert" dieser Umstrukturierung falle gering aus und eine Namensänderung alleine sorge nicht dafür, dass sich am Ruf der Hauptschulen etwas ändere.

Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner betrachtete die "Mittelschule" wesentlich positiver. "Mit der Bayerischen Mittelschule machen wir allen Kindern ein faires Angebot jenseits von Realschule und Gymnasium", bat er, dieses vorurteilsfrei zu prüfen.

BEV-Landesvorsitzende Heike Hein die Auswirkungen der "Mittelschule" dar. Machte aber auch klar, dass der BEV weiter bei seiner Forderung bleibe: "Eine Schule für alle".

Martin Löwe, Elternbeiratsvorsitzender der Grundschule an der Prinzregentenstraße, nutzte die Gelegenheit, "seine" Schule genauer vorzustellen. Da habe sich in jüngster Zeit viel getan. "Neue Unterrichtsformen werden angewandt und die Zusammenarbeit mit den Ämtern wesentlich verbessert. Die Schule wird nun im Stadtteil als aktiver Teil wahrgenommen", freut sich Löwe.

wu

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