Corona-Panmdemie

Ein Krankenpfleger erzählt von Weihnachten auf der Covid-Station im Rosenheimer Romed-Klinikum

Sie pflegen auch an Weihnachten die Patienten auf den Covid-Stationen im Rosenheimer Romed-Klinikum: (von links) Antoneta Hauner, Marc Otto, Philipp Sieberer, Waltraud Glavar, Irmgard Obermaier und Petra Huppenberger.
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Sie pflegen auch an Weihnachten die Patienten auf den Covid-Stationen im Rosenheimer Romed-Klinikum: (von links) Antoneta Hauner, Marc Otto, Philipp Sieberer, Waltraud Glavar, Irmgard Obermaier und Petra Huppenberger.

Weihnachten auf der Covid-Station im Romed-Klinikum Rosenheim: Wie erleben die Patienten und das Personal die Feiertage? Wie bleibt jeder für jeden stark? Hinter den Mitarbeitern liegt ein Ausnahmejahr durch die Corona-Pandemie. Der Krankenpfleger Marc Oliver Otto erzählt.

Rosenheim –  Weihnachten ist das Fest der Familie. Eine Zeit, die man im Kreise seiner Liebsten verbringt. Doch die Menschen, die das öffentliche Leben aufrechterhalten, haben nicht immer die Möglichkeit dazu. So zum Beispiel Polizisten, Seelsorger und medizinisches Personal. Darunter sind auch die Krankenpfleger auf den Covid-Normalstationen im Rosenheimer Romed-Klinikum. Einer davon ist Marc Oliver Otto. Er ist Bereichsleiter von zwei Covid-Stationen. Seit März befinden er und sein Team sich an der „Corona-Front“. Der Dienst an Weihnachten gehört für ihn zur Routine. „Trotzdem ist es traurig, nicht bei seinen Liebsten sein zu können.“

Christbaum selbst geschmückt

Jedoch versuche man im Team, für eine weihnachtliche Stimmung zu sorgen. Zum Beispiel durch den „Stations-Christbaum“. Die Pfleger und Ärzte haben ihn eigenhändig geschmückt. Das ist aber auch das Einzige auf der Covid-Station, das an Weihnachten erinnert. Zusätzliche Dekoration gebe es aus hygienischen Gründen nicht.

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Und auch sonst sind die Feierlichkeiten auf der Station, nun ja, eher eingeschränkt. „Der Heiligabend wird wie jeder andere Tag im Krankenhaus ablaufen“, sagt Otto. Sowohl für Mitarbeiter als auch für Patienten. Um diesen die Einsamkeit zu nehmen, wollen die Pfleger Telefonkontakt von der Covid-Station zu den Familien daheim herstellen. Gerade weil Weihnachten ist. „Für viele Patienten ist das eine bedrückende Zeit“, bestätigt Otto. Eine Zeit, in der normalerweise Freude und Besinnlichkeit im Vordergrund stehen.

Nichtsdestotrotz versuchen die Pfleger und Ärzte auf der Covid-Station, positiv zu bleiben. Kraft gibt ihnen ihr Team. „Wir sind stark zusammengewachsen und besonders durch Corona zu einer großen Familie geworden“, da ist sich das ganze Team auf der Covid-Station einig. Zu einer Familie, in der sich manche auch an Weihnachten freiwillig für Schichten melden und ihre Kollegen unterstützen. Alles, um Engpässe bei der Pflege zu vermeiden.

Gemeinsam alle Situationen durchstehen

Dieser Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung sei das Schönste, was das Pflegepersonal dieses Jahr erlebt hätte. Gemeinsam stünde man auch die schwer zu verarbeitenden Situationen durch. Wie zum Beispiel einem älteren Mann die Hand zu halten, während er stirbt. Coronabedingt sind keine Angehörigen zugelassen, um die Sterbenden zu begleiten.

Wie schafft man es dabei, für sich selbst und für seine anderen Patienten stark zu bleiben? Die Antworten auf diese Frage hören sich simpel an. Zusammenhalt sei von jedem einzelnen gefordert. In seiner Freizeit versuche man dann, sich zu erholen, sagt Otto. In den Bergen funktioniere das gut. Auch die Familie und die Freunde seien wichtig, seien ein gutes Mittel zum Abschalten.

Zusammenhalt, Erholung, Familie und Freunde. Das sind die Voraussetzungen dafür, dass Otto und seine Kollegen jeden Tag aufs Neue funktionieren. Jeden Tag aufs Neue Leben retten. Äußerlich ist das Team dabei kaum zu erkennen. Denn jeder trägt mehrere Lagen Schutzkleidung, die mehrfach pro Schicht gewechselt wird. FFP2- und FFP3-Masken, eine Schutzbrille oder Gesichtsschild. Eine Kopfhaube, einen Schutzkittel sowie Handschuhe, am besten zwei Paar übereinander.

FFP-Masken acht bis zehn Stunden tragen

Diese Menge an Schutzmaterial erschwert die Arbeit des Pflegepersonals, macht sie anstrengender. Das Atmen falle durch die Masken schwer. Die Folgen: Kopfschmerzen und Schwindelgefühl. „Wir tragen die FFP-Masken über einen Zeitraum von acht bis zehn Stunden. Es kann sehr anstrengend sein“, berichtet Otto. Unter den Kitteln werde es außerdem schnell heiß und stickig.

Ein Lichtblick: die vielen Dankesbriefe, Karten und Gedichte von Patienten. Da heißt es: „Vergelt’s Gott für die Arbeit, die Sie für meine Mutter getan haben.“ Oder: „Mit Corona kamen wir zu Ihnen ins Hospital, denn daheim war es so krank nicht auszuhalten. Wir kamen wirklich über den Berg und das war zum großen Teil Ihr Werk.“

Otto und seine Kollegen freuen sich über diese Nachrichten. Für sie ist es eine besondere Art der Wertschätzung. Gerade weil es während der ersten Welle viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gegeben habe, die jetzt oft fehle. Doch diese ist und bleibt wichtig. Gerade auch an Weihnachten.

So war das Corona-Jahr für Josef Klinger, Leiter der katholischen Klinikseelsorge bei Romed:

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Eine besondere Herausforderung. So antwortet Josef Klinger, Leiter der katholischen Klinikseelsorge bei Romed, auf die Frage, wie er das Corona-Jahr bisher erlebt habe. Unzählige Gespräche mit Mitarbeitern „an der Front“, aber auch „dramatische Situationen, wie zum Beispiel mehrere Corona-Tote in einer Familie“ – all das habe er gemeinsam mit seinen Kollegen erlebt, unter „extrem eingeschränkten Kontaktbedingungen“. Der Lohn für seine Arbeit sei die Freude und Dankbarkeit, die die Menschen ihm entgegenbringen. „Gerade aufgrund der eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten durch Angehörige ist das oft erkennbar höher als sonst“, sagt Klinger. Und auch für Weihnachten hat er sich etwas für die Patienten überlegt – für diejenigen, die gerne an einem Gottesdienst teilnehmen würden, es aber derzeit nicht können. In der Rosenheimer Klinikkapelle wird es am Heiligen Abend um 16 Uhr eine ökumenische Andacht zur Krippenlegung geben. „Diese wird über das Hausfernsehen in die Krankenzimmer übertragen“, erklärt Klinger. Eine direkte Teilnahme von Patienten oder Angehörigen sei in der Kapelle nicht möglich. Darüber hinaus würde das Team aus sechs Seelsorgern weiterhin die Patienten besuchen und auf Wunsch auch eine weihnachtliche Kommunionfeier im Krankenzimmer abhalten.

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