"Nahversorgung schlechter statt besser"

Die Kreise zeigen den Einzugsbereich bisheriger Einkaufsmöglichkeiten. Diese wären, so das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen, durch die Planungen gefährdet. Zudem sei zu erwarten, dass sich auf verbleibenden Flächen weiteres Gewerbe ansiedele, wie hier eingezeichnet.
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Die Kreise zeigen den Einzugsbereich bisheriger Einkaufsmöglichkeiten. Diese wären, so das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen, durch die Planungen gefährdet. Zudem sei zu erwarten, dass sich auf verbleibenden Flächen weiteres Gewerbe ansiedele, wie hier eingezeichnet.

Westerndorf St. Peter - Die Stadt ist dabei, die baurechtlichen Voraussetzungen für ein Nahversorgungszentrum im Norden der Stadt zu schaffen. Das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen hält allerdings schon den Namen für falsch.

Die Nahversorgung werde verschlechtert statt verbessert, kleinere Einkaufsmöglichkeiten nahe bei den umliegenden Wohngebieten würden kaputtgemacht. Die Menschen seien dann einmal mehr auf das Auto angewiesen.


Geplant sind 1800 Quadratmeter Nutzfläche für Aldi (der bestehende Markt in der Möslstraße soll verlagert werden), 800 Quadratmeter für einen Drogeriemarkt, 2500 Quadratmeter für einen Lebensmittelmarkt.

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Dabei, so beklagen die Vorstände Rainer Heinz, Claudia Grosse und Dr. Hermann Biehler in einem vom Forum verbreiteten Flugblatt, werde keine stadtteilbezogene Ergänzung des täglichen Bedarfs für Westerndorf entstehen. Vielmehr handele es sich um einen allein auf das Auto ausgerichteten und weit in das Umland strahlenden Einkaufsmarkt, der sehr viel zusätzlichen Verkehr erzeugen und gleichzeitig die vorhandene Nahversorgung in den Wohngebieten rund um die Hochschule und in Mitterfeld deutlich schwächen werde. Eine nachhaltige und an der gewollten Energiewende orientierten Stadtentwicklung sehe anders aus.


Folge werde eine Schließung des nur 400 Meter weit entfernten Rewe-Lebensmittelmarktes in Mitterfeld sein oder zumindest eine Verlagerung zum neuen Markt, da der alte Standort nicht konkurrenzfähig sein werde. Wer aus Mitterfeld bisher zu Fuß einkaufen konnte, werde dies dann mit dem Auto tun.

Das "Aus" sagt das Forum auch für das kleine Einkaufszentrum an der Prinzregenten-/Marienberger Straße mit Netto-Markt, Bäcker, Post- und Zeitschriftenladen voraus und für den Schleckermarkt in der Lessingstraße. Der werde keine Chance bei einem 700 Meter entfernten gelegenen Konkurrenten haben.

Die Kreuzung Ebersberger-/Westerndorfer Straße werde durch die zusätzlichen Kunden, die weitgehend mit dem Auto anfahren, noch viel stärker belastet als bisher. Nachdem das Einkaufszentrum nicht auf die fußläufige Nahversorgung hin orientiert sei, entstehe zwangsläufig weiterer überörtlicher Verkehr. "Dies sind keine beruhigenden Aussichten für die Westerndorfer", sagt der Vorstand. Inwieweit die Doppelkreuzung an dieser Stelle überhaupt funktioniert, ist im Stadtrat kontrovers diskutiert worden. Der Stadtrat stimmte mehrheitlich für diese Lösung. Das Forum hat Zweifel.

Im vorgestellten Vorentwurf bleibt noch eine Restfläche der bisherigen Grünzäsur übrig. Durch die neue Straße wird diese Restfläche aber sehr gut erschlossen. Die Forumsleute sind überzeugt: Es entsteht eine Baulücke mit einklagbarem Baurecht. Auch bei den Flächen nördlich der Bundespolizei würden Begehrlichkeiten wachsen. Schlimmstenfalls werde dort durch die Hintertür ein Gewerbegebiet wie im Aicherpark entstehen.

"Wir glauben, dass Vielen die Tragweite dieser Planung noch nicht bewusst ist", sagen die Vorstände. 2006 habe der Stadtrat das Vorhaben noch mit gutem Grund abgelehnt. Demnächst wird er sich mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan beschäftigen.

Das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen versteht sich als Forum für die Diskussion und die ideelle Förderung des Städtebaus und des Baugeschehens in der Stadt Rosenheim und in ihrem Umland. Es wurde 1971 gegründet. Bei rund 120 Mitgliedern sind die Berufsgruppe der Architekten und Künstler besonders stark vertreten. Die Stadt beteiligt "Deutschlands älteste Bürgerinitiative", wie sich das Forum selbst bezeichnet, häufig bei Anhörungen zu städtebaulichen Fragen. So sind die Forumsleute bei allen Gesprächsrunden im laufenden Prozess zur Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzepts jeweils als Experten eingeladen.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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