Westtangente Rosenheim: Bau macht Fortschritte

Eingesetzte Technik ein Novum: „Wir sammeln hier alle täglich neue Erfahrungen“

Die Arbeiten in Wernhardsberg
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Die Arbeiten in Wernhardsberg

Rosenheim - Nach Rund eineinhalb Jahre „Baupause“ an der Westtangente Rosenheim, konnten endlich die Behelfsbrücken eingehoben werden. Dabei wurde eine Technik verwendet, die selbst für die Bauleiter ein Novum war.

Die Pressemitteilung des Bauamtes Rosenheim im Wortlaut:

Rund eineinhalb Jahre mussten die Bauarbeiten an der Westtangente Rosenheim, im Bereich Wernhardsberg, notgedrungen stillstehen, nun hat es auf Anhieb geklappt: Die beiden Behelfsbrücken, zwei 25 Meter lange und 60 Tonnen schwere Stahlbrücken, konnten erfolgreich eingehoben werden. Damit kann der Bau der Westtangente, die die Bahnlinie Rosenheim-München, eine der höchst frequentierten Eisenbahnlinien im transeuropäischen Eisenbahnnetz, am Ende unterqueren soll, auch in diesem Bereich weitergehen.

Bis ins kleinste Detail war dieser Schritt vom Staatlichen Bauamt Rosenheim, den Fachplanern und der beauftragten Baufirma, in Abstimmung mit der Deutschen Bahn, geplant worden. Die Rahmenbedingungen, beispielsweise der Baugrund, aber auch das Verfahren, mit dem die Brücken eingehoben und verankert wurden, sind äußerst komplex, weiß Karl Kergl, Leiter der Abteilung „Konstruktiver Ingenieurbau“ am Staatlichen Bauamt Rosenheim:

„Die beiden Behelfsbrücken wurden mit zwei Mobilkränen millimetergenau eingehoben und auf speziell angefertigten Fertigteilfundamenten im Bahndamm aufgelagert. Sie werden nun rund um die Uhr messtechnisch überwacht. Sollten sich die Brücken auch nur wenige Millimeter setzen, kann hydraulisch nachreguliert werden. Die Bahnbetriebssicherheit und die Aufrechthaltung des Bahnbetriebes haben oberste Priorität.“

Die Technik, die dabei zum Einsatz kommt, der Ausgleich mit hydraulischen sogenannten Punktgleitkipplagern und höhenverstellbaren Endquerträgern, wurde eigens für dieses Projekt konzipiert und kam so zuvor noch nie zum Einsatz. Bis zu 40 cm Setzung können mit dieser Hydraulik bei Bedarf ausgeglichen werden.

Der erfolgreiche Einbau der beiden Behelfsbrücken ist Voraussetzung für die weiteren Arbeiten an der Westtangente, die nun außerhalb des Gleisbereichs fortgesetzt werden. „Wir stellen jetzt in einem nächsten Schritt die Gründung der endgültigen Brücke her. Anschließend wird mit dem Aushub unter der Bahnlinie begonnen, sprich eine Art Tunnel durchgegraben. Am Ende wird die endgültige Brücke unter den Behelfsbrücken hergestellt, so dass die Autos die Bahnlinie unterqueren können,“ so Alexander Zett, Projektleiter der Maßnahme am Staatlichen Bauamt Rosenheim.

Einhub der Behelfsbrücken

Damit für diese Arbeiten keine weiteren Sperrungen der Bahnlinie nötig werden, wurden im Vorfeld mehrere hundert Tonnen Spundwände eingepresst sowie Verankerungen und Mikropfähle als Setzungsbremsen eingebaut.

Wann genau die Arbeiten an diesem Abschnitt der Westtangente abgeschlossen werden können, ist derzeit noch nicht vorherzusagen. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise dem Setzungsverhalten der Behelfsbrücken. „Eine vergleichbare Maßnahme, unter diesen Bedingungen, wurde so noch nie durchgeführt“, so Karl Kergl. „Wir sammeln hier alle täglich neue Erfahrungen“.

Genau diese Bedingungen hatten vor eineinhalb Jahren, im Juni und Juli 2019, dazu geführt, dass die Behelfsbrücken zunächst nicht abschließend eingehoben werden konnten. Wegen der internationalen Bedeutung der Bahnstrecke Rosenheim-München für den regionalen und überregionalen Personen- und Güterverkehr, konnten seitens der Bahn erst jetzt, im November 2020, neuerliche Sperrpausen ermöglicht werden, bei der beide Gleise gleichzeitig, für einen bestimmten Zeitraum außer Betrieb genommen werden konnten.

Die Pressemitteilung des Bauamtes

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