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Rosenheim auf dem Weg nach oben

Wie der Fußball wieder ins Rollen kam (Teil 2): Die ersten Spielzeiten nach dem Krieg

Die Rosenheimer ASV-Mannschaft von 1947: Willi Beckmann, Georg „Dosch“ Huber, Karl Plempl, Hans Brück, Josef Kölbl, Otto Liebl, Fritz Waltenberger, Imre Nagy (hinten von links), Heinz Karolin, Hans Kronast, Max Hubner (vorne von links).
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Die Rosenheimer ASV-Mannschaft von 1947: Willi Beckmann, Georg „Dosch“ Huber, Karl Plempl, Hans Brück, Josef Kölbl, Otto Liebl, Fritz Waltenberger, Imre Nagy (hinten von links), Heinz Karolin, Hans Kronast, Max Hubner (vorne von links).

Am 14. April 1946 kommt es zum Eklat: Das Spiel des ASV Rosenheim gegen den MTV 1879 München wird nach schweren Zuschauerausschreitungen beim Stand von 0:1 für die Gäste abgebrochen.

Rosenheim/Mühldorf – Offenbar sind es Rosenheimer Zuschauer, denn die Spruchkammer des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) wertet das Spiel der I. Liga Oberbayern mit 0:1. Zwei Heimspiele, gegen den DSC München und die SpVgg Sendling, muss der ASV anschließend zur Strafe auf des Gegners Platz austragen.

Das neue Buch „Fußball in Bayern 1945-63“ von Wolfgang Gohl und Siegfried Hochmann, in dem das Urteil vermerkt ist, zeigt: In der vermeintlich „guten alten Zeit“ ging es auf Bayerns Fußballplätzen nicht friedlicher zu als heute. Spielabbrüche, Zuschauerausschreitungen, Prügeleien auf dem Platz, Streitigkeiten mit Funktionären und Ärger ums Geld sind kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. In Niederbayern fahren 1947 bei einem Entscheidungsspiel sogar zwei Kampffahrzeuge der US-Armee auf, als die Mannschaft von Avala Passau – die aus ukrainischen Bewohnern eines Flüchtlingslagers besteht – gegen Spiegelau im Bayerischen Wald antritt: „um die Sicherheit der Lagermannschaft zu gewährleisten“.

Lesen Sie auch Teil 1 der Serie: Wie der Fußball nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern wieder ins Rollen kam

„Skandalspiel“ in Augsburg

1948 steht wieder der ASV Rosenheim in einem „Skandalspiel“ – diesmal als Leidtragender, so dass der Reporter der „Schwäbischen Landeszeitung“ nach der Partie bei der TSG Augsburg die „auf den Sportplätzen immer mehr auftretenden Wegelagerer-Manieren“ kritisiert. „Gegen Ende der 90 Minuten wurden erst zwei Rosenheimer Spieler fachkundig k.o. geschlagen. Den gleichen Weg ging dann ein zu Hilfe der am Boden Liegenden herbeigeeilter Reisebegleiter.“ Doch abgebrochen wurde nicht. „Nur ein Platzverweis war die Folge, wahrscheinlich, weil der Schiedsrichter angesichts solcher ‚Schlagkraft‘ es selbst mit der Angst zu tun bekam.“

Zurück zur ersten Saison: Sie endete für den ASV Rosenheim trotz der Niederlage am „grünen Tisch“ mit dem Aufstieg in die Landesliga. Vom Skandalspiel gegen den MTV abgesehen, verlor der ASV nur in Sendling. Am Ende rangierte er mit 34:6 Punkten und 66:14 Toren auf Platz zwei, nur zwei Punkte hinter dem Städtischen TSV 1881 aus Ingolstadt, der noch nicht wieder den Traditionsnamen MTV tragen durfte, und einen Zähler vor Sendling. Das reichte. Denn über die Landesliga hatte der BLSV inzwischen die Hoheit – und teilte sie „provisorisch“ in zwei Gruppen. Zu beschwerlich schienen die Reisen von München bis nach Schweinfurt und Bamberg auf zerstörten Straßen und Bahnstrecken, auf Ladeflächen von Holzvergaser-Lastwagen.

Traunstein profitiert von Landesliga-Teilung

Nutznießer der Landesliga-Teilung und des Rosenheimer Aufstiegs war der 1. FC Traunstein. Die II. Liga im Bezirk Inn-Chiem war in Terminnot gekommen, weshalb die Tabellenführer Traunstein (Chiem) und FA Altötting (Inn) Anfang Juni 1946 kurzerhand zum Meister in ihren Gruppen erklärt wurden. Im ersten Entscheidungsspiel um die Inn-Chiem-Meisterschaft trennte man sich noch mit 3:3, im Rückspiel behielt der 1.FC aber mit 4:1 die Oberhand.

Der Aufstieg in die I. Liga war das noch lange nicht – oder etwa doch? Die drei Bezirksmeister aus Inn-Chiem, Zugspitze und Ingolstadt sowie die beiden Gruppensieger aus München sollten eigentlich zwei Plätze ausspielen. Zweimal hatte der 1.FC in der Aufstiegsrunde unentschieden gespielt, einmal mit 0:2 gegen den FC Mainburg verloren. Das Spiel gegen Hansa Neuhausen wurde beim Stand von 3:3 abgebrochen, das Urteil und das letzte Spiel gegen Penzberg standen noch aus. Dann entschied der BLSV: Die I. Liga wird zweigeteilt, alle fünf Teilnehmer der Runde dürfen aufsteigen.

1946/47: Der ASV ist zweitklassig

Als frischgebackener Landesligist war der ASV Rosenheim zweitklassig. Denn darüber gab es nur die Oberliga Süd. Der Plan, eine länderübergreifende II. Liga Süd als Unterbau zu schaffen, ließ sich erst 1950 in die Tat umsetzen. Zwei Jahre lang, bis 1948 spielte die Landesliga in zwei Gruppen, erst mit jeweils elf, dann mit je 13 Klubs. Auch die Oberliga wuchs – weil 1946 niemand absteigen wollte und die Liga kurzerhand von 16 auf 20 Klubs aufgestockt wurde. Eine Winterpause gab es nicht, sogar am 2. Weihnachtsfeiertag wurde gespielt.

Unterhalb der Landesliga gab es die I. Liga, die in Oberbayern in zwei Staffeln spielte und ab 1947 in Kreisliga umbenannt wurde. Aus heutiger Sicht eine ungewohnte Bezeichnung, aber der BFV bestand zunächst aus sieben Kreisen, die in Bezirke unterteilt waren. Erst 1957 wurden die Bezeichnungen – entsprechend der politischen Gliederung Bayerns – getauscht. Was auffällt: Die Grenzen zwischen den beiden Gruppen durchschnitten – wie heute – die Landeshauptstadt, die damals noch das Gros der Klubs stellte. Drumherum wurde meistens in Süd und Nord geteilt, so dass die heimischen Vereine gegen Penzberg, Weilheim oder Wolfratshausen antraten.

Im Bezirk Inn-Chiem spielten die I. und die II. Bezirksklasse, die 1949 in A- und B-Klasse umbenannt wurden. Wegen des Zustroms neuer Vereine wurden in Oberbayern zugleich C-Klassen eingerichtet. 1950 wurde die Landesliga drittklassig, weil die II. Liga Süd eingerichtet wurde. 1951 mussten sich die Zuschauer schon wieder an neue Namen gewöhnen: Statt Landesliga und Kreisliga hieß es nun I. und II. Amateurliga, und von 1953 bis 1963 spielte die höchste bayerische Spielklasse wieder in zwei Gruppen.

Zurück ins Jahr 1946: Die erste Landesliga-Saison war zugleich die sportlich beste für den ASV Rosenheim. 13 Siege und vier Niederlagen aus 20 Spielen brachten 61:30 Tore und 29:11 Punkte – das war Platz zwei hinter Meister FC Wacker München (34:6 Punkte). Die Münchner Nummer drei schaffte mit einem 4:3 und einem 4:0 gegen den Nord-Meister FC Bayern Hof anschließend auch den Oberliga-Aufstieg – und jeweils 10.000 Fans schauten zu.

Entscheidungsspiel wird abgebrochen

Eine Liga tiefer war Neuling 1. FC Traunstein ähnlich erfolgreich. Ein Pünktchen fehlte dem FC (28:8) in der Abschlusstabelle auf den SC München-Süd (29:7). Doch halt: Die Münchner hatten einmal am grünen Tisch gewonnen, wegen eines „Passvergehens“ der SpVgg Starnberg. Und das durfte – so schrieben es die Regeln damals vor – nicht den Ausschlag geben, wenn es um die Meisterschaft oder Abstieg ging. Ein Entscheidungsspiel musste also her: Am 8. Juni 1947 wurde in Rosenheim gespielt – doch nach 23 Minuten war wieder Schluss. Der Schiedsrichter brach ab: wegen „Tätlichkeiten von Zuschauern“, wie es in der Entscheidung der Spruchkammer lapidar hieß. Am 14. Juni traf man sich wieder, vor großer Kulisse im Grünwalder Stadion, wo anschließend der FC Bayern in der Oberliga gegen Schwaben Augsburg antrat. Für den FC-Trainer Max Schäfer war es ein Heimspiel, coachte er doch hauptberuflich den TSV 1860 München. Doch diesmal behielt der SC Süd mit 1:0 die Oberhand – und der Traunsteiner Traum von der Landesliga war ausgeträumt.

SV Kolbermoor im Relegations-Marathon

Die Chiemgauer sollten der einzige Kreisligist aus dem Bezirk Inn-Chiem bleiben. Aber es brauchte einen Aufstiegsmarathon, bis klar war, dass der SV Kolbermoor den Sprung nicht schaffen würde. Einen Punkt lag der SVK in der Gruppe I der II. Liga hinter dem TSV Berchtesgaden, doch der hatte gegen den TSV Freilassing am grünen Tisch gewonnen. Das fällige Entscheidungsspiel in Traunstein ging in die Verlängerung, in der Kolbermoor mit 2:1 die Oberhand behielt. Doch zu früh gefreut: Die Berchtesgadener erhoben Einspruch, weil die Einteilung des Schiedsrichters gegen die Satzung verstoßen habe. Also traf man sich eine Woche später noch einmal an gleicher Stelle. Wieder gab es erst nach 120 Minuten einen Sieger, und zwar den gleichen: diesmal mit 3:2. Im Kampf um die Bezirksmeisterschaft wartete nun der SSV Eggenfelden, der sich in der Gruppe II klar vor Gangkofen durchgesetzt hatte. Das Endspiel in Traunstein ging ebenfalls in die Verlängerung, in der Kolbermoor das erlösende 2:1 erzielte.

Traum platzt im Entscheidungsspiel

Das sollte eigentlich mehr als die halbe Miete sein, qualifizierten sich doch vier von fünf Teilnehmern an der Aufstiegsrunde für die oberbayerische Kreisliga. Aber der SVK kam schwer in die Gänge: nach einem 0:0 und zwei 0:1-Niederlagen musste in Holzkirchen gegen den FC Phönix München ein Sieg her. Nach dem 2:1 war Kolbermoor in der Endabrechnung mit 3:5 Zählern punktgleich mit dem Freien TSV Allach. Das hieß: Es musste ein Entscheidungsspiel geben, denn das Torverhältnis zählte nicht. Am 13. Juli 1947, fast zwei Monate nach dem Duell mit Berchtesgaden, platzte Kolbermoors Traum am Sportplatz des FC Viktoria in der Sendlinger Valleystraße endgültig: 1:3 stand es am Ende.

Erinnern Sie sich an Ihre besonderen Fußball-Erlebnisse aus den Nachkriegsjahren, als Aktiver oder Zuschauer? Waren Sie vielleicht bei einem der beschriebenen Spiele dabei? Erzählen Sie uns davon: OVB Heimatzeitungen, Redaktion Sport in der Region, Hafnerstraße 5-13, 83022 Rosenheim.

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