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Vorsicht: vermehrte Fälle von digitalem Liebesschwindel

Liebesfrust im Internet: Wie Trickbetrüger die Herzen von Singles erobern

Kriminalhauptkommissar Andreas Guske zu Trickbetrug auf Dating-Plattformen
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Liebesfrust in Internet: Kriminalhauptkommissar Andreas Guske informiert wie Trickbetrüger über die Sehnsucht nach Liebe an ihr Geld kommen.

Die rosarote Brille – wer kennt sie nicht? Im Internet lohnt sich aber ein unverschleierter Blick. Immer mehr Trickbetrüger machen nämlich aus der Sehnsucht, die große Liebe zu finden, viel Geld. Zurück bleibt dann Verzweiflung, Enttäuschung und ein leeres Konto. Wie erkenne ich die Schwindler?

Rosenheim „Wie konnte ich denn nur darauf reinfallen?“ zitiert Kriminalhauptkommissar Andreas Guske Betroffene von Trickbetrügern im Internet. Das sogenannte „Love Scamming“ zielt genau darauf ab: Menschen Hoffnungen auf Liebe und Geborgenheit machen und sie dann eiskalt abzocken. Was früher der Heiratsschwindler war, ist heute der digitale Casanova, der sich auf den verschiedensten Online-Plattformen seine Opfer sucht.

„Mir ist wichtig, dass sich die Opfer nicht schämen“

60 bis 80 Fälle von Love Scamming werden dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd jährlich gemeldet. Gar nicht so viele könnte man meinen, aber die Dunkelziffer ist sehr hoch. Die Opfer würden sich schämen, so Hauptkriminalkommissar Guske im Interview mit rosenheim24.de. Viele meiden deshalb den Gang zur Polizei und selbst im Bekannten- und Freundeskreis sprechen sie nicht darüber. Aber jeder könne Opfer von Betrug werden, so Guske, und die Masche der Verbrecher ist ausgeklügelt.

Wohlhabender Architekt sucht Frau zum Verlieben

Bei einem jährlichen Schaden von einer Million allein in der Region Oberbayern Süd fragt man sich: wie können die Täter so überzeugend sein, dass ihre Opfer ihnen horrende Summen überweisen? Die Vorgehensweise sei immer ähnlich verrät Andreas Guske: „Die starten eine Massenattacke im Internet und irgendwer fällt dann schon drauf rein. Das kostet ja nichts.“ Auf Dating-Plattformen, Facebook, Instagram und anderen Social-Media-Kanälen senden die Täter zunächst unverfängliche Nachrichten. Das kann dann Monate bis sogar Jahre laufen und so entsteht eine emotionale Bindung beim Opfer.

Die Kriminellen erfinden eine interessante Identität: „Fotos, Namen, Berufsangaben, alles gelogen“ erklärt Hauptkriminalkommissar Guske. Sie geben sich gern als wohlhabende Architekten oder Lehrerinnen aus. Mit diesen vertrauenserweckenden Berufen wollen sie sich in ein seriöses Licht stellen. Ist ein erster Kontakt hergestellt, haben die Abzocker ein Einfallstor zu den Gefühlen der Leute. Irgendwann kommen dann erste Forderungen, Geld zu überweisen. Oft wäre das zum Beispiel im Zusammenhang mit einem Flugticket: endlich das ersehnte erste Date. Überwiesen wird dann über Western Union, so Guske. Diese Auslandsüberweisungen seien sehr schwer nachvollziehbar.

Probleme bei der Aufklärung der Verbrechen

 „Man muss ganz klar sagen, das ist ein Phänomen, wo die Erfolgsquote leider sehr gering ist“, denn die Täter sitzen überwiegend im Ausland. Viele dieser Online-Betrüger befinden sich zum Beispiel in Westafrika, wo die Ermittlungsstrukturen nicht mit europäischen Standards vergleichbar wären. Und so stellt Hauptkriminalkommissar Guske fest, dass der Polizei zwar nicht völlig die Hände gebunden seien aber „die Prävention solcher Verbrechen ganz klar unser Fokus ist“. Es sei immer ein kleiner Stich ins Herz, wenn die Polizei erfährt, dass wieder jemand Opfer von Love Scamming geworden ist: „Das ärgert uns und dann überlegen wir, wie wir die Bürger noch besser schützen können“.

Was tun, wenn sie bereits Opfer von Love Scamming sind?

Brechen Sie sofort den Kontakt ab. Versuchen sie, bereits getätigte Geldtransfers rückgängig zu machen. Reagieren sie nicht auf weitere Kontaktversuche. Blockieren sie alle Täterprofile und wechseln sie ändern sie im schlimmsten Fall ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen.

Auch Freunde und Bekannte sollten möglichst informiert werden, da deren Kontaktdaten häufig über soziale Netzwerke verknüpft bzw. dem Täter über eingeschleuste Computerviren ebenfalls bekannt sind.

Unterstützung anzunehmen ist in solchen Situationen ganz normal. In vielen Fällen kann eine professionelle Opferberatung oder Schuldnerberatung neue Perspektiven aufzeigen.

Melden sie sich bei der Polizei. Unter der Telefonnummer 110 kann ihnen geholfen werden und die Polizei versteht warum sie Opfer dieses Betruges werden konnten. Schämen sie sich nicht, sondern handeln sie!

Für die Leser von rosenheim24.de hat Kriminalhauptkommissar Andreas Guske wertvolle Tipps zusammengetragen, um sich gegen die sogenannten Love Scammer zu schützen. Noch mehr Informationen gibt es unter dem Link der Polizeiseite: https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/scamming/

  • Nie unter Druck setzen lassen! Betrüger erzeugen immer Druck, um die gedanklichen Handlungsoptionen der Opfer einzuschränken.
  • Seien Sie kritisch! Das sind Sie in Ihrem gewohnten Umfeld doch auch ein wenig, oder?
  • Holen Sie sich Hilfe, fragen Sie nach Meinungen! Bei der Polizei oder im Verwandten- oder Freundeskreis. Sie erkennen leichter, wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein.
  • Schützen Sie private Daten: Love Scammer nutzen Infos wie Anschrift, Geburtsdatum oder auch Profilbilder um an ihre Opfer zu kommen.
  • Geben Sie möglichst wenig von sich preis: Bevor Sie etwas veröffentlichen, fragen Sie sich immer, ob andere das über Sie wirklich wissen sollten. Nutzen sie Sicherheitseinstellungen auf den Social-Media-Plattformen.
  • Niemals Geld überweisen!
  • Namen der Person mit dem Zusatz „Scammer“ im Internet eingeben – häufig bestätigt das Suchmaschinen-Ergebnis den Verdacht.
  • Prüfen, von wem die Kontaktanfrage kommt. Gibt es von der Person mehr Informationen, weitere Seiten, weitere Links im Netz? Sind die angegebenen Arbeitgeber real? Welche Kontakte sind angegeben? Hat die Person Beiträge erstellt? Auf die Sprache achten: Ist das Englisch fehlerhaft? 
  • Anzeigeerstattung ist wichtig, damit man bei den zwar seltenen, aber doch möglichen Täterüberführungen möglichst viele Taten zuordnen kann. Sie können jederzeit die Notrufnummer 110 dazu nutzen, Kontakt zur Polizei aufzunehmen.

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