Zäher Kampf gegen Rotlichter

+
Landbordelle so wie hier in Niedersachsen sind in Bayern verboten - sehr zum Nachteil Rosenheims.

Rosenheim - Seit 2007 gibt es in Rosenheim einen klaren politischen Auftrag: Die Verwaltung soll konsequent gegen zu viel Rotlicht in der Stadt vorgehen.

Das heißt: Das lukrative Geschäft mit Bordellen, Wohnungsprostitution und sogenannten Terminwohnungen wird dort unterbunden, wo es stört oder gesetzwidrig ist. Die Erfolgsquote liegt bislang bei 100 Prozent: Alle sieben Prozesse gegen Betreiber und Vermieter, die ihr Geld mit der käuflichen Liebe verdienten, wurden gewonnen. Aber letztlich sind es nur Pyrrhussiege...

Denn die Verfahren sind aufwändig und zäh - und der Druck auf Rosenheim ist groß. Kaum haben die Mitarbeiter des Bauordnungsamtes eine rote Laterne ausgedreht, beschweren sich Nachbarn, dass die Mädchen neuerdings im Gebäude um die Ecke anschaffen.

Lesen Sie auch:

So ist die Chronologie der letzten Monate durchaus exemplarisch: Im Mai hatte es sich im "Bienenkörbchen" in der Innstraße ausgesummt (wir berichteten). Der Besitzer der Wohnungen, in der die "flotten Bienen" ihre Liebesdienste anboten, blitzte mit seiner Klage gegen den Schließungsbescheid beim Verwaltungsgericht in München ab. Ebenso wie im Juli eine Bordellbetreiberin, die ebenfalls in der Innstraße ein Etablissement eingerichtet hatte. Die Freude über diese Etappenerfolge war aber schnell verflogen: Im August und September häuften sich nämlich die Beschwerden von Anwohnern über zwei neue Einrichtungen in der Innenstadt.

Für die Stadt bedeutet dies: Das Spielchen geht wieder von vorne los - und bis die leichten Mädchen wieder ausgezogen sind, können Monate oder sogar Jahre vergehen. Zwar wird die Nutzungsuntersagung, gegen die Vermieter und Betreiber in der Regel klagen, sofort vollzogen. Aber von den fälligen Zwangsgeldern, die bei Nichtbeachtung verhängt werden, lassen sie sich nicht abschrecken. Zu viel Geld wird in der Branche umgesetzt. So ziehen Betroffene selbst in aussichtlosen Fällen bis vor den Bundesgerichtshof - nur um das Verfahren in die Länge zu ziehen, damit noch möglichst viele Freier abkassiert und fette Mieten eingestrichen werden können.

Prostitution in Europa & Deutschland:

Prostitution in Europa und Deutschland

Kein Wunder, dass die Stadt nun mit dem Gedanken spielt, die Zwangsgelder erheblich zu erhöhen. Die Kunst dabei ist es, die Schmerzgrenze von Bordellbetreibern und Vermietern zu überschreiten, aber nicht den rechtlichen Rahmen.

Dass die Rotlichtbranche mit aller Macht nach Rosenheim drängt, nicht aber in andere Kommunen, liegt an der bayerischen Gesetzgebung. Seit 1989 ist im Freistaat in Städten unter 30.000 Einwohnern die Prostitution generell verboten - und die Rosenheimer, die über den Verlust von Lebensqualität durch Bordelle, Massageclubs oder Wohnungsprostitution klagen, haben das Pech, dass die Innstadt diesbezüglich in ganz Südostoberbayern "konkurrenzlos" ist. Waldkraiburg (24.000), Traunreut (21.000), Traunstein (19.000), Kolbermoor, Bad Aibling, Mühldorf, Burghausen (je 18.000), Wasserburg, Altötting oder Trostberg (je 12.000 Einwohner) sind zu klein.

In anderen Bundesländern gibt es solche "Rotlicht-Monopole" nicht. So ist etwa in Niedersachsen Prostitution auch in Dörfern erlaubt. Erst vor wenigen Wochen kam es dort zu einer Razzia in Landbordellen und "Love-Mobilen" (Wohnwagen mit roter Laterne), die bundesweit für Schlagzeilen sorgte.

Weil das Rotlichtmilieu ständig in Bewegung ist, die Klubs öffnen und schließen, die Mädchen kommen und gehen, ist die Zahl der Etablissements in Rosenheim schwer zu schätzen. In 15 bis 20 Klubs warten wohl über 100 Frauen auf Kundschaft. Hinzu kommen die leichten Mädchen, die ihre Freier weniger offensichtlich in ihren eigenen Wohnungen oder in Terminwohnungen (in die alle paar Wochen neue Liebesdienerinnen einziehen) empfangen. Ohne Barbetrieb oder rote Laternen am Fenster fällt es dem Bauordnungsamt noch schwerer, den Vermietern nachzuweisen, dass der Tatbestand der Prostitution erfüllt ist. Sehr zum Leidwesen der Nachbarn, die nachts aus dem Schlaf gerissen werden, wenn sich die Kunden in mehrstöckigen Häusern verklingeln, die richtige Etage nicht finden oder betrunken das Treppenhaus hinunter torkeln, wie in einem neuen Fall in der Rosenheimer Innenstadt. Eine Anwohnerin hat die Konsequenzen schon gezogen: Sie suchte sich eine neue Wohnung.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Rosenheim Stadt

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT