"Krisenjahr gut gemeistert"- aber Arbeitslosenzahl steigt

Rosenheim - „Das Jahr 2009 war geprägt von der weltweiten Wirtschaftskrise und dem Bangen und Hoffen, wie sie sich auf den regionalen Arbeitsmarkt auswirken würde“. Hier finden Sie die Rosenheimer Arbeitsmarktzahlen für Dezember.

Das sagt Heinz Weis, Geschäftsführer operativ, gleichzeitig stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Rosenheim. Weis weiter: „Rückblickend kann ich sagen, dass wir das Krisenjahr gut gemeistert haben. Wir haben bereits im Frühjahr die Personalverantwortlichen in den Betrieben über das Instrument Kurzarbeit und die Möglichkeit der Qualifizierung während der Kurzarbeit informiert. Viele Firmen, insbesondere in der Metall- und Elektrobranche, aber auch bei Speditionen und im Chemiebereich haben die Chance genutzt. Sie haben ihr Stammpersonal gehalten und so wurden Entlassungen im größeren Stil über Monate hinweg vermieden. Die relativ stabile Wirtschaftslage lässt sich im Agenturbezirk an der Arbeitslosenquote ablesen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2009 lag sie bei 4,4 Prozent, den niedrigsten Stand erreichte sie im Oktober mit 3,7 Prozent und jetzt im Dezember liegt die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent. Damit gehörte der Agenturbezirk Rosenheim während des gesamten Jahres zu den Agenturen mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten (immer unter den ersten zehn).“

Der stellvertretende Agenturleiter weiter: „Auch jetzt im Dezember - Stichtag war bereits der 10.12.2009 - haben wir mit insgesamt 10.920 Erwerbslosen noch einen Wert, der deutlich unter den Zahlen der Jahre 2004 und 2005 liegt. Hier waren im Agenturbezirk in den Dezembermonaten über 16.000 Arbeitslose registriert. Auf Grund des guten Wetters, das in diesem Jahr von Mitte November bis zum Stichtag 10.12.2009 herrschte, hat die typische, saisonale Winterarbeitslosigkeit noch nicht voll eingesetzt. In den Fremdenverkehrsgebieten haben allerdings um diese Zeit viele Hotels und Gaststätten geschlossen und daher ihr Personal entlassen, häufig gekoppelt mit einer Wiedereinstellungszusage. Sie öffnen in der Regel erst wieder kurz vor Weihnachten und holen zu diesem Zeitpunkt ihre eingearbeiteten Kräfte zurück. Die Auswirkungen der Konjunkturkrise zeigen sich am deutlichsten im Bereich der Geschäftsstelle Wolfratshausen. Hier ist die Arbeitslosenquote innerhalb eines Monats von 3,4 auf jetzt 4,0 Prozent angestiegen.

Ausschlaggebend dafür war unter anderem die Insolvenz eines Betriebes, der zum ersten Dezember 230 Mitarbeiter freigestellt hat. Insgesamt gesehen ist es allerdings so, dass sich der gesunde Branchenmix hier in der Region, sowie die Struktur aus Klein- und Mittelbetrieben als sehr positiv für den Arbeitsmarkt in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten erwiesen haben. Gegenüber dem Vormonat wurden zum Stichtag 750 Arbeitslose mehr registriert. Dieser Anstieg von November auf Dezember liegt aber im üblichen Rahmen der letzten Jahre. Obwohl gegenüber dem Vorjahr damit 1 870 Arbeitslose mehr gemeldet sind, kann man nach wie vor nicht von einer massiven Verschlechterung des Arbeitsmarktes sprechen. Allerdings rechnen wir in den nächsten zwei/drei Monaten mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen.“

Weis ergänzt: „Viele Betriebe des Gerüstbaus, des Baugewerbes, des Dachdeckerhandwerks und des Garten und Landschaftsbaues nutzen, beziehungsweise werden in den kommenden Wintermonaten wieder die Möglichkeit der Saisonkurzarbeitergeld-Regelung nutzen. Sie gibt den Betrieben die Möglichkeit, dass sie ihr Stammpersonal, trotz der schlechten Witterung halten können. Gleichzeitig wird dadurch Arbeitslosigkeit vermieden.“ Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen: Die 10 920 erwerbslosen Bürgerinnen und Bürger werden entweder von der Agentur für Arbeit, den Arbeitsgemein-schaften (ARGEn) oder dem zugelassenen kommunalen Träger betreut. Die Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit sind zuständig für 6 370 Männer und Frauen die Arbeitslosengeld I nach dem Sozialgesetzbuch III (SGB III) erhalten, sowie für Erwerbslose, die keine Beschäftigung haben und keinerlei finanzielle Leistungen bekommen. 4 550 Menschen fallen unter die Regelungen des Sozialgesetzbuches II (SGB II).

Sie werden von der jeweiligen ARGE in der Stadt Rosenheim, in den Landkreisen Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen betreut, beziehungsweise vom Landkreis Miesbach als optierende Kommune. Beim Jahresrückblick wird der stabile regionale Arbeitsmarkt deutlich. Im Februar hatte der Agenturbezirk Rosenheim mit 11.455 Erwerbslosen den Höchststand bei der Arbeitslosigkeit. Die Quote lag bei 4,4 Prozent, wie auch im Januar und März.

Die Zahl der Arbeitslosen lag zu diesem Zeitpunkt noch um 200 unter dem Vorjahreswert. Dieser Abstand zum jeweiligen Vorjahresmonat stieg dann Monat für Monat an, bis er im November den Höchststand von plus 1980 erreichte. Deutlich schlechter als im Vorjahr entwickelte sich die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen unter 25 Jahren. Steigerungsraten von über 70 Prozent waren keine Seltenheit. Der stellvertretende Agenturleiter dazu: „Hier darf allerdings nicht übersehen werden, dass wir im Agenturbezirk Rosenheim die Jugendarbeitslosigkeit im Jahr 2008 sehr deutlich abbauen konnten und daher ein extrem niedriges Ausgangsniveau hatten. Im August dieses Jahres erreichte die Jugendarbeitslosigkeit mit 1 360 betroffenen Jugendlichen unter 25 Jahren den Höchststand. Im November ging die Zahl dann erfreulicherweise auf 880 zurück und hat sich jetzt im Dezember nur leicht auf 970 erhöht (730 SGB III- und 240 SGB II-Kunden).

Im Jahresdurchschnitt waren 1 130 Jugendliche unter 25 Jahren von Arbeitslosigkeit betroffen, 180 mehr als im Vorjahr. Bei den Älteren (55 Jahre und älter) gab es prozentual keine so gravierenden Ausschläge. Hier waren im Jahresdurchschnitt 1 990 Arbeitslose gemeldet, 370 mehr als im Jahr 2008. Insgesamt liegt die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen für den gesamten Agenturbezirk im Jahr 2009 mit 10.580, davon 6210 SGB III-Kunden und 4370 SGB II-Kunden, um 1 200 oder 13 Prozent über der des Vorjahres. Es errechnet sich eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 4,0 Prozent (Vorjahr 3,6 Prozent). Die Arbeitslosigkeit stieg im Laufe des Jahres im Rechtskreis SGB III um 1240 (plus 25 Prozent) während sie im SGB-II Rechtskreis leicht gesunken ist (minus 40 oder 1 Prozent). Die Mehrzahl der Erwerbslose war vor ihrer Arbeitslos-meldung sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sind also SGB III – Kunden mit einem Anspruch auf Arbeitslosengeld I.

Im Dezember meldeten Betriebe und Verwaltungen der Agentur für Arbeit 570 zu besetzende Stellen. Im Laufe der letzten zwölf Monate gingen insgesamt 9550 freie Arbeitsplätze für den ersten Arbeitsmarkt ein, das waren circa 920 weniger als im Jahr 2008. Heinz Weis zur Stellensituation: „Trotz der etwas verhaltenen Stellenmeldungen gab es im Hinblick auf die geforderte Qualifikation nur geringe Unterschiede zum Vorjahr. Die Betriebe, darunter auch Personaldienstleister, die für ihre Stammbelegschaft das Instrument der Kurzarbeit nutzten, stellten nur sehr vereinzelt Personal neu ein. Unverändert blieb und bleibt aber die Suche nach Fachkräften, zum Teil mit sehr spezifischen Fach- und Zusatzkenntnissen. Wir haben daher auch in diesem Jahr viel in die berufliche Qualifizierung der Arbeitslosen investiert. 5 000 kamen in den Genuss einer Bildungsmaßnahme, die wir von der Agentur für Arbeit finanziert haben.

Grundsätzlich ist allerdings festzustellen, dass sich das Stellenbesetzungsverfahren auf Grund der verhaltenen Umsatzerwartungen oft über einen längeren Zeitraum hinzieht. Da die demografische Entwicklung aber weiterhin dazu beiträgt, dass Fachkräfte auch in Zukunft eher Mangelware bleiben, kann ich nur jedem Betrieb raten: Setzen Sie Ihre bisherigen personalwirtschaftlichen Maßnahmen fort und investieren Sie weiterhin in die Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter. Des weitern appelliere ich: Bieten Sie ausreichend Ausbildungsplätze an. Es ist die Investition in Ihre Zukunft.“

Der Arbeitsmarkt In den einzelnen Regionen des Agenturbezirkes Rosenheim

Der Landkreis Rosenheim hat aktuell die niedrigste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk und zwar 3,6 Prozent. Hier sind 2630 Männer und Frauen bei der Hauptagentur Rosenheim und der Geschäftsstelle Bad Aibling arbeitslos gemeldet, 205 mehr als im Vormonat. Darüber hinaus kümmert sich die „ARGE für Arbeit und Soziales im Landkreis Rosenheim“ um 1830 erwerbslose SGB II-Kunden (zehn mehr als im November). Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt für den Landkreis liegt demzufolge bei 4460.

Im Jahresdurchschnitt waren 4470 Personen im Landkreis ohne Erwerbstätigkeit. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt beträgt 3,6 Prozent. (Vorjahr: 3,2 Prozent). Auf das gesamte Jahr gesehen stieg in beiden Rechtskreisen die Arbeitslosigkeit.

Die Stadt Rosenheim hat mit 6,3 Prozent die höchste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk. Derzeit sind 1 980 Bürger ohne Arbeit. Bei den SGB III-Kunden, die durch die Agentur für Arbeit in Rosenheim betreut werden, erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um fünf auf 855. Für 1130 SGB II-Kunden, 60 mehr als im November, ist die ARGE Rosenheim Stadt zuständig.

Jahresdurchschnittlich waren 2010 Menschen im Bereich der Stadt Rosenheim ohne Beschäftigung, es errechnet sich eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent. (Vorjahr: 6,1 Prozent). Hier ging die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreisen SGB II zurück, während sie im SGB III-Bereich anstieg.

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