Ein Bambushaus in Rosenheim

Rosenheim - Ein zukunftweisendes Flechtkunstwerk entstand auf der LGS in Rosenheim. Das Projekt "Bambushaus" wurde aus 2000 Bambusstangen gebaut und von 400 Spendern unterstützt.

Wie ein filigranes Nest liegt es in der Auenlandschaft am Ufer der Mangfall. Das Bambushaus des Rosenheimer Flechtwerkers Johann Bachinger, das in den vergangenen drei Monaten auf dem Landesgartenschaugelände entstanden ist. Wer es betritt, fühlt sich geborgen und doch mit dem Himmel verbunden. Eine „Oase der Stille“ wollte Johann Bachinger schaffen und das ist ihm gelungen. Der Freundes- und Förderkreis der Landesgartenschau mit seinen Vorsitzenden Claudia Grosse und Robert Multrus, hat ihn tatkräftig bei seinem Vorhaben unterstützt und voller Engagement „Sponsoren“ gesucht - für die etwa 2000 Bambusstäbe, die Johann Bachinger dann kunstvoll verwoben und verbaut hat.

Eine filigrane und doch stabile Architektur ist so entstanden, von der Technik her, den leichten Flächentragwerkkonstruktionen ähnlich, die der Architekt Otto Frei in den 60er Jahren entwickelte. „Ich wollte ein Haus am Fluss bauen, dass die Natur herein holt und nicht ausschließt, das Innen und Außen Natur ist!“, erklärt Flechtwerker Bachinger. „Deshalb habe ich Bambus verwendet, das ist ein tolles Material. Von der Stabilität mit Stahl vergleichbar, steif und trotzdem elastisch. Und wenn man die Klimadiskussionen verfolgt auch zukunftsweisend,“ fügt er hinzu. Johann Bachinger schätzt Bambus auch als nachwachsenden Rohstoff. Denn mittlerweile gebe es schon in Italien und Frankreich Bambusplantagen, berichtet der Flechtexperte, der europaweit mit Kollegen an innovativen Architekturprojekten arbeitet. Stahlbau mit Geflecht, Trennwände und ganze Wellness-Bereiche aus geflochtenen Wänden sind bei Design-Puristen momentan angesagt. In Berlin stand Bachinger einem Schulprojekt als Berater zur Seite, bei dem gleich eine ganze Hausfassade mit Geflecht verkleidet wurde. In Rosenheim hat der 74jährige nun sein Bambushaus gebaut. Und es ist eine handwerkliche Meisterleistung geworden, die alte Traditionen mit den modernen Strömungen des Flechtwerk-Handwerks verbindet. Früher Korbmacher, heute Flechtwerkdesigner und Konstrukteur.

Jede der fünf bis sechs Meter langen Stangen musste in einen passenden Winkel gebogen und fest im Boden verankert werden. Etwa 120 Quadratmeter misst allein das runde Haupthaus, ein kleinerer Anbauten erweitert den Raum. Die großzügige Höhe von 3,70 Metern verstärkt den luftigen, kuppelartigen Eindruck. Mehr als 40 Tage Arbeit hat Johann Bachinger in sein Bambushaus gesteckt – ehrenamtlich, denn seine höchst professionelle Arbeitsleistung hat er seiner Heimatstadt Rosenheim und der Landesgartenschau geschenkt. Nur ein angemessener Lohn für seinen einzigen ständigen Helfer, war Bachinger ein Anliegen. Also mussten „nur“ die Material – und Transportkosten aufgebracht werden, die allerdings auch noch rund 20.000 Euro ausmachten. Dank des Engagements vom Freundes- und Förderkreis der Landesgartenschau, der unermüdlich für das Bambushaus „getrommelt“ und gesammelt hat, fanden sich 400 Rosenheimer Bürger, die bereit waren dieses ausgefallene Projekt finanziell zu unterstützen. Dreißig von Ihnen halfen Johann Bachinger sogar mit ihrer eigenen Arbeitskraft, direkt im Bambushaus. Der jüngste war 11 und mit Begeisterung dabei, der Älteste 70 und nicht minder aktiv. Und das ist es, was Claudia Grosse, die Vorsitzenden des Förderkreises am meisten fasziniert: “400 Rosenheimer haben sich ohne wenn und aber für die Idee begeistern lassen, haben uns unterstützt und sich damit für ihre Stadt und die Landesgartenschau engagiert“, schwärmt die Juristin, die sich schon seit 1998 für die Idee einer Gartenschau in Rosenheim eingesetzt hat. “Wenn eine Stadt unverwechselbare und außergewöhnliche Dinge bietet, dann können sich die Bürger damit identifizieren und das Bambushaus ist ein tolles Projekt genau wie die gesamte Gartenschau,“ davon ist Claudia Grosse überzeugt. Besonders gefällt ihr, dass das Bambushaus den magischen Charakter der Flusslandschaft aufnimmt, Respekt vor der Natur vermittelt und die Besucher vielleicht ein wenig zum Innehalten, zum Nachdenken über unsere Wurzeln anregen kann.

Bis zur Eröffnung der Gartenschau sind jetzt nur noch einige Schönheitskorrekturen zu machen. Durch eine Schutzfolie soll einen Teil des Bambushauses wetterfest werden und die Edelstahldrähte, die den Bambus fixieren, werden noch mit Bananenblattfasern umwickelt. Umsichtig und liebevoll, wie das ganze Projekt, das vor allem eines ist, eine Liebeserklärung von Johann Bachinger an seine Heimatstadt Rosenheim.

Pressemeldung Landesgartenschau Rosenheim

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