Bundestagsabgeordnete zu Gast im Landkreis Rosenheim

„Die Klimakrise macht auch vor dem Sudelfeld nicht halt“

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Die Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke (links) besuchte das Sudelfeld.

Oberaudorf - Am Montag besuchten Steffi Lemke (naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion), Korbinian Gall (Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis Rosenheim) und Hanspeter Mair (Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung vom Deutschen Alpenverein) gemeinsam das Sudelfeld. Der Ausbau des größten deutschen Skigebiets steht immer wieder in heftiger Kritik, da das Vorhaben nur durch massive staatliche Subventionierung möglich ist und aller Voraussicht nach durch die Klimakrise wenig Zukunft haben wird.

Dazu Steffi Lemke: „Wir müssen uns im Klaren sein, dass es auf dieser Höhe bald nicht mehr genug Schnee für den Abfahrtsmassentourismus geben wird. Die Klimakrise macht auch vor dem Sudelfeld nicht halt. Ein paar weiße Kunstschneestreifen in der Landschaft werden an der Entwicklung nichts ändern. Genauso wie der Umstieg auf Erneuerbare Energien die Braunkohleregionen verändert, wird der Klimawandel auch hier einiges verändern. Je früher wir das begreifen, desto mehr können wir diesen Wandel noch selbst mitgestalten.“

Im Landkreis Rosenheim spielt der Tourismus eine große Rolle. Damit dies auch in Zukunft der Fall ist, muss die Natur in ihrer Schönheit erhalten bleiben. Die Naturschutzpolitikerin fand klare Worte und verwies auf ein Vorhaben in ihrer Heimat Sachsen-Anhalt: „Ein nachhaltiger Tourismus lebt von einer intakten Umwelt. Die Einzigartigkeit und Schönheit der Natur und die touristische Entwicklung in der Region kann nur im Einklang mit der Natur erfolgreich sein. Als absoluter Irrsinn entpuppt sich unter diesem Aspekt das Projekt in Schierke im Harz. Wenn die Alpen in Bayern zu niedrig sind, um in Zukunft Ski zu fahren, dann ist es der Brocken auf jeden Fall auch.“

Auch Korbinian Gall hielt es für notwendig, Naturschutz und Tourismus in Einklang zu bringen: „Das Sudelfeld ist für uns in der Region ein wichtiges Erholungsgebiet und liegt in einem einzigartigen Naturraum. Es bleibt ein fader Beigeschmack, wenn die Almwiesen immer technischer erschlossen werden, obwohl nicht einmal klar ist, wie lange das noch gut geht. Wir müssen jetzt an die Zukunft des Tourismus in der Region denken. Wir brauchen ein Konzept für ein Naturerlebnis, das trotzdem die Umwelt schont, nicht vom Klimawandel abhängt und ein echtes Angebot für Bürgerinnen und Bürger ist. Steigen wir jetzt Schritt für Schritt um, ist noch nichts verloren. Die Regierungen der Bundesrepublik und des Freistaats Bayern müssen jetzt entscheiden, welchen Weg wir da gehen wollen. Und darüber kann am 24. September abgestimmt werden.“

Hanspeter Mair machte deutlich, dass auch der Deutsche Alpenverein zu große Eingriffe in die Natur und die Fokussierung auf den Skitourismus kritisch sieht: „Natürlich wird von den Skigebietsbetreibern die Sinnhaftigkeit der Investitionen am Sudelfeld in allen positiven Facetten dargestellt. Das ist ihnen auch nicht zu verdenken. Dennoch wurden mit dem Speicherbecken künstliche alpine Welten geschaffen, die vom unvoreingenommenen Betrachter als schön empfunden werden. Aber nur im Sommer! Was dahinter steckt, wird nicht gesehen. Die hohen Investitionen, die nur mit Zuschüssen aus Steuergeldern möglich waren. Und eine Investition in eine Tourismussparte, die auf lange Sicht nicht nachhaltig ist. Das ist das falsche Signal. Wir müssen uns angesichts des Klimawandels auf Veränderungen einstellen, und zwar jetzt. Nicht erst, wenn es zu spät ist. Parallel alternative Tourismusangebote für das ganze Jahr zu entwickeln, ist das Gebot der Stunde – das geht nicht von heute auf morgen. Und die ländliche Entwicklung unabhängig vom Tourismus fördern. Das gilt nicht nur für den Raum um das Sudelfeld, sondern für den gesamten bayerischen beziehungsweise deutschen Alpenbogen.“

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Rosenheim

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