3. Fachtag Autismus im Rosenheimer OVB-Medienforum

Autismus-Fachtag begeistert erneut: "Feste Größe im Kalender"

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Podiumsdiskussion im OVB-Medienforum: Moderator Stefan Kumberger, Dr. Leonhard Schilbach, Prof. Dr. André Frank Zimpel, Vorstand Katrin Hennig und Birke Opitz-Kittel (von links nach rechts).

Rosenheim - Bereits zum dritten Mal lud der Autismus Rosenheim e.V. zu seiner jährlichen Fachtagung ins OVB-Medienforum. An zwei Tagen informierten sich jeweils 150 Teilnehmer über den aktuellen Stand der Forschung und folgten den Vorträgen von Autisten/innen, die aus ihrem Leben mit dieser Behinderung berichteten.

Ein besondere Überraschung für die Vorstände war die übermittelte Grußbotschaft von Frau Dr. Bärbel Kofler, Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung. Schirmherr Aleksander Knauerhase, Inklusionsbotschafter und selbst Autist, dankte in seinem Grußwort der unermüdlichen Arbeit der Vereinsmitglieder und lobte, dass bei den Fachtagen des Rosenheimer Autismusvereins stets auch autistische Menschen zu Wort kommen. "Hier wird mit uns gesprochen - nicht nur über uns!", sagte Knauerhase, der betonte, wie sehr er den Einsatz und die Empathie der Vorstände Nadine Norén und Katrin Hennig schätze.  Bei der Rosenheimer Fachtagung handelt es sich mittlerweile um die größte jährlich stattfindende Veranstaltung dieser Art in Bayern. Den Organisatoren ist es dabei wichtig, die Bedürfnisse der autistischen Referenten und Teilnehmer zu beachten. So gab es z.B. einen extra eingerichteten Ruheraum, in den sich die Betroffenen zurückziehen konnten. Nicht anwesende Autisten/innen und Interessierte konnten bei Twitter unter #Fachtag18 den 3. Fachtag Autismus Rosenheim aus der Sicht des Publikums live mitverfolgen.

Tag 1 startete mit einem autistischen Doppel-Vortrag. Aleksander Knauerhase und Birke Opitz-Kittel nahmen das Thema Inklusion und Schule bzw. Beruf auf. Anschließend nahm Hennig, gemeinsam mit Opitz-Kittel, sowie Dr. Leonhard Schilbach vom Max-Planck-Institut und Prof. Dr. André Frank Zimpel von der Uni Hamburg an der paritätischen Podiumsdiskussion zum Thema "Inklusion" teil. Prof. Zimpel, der zur geistigen Entwicklung und Behindertenpädagogik forscht, gewährte dabei interessante Einblicke und sprach sich für eine Individualisierung des Unterrichts an Schulen aus. "Wenn die Lehrkraft sich intensiv mit dem einzelnen Schüler beschäftigt, profitieren behinderte Kinder - aber auch alle anderen!", sagte Zimpel. Dr. Schilbach wies darauf hin, dass der Bundesrepublik Jahr für Jahr ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden entstehe, weil autistischen Menschen nicht die Gelegenheit gegeben werde, ihre Potentiale an der richtigen Stelle einzusetzen. Hier beginne bei vielen Unternehmen aber bereits ein Umdenken, das weiter forciert werden müsse. Opitz-Kittel gab bewegende Einblicke in das Schulleben ihres autistischen Sohnes, das von seelischen und körperlichen Verletzungen geprägt gewesen sei - auch sie selbst stehe im Alltag immer wieder vor erhebliche Einschränkungen. Katrin Hennig wurde zur aktuellen Autismus-Strategie in Bayern befragt und gab einen kurzen Einblick in die tägliche Arbeit des Vereins.

Die autistische Journalistin Mela Eckenfels warnte in ihrem Vortrag vor Scharlatanen und alternativen Heilmethoden, die den behinderten Menschen schweren seelischen und finanziellen Schaden zufügen.Viele Angehörige greifen aus Verzweiflung auf „Heilversprechen“ zurück, allerdings ist Autismus keine Krankheit und daher auch nicht heilbar.

Der zweite Tag stand dann komplett im Lichte der Innensicht von Autisten/innen. Matthias Brien, diplomierter Designer und Heilpraktiker, hielt einen Vortrag über die künstlerische Schaffenskraft von Autistinnen und Autisten. In seinem zweistündigen Vortrag, zeigte er Fotos, gemalte Bilder aus der Kindheit, aktuelle Portraits und Werke. Seine Kern-Aussage: „Menschen, die über Autismus schreiben, sind häufig nicht selbst betroffen. Sie schreiben über das was sie sehen und wahrnehmen, ohne es je selbst erlebt zu haben. Sie haben ein unvollständiges Bild.“ Für viele unterhaltsame Momente sorgten der 13-jährige Autist Jason von Juterczenka und sein Vater Mirco. Beide erzählten von ihrer Tour durch die Fußballstadien Europas, um einen "Lieblingsverein" für Jason zu finden. Hierfür hatten beide im Jahr 2017 den "Grimme Online Award" erhalten. Im Speziellen gaben beide noch Anekdoten aus dem Familienleben zum Besten. So gibt es sogar eine „Gesetzesschrift“, an die sich alle halten müssen. Beim darauf folgenden Vortrag von Frau Birke Opitz-Kittel herrschte anschließend komplette Stille. Die abgedunkelten Fenster und das wenige Licht im Saal kamen der Referentin zu Gute. Mit stillem Applaus, bei dem man die Hände nach oben hebt und winkt, dankten die aufmerksamen Zuhörer allen Vortragenden. Ein gutes Beispiel für ein „barrierefreies“ Miteinander. Trotz zweier umfangreicher Tage, bot Aleksander Knauerhase in seiner offenen Gesprächsrunde noch die Möglichkeit für viele Fragen aus dem Publikum. Alle wurden geduldig beantwortet.

Katrin Hennig zeigte sich am Ende der Veranstaltung hochzufrieden: "Unsere Fachtagungen sind mittlerweile eine feste Größe in den Kalendern der Branche geworden. Zudem möchte ich auch dem OVB-Medienhaus für die Unterstützung danken. Zudem konnten wir heuer dank der Münzhandlung Zimmermann und der Emmy Schuster-Holzammer Stiftung einige Freikarten zur Verfügung stellen". Sie wolle weiterhin für die Interessen autistischer Menschen kämpfen und Aufklärungsarbeit leisten. Zudem engagiert sich der Autismus Rosenheim e.V. bei der Erarbeitung einer Autismus-Strategie für den Freistaat Bayern. Weitere Informationen zum Verein und seinen Veranstaltungen erhalten sie auf www.autismus-rosenheim.de.

PM Autismus Rosenheim e.V./Stefan Kumberger

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