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Ganzheitliche Förderung im Caritas Kinderdorf Irschenberg

Kinder stärken - mit Kunst und Musik

Mit Kuscheltier auf der Matratze macht es sich ein Kind bei Musiktherapeutin Erika Schultes gemütlich.
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Mit Kuscheltier auf der Matratze macht es sich ein Kind bei Musiktherapeutin Erika Schultes gemütlich.

Irschenberg - Bei den Kindern und Jugendlichen, die im Caritas Kinderdorf aufwachsen, ist in den Herkunftsfamilien sehr oft nicht alles rund gelaufen. Manche mussten Vernachlässigung, körperliche, psychische oder gar andere Gewalt erleiden. Das hinterlässt Spuren, nagt am Selbstvertrauen und am Vertrauen in Erwachsene. Mit Kunst und Musik helfen zwei Therapeutinnen aus Irschenberg Mädchen und Jungen, die bei ihren Herkunftsfamilien nicht mehr sicher waren.

Zum Einsatz kommen die beiden kreativtherapeutischen Ansätze im Caritas Kinderdorf in Irschenberg. Während Maria Bacher mithilfe der Kunsttherapie mit den Kindern arbeitet, hat sich Erika Schultes auf die Musiktherapie spezialisiert. Dass Musik heilt, das wussten schon die alten Griechen. Aus dem Altgriechischen stammt auch der Begriff „Trauma“, der Wunde bedeutet. Bei der psychotherapeutische Methode wird mithilfe von Musik die seelische und körperliche Gesundheit wieder hergestellt und gefördert. Dabei geht es nicht darum, ein Musikinstrument zu erlernen oder musikalisch ausgebildet zu werden. Musik ist reines Mittel zum Zweck, denn Melodien erzeugen Gefühle. Musik kann glücklich und traurig machen. In Einzelstunden oder Zweiergruppen lernen die Kinder, ihre Gefühle wahrzunehmen, eine Verbindung zu ihnen aufzunehmen und diese zu regulieren.

Alle, die mit Kindern gemeinsam singen oder musizieren, können das bestätigen: Durch das musikalische Erleben können positive Empfindungen verankert und wieder abgerufen werden. Dazu hat die ausgebildete Musik- und Kreativtherapeutin Schultes ein Geborgenheitslied im Repertoire, welches die Betreuten gerne singen. Eine wertvolle Ressource, die den Kindern das Gefühl gibt, nicht alleine und positiv präsent zu sein. Musik gibt ihnen Halt, Schutz und Sicherheit, weiß die Irschenberger Künstlerin. Auch das gemeinsame Singen macht Freude und schafft Freunde. Deshalb soll der Kinderdorf-Chor auch möglichst bald zusammenkommen, der pandemiebedingt pausieren musste.

Wie bei der Musik basiert die Kunsttherapie auf der Erkenntnis, dass künstlerische Tätigkeiten eine heilende Wirkung haben können. Sie wird beispielsweise in Förderschulen, Seniorenheimen und in Kliniken eingesetzt. Bei der vergleichsweise jüngeren Disziplin unter der Regie der 29-jährigen Maria Bacher geht es ganz ähnlich darum, dass die Kinder sich ohne Worte ausdrücken, sie sollen kreativ werden und sich dadurch selbst besser kennenlernen. Wiederum geht es nicht darum, ein Kunstwerk zu schaffen, sondern Zugang zu sich selbst zu bekommen. Dinge, für die sie keine Worte finden, können durch Kunst zum Ausdruck gebracht werden.

Dafür kommen bei der studierten Kunsttherapeutin mit einem Masterabschluss je nach Kind verschiedene Techniken und Materialien zum Einsatz. Es wird gemalt, gezeichnet, gebastelt und geknetet meist in Einzelstunden, wie mit Kim (Name von der Redaktion geändert), die große Probleme hatte, ihre Aufmerksamkeit für längere Zeit auf eine Tätigkeit zu richten. Anfangs wechselte sie alle fünf Minuten das Material, hatte eine neue Gestaltungsidee und schon die kleinste Ablenkung genügte, um vom Thema komplett abzukommen. Zugrunde lag ein Trauma in Verbindung mit einer großen inneren Unruhe, wie Maria Bacher sich erinnert: „Ich arbeitete mit ihr viel mit Ton, z.B. Tonwerfen, um Wut rauszulassen, Matschen und Formen. Ich hatte das Gefühl, mit Ton als erdendes Gegenüber hatte sie etwas Greifbares in der Hand, das ihr half die Aufmerksamkeitsspanne Stunde für Stunde schrittweise zu erhöhen.“ Nach einem Jahr modellierte Kim ihr eigenes Gesicht aus Ton und beschäftigte sich fast eine Stunde mit ihrer Arbeit, bei der sie entspannt und konzentriert wirkte. Neben der Einzeltherapie bietet die Kunsttherapeutin auch offene Projekte in den Ferien an. Da wurde beispielsweis von jedem Kind ein Schutzengel gestaltet aus Papierkegel, Goldpapier und Märchenwolle, der mit in der Nacht leuchtenden Farben bemalt wurde. So ist er im Dunkeln im Kinderzimmer sichtbar. Das hilft Ängste zu mindern, gibt dem Kind ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit.

Die zwei Therapeutinnen arbeiten getrennt von einander stundenweise mit Kindern, die in bestimmten Bereichen Förderbedarfe aufweisen. In der Regel melden die Wohngruppen der Bereichsleitung im Kinderdorf, wenn Kinder in bestimmten Bereichen Defizite aufweisen. Gemeinsam mit den psychologischen und heilpädagogischen Fachdiensten, der Freizeit- und Erlebnispädagogik werden in einer Runde die Bedarfe analysiert und gemeinsam festgelegt, welche Kombination aus den Fachbereichen die beste Lösung für das Kind ist, um es gezielt zu fördern. Wenn eine flankierende Kreativtherapie zielführend erscheint, dann wir neigungsorientiert entschieden, d.h. ein Kind, das gerne Musik und Singen mag, kommt in die Musiktherapie, während ein Kind, welches gerne malt und bastelt, besser bei der Kunsttherapie aufgehoben ist. Alexander Horzella, Psychologe im Kinderdorf, ist es vor allem wichtig, den geeigneten Zugangsweg zum Kind zu finden, um Kontakt herzustellen und in einen therapeutischen Prozess einzusteigen. Während sich Jugendliche gut über ihre Sprache artikulieren können, sind die nonverbalen Handlungsimpulse über Musik und Kunst ideal für Kinder ab dem Vorschulalter. „Oftmals wäre bei der Vorgeschichte der Mädchen und Jungen zusätzlich eine externe, psychotherapeutische Behandlung notwendig“, sagt Horzella und prangt ein Problem in der Versorgungslandschaft an: „Insbesondere hier auf dem Land gibt es viel zu wenig Psychotherapeut:innen für Kinder und Jugendliche. Oftmals müssen wir lange auf einen Platz warten. Bis dahin unterstützen wir die Betreuten auch mit den Kreativtherapien.“ Kreativtherapien, die überwiegend über Spenden finanziert werden, wirken, das wissen die Verantwortlichen im Caritas Kinderdorf. Sie sind wichtige Bausteine, um die Mädchen und Jungen zu stärken. Wenn die Kinder sich selbst spüren, dann entdecken sie ihre Talente und erhalten sukzessive ein realistisches Bild ihrer eigenen Fähigkeiten. Dieses Potenzial wird ganzheitlich von allen am Prozess beteiligten Fachkräften weiter gefördert mit dem Ziel, dass die Kinder und Jugendlichen schrittweise lernen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und so ihr Schicksal zu meistern. Beste Voraussetzung dafür sie in die Lage zu versetzen, ein selbstbestimmtes Lebens zu führen, sobald sie die Einrichtung verlassen.

Pressemitteilung Caritas Kinderdorf Irschenberg; Autor: BFL RELATIONS Marketing + Management

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