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„Uns wird der schwarze Peter zugeschoben“

Mittelschule Eiselfing in Gefahr: Amerang lehnt Teilsanierung ab

Die Grund- und Mittelschule
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Die Grund- und Mittelschule

Diese Entscheidung kann dramatische Folgen haben. Der Gemeinderat Amerang hat die Gesamtsanierung der Mittelschule Eiselfing in zwei Bauabschnitten abgelehnt. Zu vielen Faktoren seien noch unklar. Eiselfings Bürgermeister reagiert empört.

Amerang – Der Gemeinderat Amerang hat eine Entscheidung mit Tragweite getroffen. Er hat sich mit zwölf zu fünf Stimmen gegen eine Gesamtsanierung der Mittelschule in zwei Bauabschnitten ausgesprochen. Es bleiben die Varianten Neubau oder Beitritt zum Mittelschulverbund Wasserburg.

„Wie soll es mit der Mittelschule Eiselfing weitergehen“ – diese Frage beschäftigt auch den Gemeinderat Amerang bereits seit geraumer Zeit. Als Teil des Schulverbands Amerang-Eiselfing-Schonstett liegt die Weichenstellung für die Zukunft der Mittelschule Eiselfing auch in Ameranger Hand. Das wurde auch an den vielen Zuhörern deutlich, die zur Gemeinderatssitzung gekommen waren.

Kritik: Fehlende verlässliche Zahlen

Sie erlebten eine ausführliche Diskussion, bei der deutlich wurde, dass sich der Rat seine Entscheidungen zum Thema Mittelschule Eiselfing nicht leicht macht. Im Hinblick auf die langjährige enge schulische Verknüpfung setzt die Gemeinde Amerang laut Bürgermeister Konrad Linner (GLA) weiterhin auf die vereinbarte vertrauensvolle Zusammenarbeit der drei Gemeinden. Aus der Zeitung zu erfahren, „dass Eiselfing eine Teilsanierung beschlossen hat und die anderen Gemeinden aufgefordert werden, zeitnah Beschlüsse zu fassen“, habe ihn deshalb schon ein wenig irritiert, betonte Linner. Zumal es um mehr als eine Teilsanierung gehe.

Die Regierung von Oberbayern prüfe derzeit Fördermöglichkeiten einer Gesamtsanierung in zwei Bauabschnitten. Bisher gebe es nur für die Sanierung des ersten Bauabschnittes (Dachsanierung, Obergeschoss, Barrierefreiheit, notwendige technische Sanierungen) mit 8,5 Millionen Euro verlässliche Zahlen. Die Kosten für einen zweiten Bauabschnitt für das restliche Gebäude seien nur überschlägig mit etwa 4,5 Millionen Euro ermittelt worden. Die Gesamtkosten von 13 Millionen Euro würden keinen Ansatz für den Einbau einer Lüftungsanlage (RLT-Anlage), Mensa, Ausstattungskosten oder Interimskosten beinhalten.

Bei Letzteren handelt es sich um Kosten für Container, die möglicherweise nötig werden, um den Schulbetrieb während des Umbaus aufrechterhalten zu können. Ebenso gebe es keine Anpassung der Kosten an die gestiegenen Baupreise und es sei auch noch unklar, ob die angestrebte Teilsanierung aufgrund der hohen Kosten für die Planungsleistungen ein aufwendiges Vergabeverordnungsverfahren nach sich ziehe. „Und dann bleibt noch die Frage, inwieweit mit dieser Planung der von der Förderbehörde geforderte vergleichsweise Neubauzustand hergestellt werden kann“, stellt der Ameranger Bürgermeister fest. Denn nur dann ist eine Förderung bis zu 5,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Sorgen: ein Fass ohne Boden?

Der hierfür notwendige Erörterungstermin bei der Regierung von Oberbayern hat noch nicht stattgefunden. Die Gemeinde Amerang wäre etwa mit einem Viertel an den Kosten beteiligt. Markus Keller, Christian Staber, Sebastian Stadler(alle CSU), Ludwig Niedermaier und Franz Oberloher (beide FWKirchensur) sprachen sich für eine Sanierung in Bauabschnitten aus. Zwölf Räte stimmten dagegen.

Markus Keller verwies auf die fehlenden ungeklärten Punkte und betonte, dass er sich bei einer so wichtigen Abstimmung nicht treiben lasse wolle. Unabhängig davon forderte er ebenso wie Parteikollege Christian Staber ein grundsätzliches Bekenntnis zum Mittelschulstandort Eiselfing, weil man im Schulverband über Jahrzehnte gut zusammengearbeitet habe und auch die künftigen Herausforderungen Hand in Hand meistern solle.

Er befürchte nicht, dass die Kosten bei einer Sanierung aus dem Ruder laufen, betonte Staber. Das Gebäude sei erhaltenswert, die Schülerzahlen seien gesichert und an der Schule werde gute Arbeit geleistet. „Deshalb bin ich dafür, die Mittelschule Eiselfing mit einigen Millionen Euro zu erhalten, weil sie es wert ist“, so Staber.

Schulverbund Wasserburg Option

Simon Strell (CSU) sprach sich auch für den Erhalt des Schulstandorts, aber gegen die Sanierungspläne aus. Amerang werde jetzt der schwarze Peter zugeschoben und die Frage gestellt: „Was sind uns unsere Kinder wert“. Fakt sei, dass Amerang seit einem halben Jahr auf aussagekräftige Informationen warte. Der Gemeinderat habe die Schulen in Eiselfing und Wasserburg besichtigt und sich ein eigenes Bild gemacht. Ein Teilneubau ohne Lüftungsanlage im Hinblick auf Corona und den Klimawandel oder wie läuft der Unterricht während der Umbauphase, das seien nur zwei der vielen Fragezeichen, die hinter der Maßnahme stünden. „Eine Teilsanierung könnte zum Fass ohne Boden werden“, brachte Christl Kerstens (GLA) die Skepsis vieler Räte auf den Punkt. Es gäbe zu wenig belastbare Zahlen.

Sicher sei, dass es mit 13 Millionen nicht getan sei, um einen Neubauzustand herzustellen. „Wir reden über eine Investition von 15 bis 20 Millionen Euro für rund 100 Schüler“, stellte Alex Mitter (GLA) fest. Dabei gebe es tragfähige Optionen mit dem Schulverbund Wasserburg. „Wir wissen so ungefähr, was es kostet und müssen jetzt Gick oder Gack sagen“, stellte Matthias Schmid (GLA) fest. Er schätze die pädagogische Arbeit, die in Eiselfing geleistet werde, aber mit ein paar hunderttausend Euro könne man das Gebäude nicht mehr in Schuss halten.

Es gehe um richtig viel Geld und nicht darum, was einem die Kinder wert seien, denn das Geld komme nicht bei den Kindern an, sondern stecke in einem Schulgebäude, dass dann immer noch keinem modernen Standard entspreche. Ob nun 13 oder 15 Millionen, Förderung oder nicht – es handle sich immer um die Steuergelder der Bürger und das erfordere eine verantwortungsvolle und objektive Entscheidung.

Fakt sei, dass es im Schulverbund mit Wasserburg und Schnaitsee zwei Schulhäuser quasi im Neubauzustand gebe, die ohne Qualitätsverlust ein ähnliches pädagogisches Konzept und mehr Differenzierungsmöglichkeiten bieten und Schüler aufnehmen könnten.

Schon jetzt viele Busfahrer

Interessant sei auch, dass 90 der 110 Eiselfinger Mittelschüler ohnehin Buskinder seien und es nach Wasserburg oder Schnaitsee keine weiten Fahrtstrecken gebe.

Gegen die Stimmen von Ludwig Niedermaier und Sebastian Stadler sprach sich der Rat dafür aus, die verbliebenen Optionen „Lösung im Schulverbund“ oder Ersatzneubau von Grund auf zu prüfen. „Wir hatten ursprünglich vereinbart, dass wir in einer gemeinsamen Sitzung mit den Räten der drei Gemeinden eine Entscheidung treffen“, betont Konrad Linner. Eiselfing habe sich nicht darangehalten, dennoch wolle man im Gespräch bleiben, eine gute Lösung finden und einen gemeinsamen Weg gehen.

Stellungnahme von Schulverbandsvorsitzenden Georg Reinthaler

„Die Variante Teilsanierung hätte aus Sicht der beauftragten Fachbüros sowie angesichts der umfassend erhobenen Daten eine für die Mittelschulverbandsgemeinden Amerang, Eiselfing und Schonstett finanziell sowie baulich zukunftsfähige Lösung dargestellt“, erklärt Georg Reinthaler, Bürgermeister von Eiselfing und Vorsitzender des Schulverbandes hinsichtlich des negativen Beschlusses aus Amerang. „Für mich ganz persönlich ist ein Votum, dass einen funktionierenden Mittelschulstandort mit intakter Schulfamilie gefährdet, gerade in diesen für die Schüler, Eltern und Lehrkräfte besonders herausfordernden Zeiten gesellschaftspolitisch fatal“, erläutert Reinthaler weiter. Selbstverständlich respektiere er aber den demokratisch gefassten Mehrheitsbeschluss des Ameranger Gemeinderats.

Um die Zukunft des Mittelschulstandorts zu klären, müssten sich die Gemeinderäte nun zeitnah beraten. „Da das Schulgebäude und das Grundstück in Eiselfing jeweils im Eigentum des Mittelschulverbands stehen, ist ohnehin eine gemeinsame Abstimmung in der Verbandsversammlung zum weiteren Vorgehen zwingend notwendig“, erklärt Reinthaler. Parallel dazu sei aber mit den zuständigen Behörden bis hin zur Regierung von Oberbayern auch zu klären, ob und wie ein Mittelschulstandort aufgelöst beziehungsweise verlagert werden könne.

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