"Wenn die jungen Leute wegziehen, ist der Ofen aus!"

Platzt der Traum vom Eigenheim in Babensham? 

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Auch wenn es aus der Luft nicht so aussieht: Freie Bauflächen in Babensham sind rar. 
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Babensham - Neue Flächen für Bauland werden knapp in der kleinen Gemeinde. Das ist wohl zum einen der allgemeinen Wohnungsnot geschuldet, zum anderen aber auch ein EU-rechtliches Problem. Das Schlimmste an dem Ganzen: Das vor allem bei jungen Bürgern beliebte Einheimischen-Modell steht nun auf der Kippe: 

"Seit meiner Amtszeit konnten wir jedes Jahr Bauland für die jungen Bürger zur Verfügung stellen. Jetzt aber gestaltet sich das Ganze immer schwieriger", konstatierte Bürgermeister Josef Huber und erklärte weiter: "so stehen wir momentan vor der Situation, dass 24 Babenshamer gerne bauen würden, wir aber keine Grundstücke haben."

Auf der Bürgerversammlung 2018 versuchte Huber die prekäre Situation zu erklären

  • Der Kern des Problems liege zum einem an den hohen steuerlichen Belastung bei Verkäufern sowie der allgemeinen Flächenknappheit
  • Die Verkaufsbereitschaft für die in Frage kommenden Flächen sei sehr gering
  • Die Möglichkeiten, außerhalb von bereits bestehenden Siedlungen neue Siedlungsschwerpunkten zu schaffen, sei gleich Null. 
  • Ein weiteres Problem, das die Situation nochmal verschärfe, sei die Tatsache, dass 80 Prozent der Bauwerber unbedingt im Bereich Babensham und Penzing bauen wollen würden.
  • Das Schlimmste aber sei, dass die Grundstücksvergabe an Einheimische, wie die Gemeinde es bisher betrieben habe, nach geltendem neuen Gesetz nicht mehr möglich sei. Dem neuen EU-Recht zufolge seien alle Europäer gleich zu behandeln und die Vergabe von Grundstücken zu verbilligten Preisen dürfe nur mehr an sozial Schwächere erfolgen. Zudem seien die Grundstücksgrößen den Vorgaben anzupassen: 400 Quadratmeter würden nun ausreichen. Nach diesen Vorgaben kämen nur noch ein paar wenige Bürger in den Genuss die sogenannten Einheimischen-Grundstücken erwerben zu können. 

Bauland zu günstigen Konditionen bald Geschichte?

Der Marktpreis für Grundstücke in der Gemeinde Babensham liege laut Huber je nach Lage derzeit bei 200 bis 350 Euro pro Quadratmeter erschlossenes Grundstück. Die Gemeinde habe bisher nach den Regeln des Einheimischenmodells ihre Grundstücke für 110 bis 140 Euro verkauft, also deutlich unter Marktpreis.Das habe Huber zufolge "überhaupt erst das Bauen für viele ermöglicht". 

Bürgermeister Josef Huber will sich auch weiterhin für die künftigen Babenshamer Bauherren einsetzen. 

Gekauft habe die Gemeinde die Grundstücke ebenso je nach Lage zu einem Preis von 50 bis 60 Euro. "Nur wenn wir 70 Prozent des Nettobaulands erwerben konnten, haben wir mit der Planung begonnen, sofern eine Genehmigung Aussicht auf Erfolg hatte", erläuterte Huber. 

Zukünftig könne die Gemeinde zwar weiter Grundstücke an "Einheimische" verkaufen, allerdings nur zu Marktpreisen. Huber weiter: "Tritt dann der Fall ein, dass ein Grundstück bis zu 100.000 Euro teurer ist, wird wohl der Traum von eigenem Haus für viele ausgeträumt sein." Ein zusätzliches Problem sieht der Bürgermeister und zweite Landrat auch in der Größe: "Ein 400 Quadratmeter großes Grundstück im ländlichen Raum kann - bei aller Problematik, die den Flächenfraß anbelangt - auch nicht das Ziel sein." 

Der allgemeinen Wohnungsnot den Kampf ansagen

Bezahlbarer Wohnraum fehlt in ganz Bayern in erster Linie in den Ballungsräumen. Aber auch in der kleinen Gemeinde Babensham gebe es laut Hubers Ausführungen kaum freie Mietwohnungen. Auch für ältere Hausbesitzer, die in Babensham gerne eine kleinere Eigentumswohnung erwerben würden, fehle Wohnraum. 

"Wir haben die Verantwortung sowohl für junge Familien, die ein Haus bauen wollen, als auch für solche, die eine Wohnung mieten oder kaufen möchten", stellt Huber klar. "Hier sind wir im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden weit hinterher. Mehrfamilienhäuser gibt es in der ganzen Gemeinde so gut wie keine. Um das zu ändern sind wir gerade dabei zu prüfen inwieweit wir als Gemeinde auch selber tätig werden können. Die staatlichen Zuschüsse und günstigen Zinsen wären ein Anreiz dazu."

Abhilfe durch eine Wohnbaugesellschaft?

Gegenstand der "Kommunalen Wohnbaugesellschaft Babensham mit beschränkter Haftung (KWBmbH)" und Zweck des Unternehmens sei die Bereitstellung von Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu wirtschaftlich vertretbaren und sozial verantwortbaren Bedingungen

So oder so ähnlich könnte nach Ansicht von Huber die Antwort auf die Wohnungsnot lauten. Mit dieser Idee beschäftigen sich Gemeinderat und Bürgermeister wohl bereits länger. 

Aufgaben der Gesellschaft wären: 

  • Planung und Errichtung von Infrastrukturmaßnahmen
  • Erbringung von Dienstleistungen
  • Erwerb, Belastung und Veräußerung von Grundstücken 
  • Bestellung von Erbbaurechten 

Mit der Gründung eines solchen Kommunalunternehmens könne die Gemeinde laut Huber "ganz neue Wege einschlagen" um die Problematik des Bau- und Wohnungswesens gerecht zu werden. Vertragsentwürfe sowie Gespräche mit Juristen und Notar würden aktuell laufen, Gespräche mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sowie der Kommunalaufsicht stehen in naher Zukunft an.

Josef Huber versprach abschließend sich um eine baldige Lösung des Problems in seiner 3.000-Seelen-Gemeinde zu kümmern: "Den Bauwerben in Babensham kann ich versichern, dass ich alles versuchen werde, was rechtlich möglich scheint, um erstens wieder Grundstücke zu bekommen und zweitens zu den gleichen Bedingungen wie bisher. Ich bin auch guter Hoffnung, dass mir das zumindest kurzzeitig gelingen wird. Denn wenn die jungen Leute wegziehen, ist der Ofen aus."  

mb

Quelle: wasserburg24.de

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