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Nicht nur während der Pandemie

Angebot für Familien in Wasserburg: Warum Eltern früh Hilfe annehmen sollten, wenn es Probleme gibt

Starke Eltern – starke Kinder: In Wasserburg gibt es viele Hilfen für Familien – jetzt ist diese Unterstützung neu aufgestellt worden.
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Starke Eltern – starke Kinder: In Wasserburg gibt es viele Hilfen für Familien – jetzt ist diese Unterstützung neu aufgestellt worden.

„Ich schaff‘ das nicht mehr. Das Kleinste ist ein Schreikind, zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich, dem Großen werd‘ ich nicht gerecht.“ Viele Eltern kennen das und fühlen sich – nicht nur in Corona-Zeiten – überfordert. Sich Hilfe zu suchen ist keine Schande. Im Gegenteil..

Wasserburg –„Eltern, die Probleme wahrnehmen, hinschauen und sehen, wo es schwierig ist, sind gute Eltern“, sagt Frank Wiens vom Fachdienst „Frühe Kindheit“ (KoKi), der koordinierenden Kinderschutzstelle am Landratsamt Rosenheim. Gemeinsam mit Babylotsin Edith Maier und Ethel-D. Kafka vom Bürgerbahnhof Wasserburg bildet er ein Dreigestirrn, das nun unter anderem in der Stadt für die kostenlose Familienberatung zuständig ist. Kostenträger sind Landratsamt und Stadt Wasserburg.

Früh Hilfe annehmen spart Zeit und Nerven

„Unser Ziel sind selbstbewusste Eltern und Familien, die wir auf ihrem Weg dahin begleiten“, erklärt Wiens. Er wirbt dafür, früh Hilfe anzunehmen. „Das spart Zeit und Nerven.“ Es gehe um eine frühe Prävention, „bevor aus Problemen Fälle werden“.

„Auch das Wunschkind kann einen an die Grenzen bringen“

Für viele Mütter und Väter sei es ein Drama, Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil sie glauben, alle anderen kriegen es hin, „nur wir nicht“. Das sei, so Wiens Erfahrung, falsch. „Auch das Wunschkind kann einen an die Grenzen bringen, es ist nicht alles eitel Sonnenschein.“ Er wünschte sich, dass Eltern untereinander ehrlicher wären, das würde Druck wegnehmen.

Bis vor einem halben Jahr war Erika Pohl die wichtigste Anlaufstelle für Sorgen und Nöte der Eltern; ihr Büro hatte sie am Marienplatz. Stets bekam sie Unterstützung und Rückhalt vom Förderverein „Wasserburger Elternnetz“.

Auch bei der neuen Kooperation der Familienberatung steht das Elternnetz ideell dahinter und organisiert beispielsweise Spenden. „Zum Beispiel, wenn mal eine Packung Windeln fehlt, oder sich Familien kein Weihnachtsgeschenk leisten können“, sagt Ethel-D. Kafka.

Sie kennt man in Wasserburg vom Bürgerbahnhof, der mit seinen Beratungen eine Besonderheit im Landkreis Rosenheim ist. Wer hierher kommt, wird an die richtige Adresse weiter vermittelt, zum Beispiel an eine Paarberatung. Oder an die Schuldnerberatung.

Babylotsin zu Gast auf der Geburtsstation

Die Besuche auf der Wasserburger Geburtenstation, die früher Erika Pohl machte, hat inzwischen eine „Babylotsin“ übernommen: Edith Maier ist seit 2015 Familienkinderkrankenschwester. Sie betreut Eltern in schwierigen Lebenssituationen mit Kids von null bis sechs Jahren. Ziel ist es, Familien durch frühzeitige Hilfen so zu unterstützten, dass ihre Kinder gesund aufwachsen. Als Babylotsin schaut sie bei den Müttern im RoMed Wasserburg rein und informiert sie, wo es niederschwellig Unterstützung gibt.

„Oft sieht man schon, ob die Mami überlastet ist, ob Bedarf da ist. Dann schaue ich individuell, was sie braucht. Manchmal ist KoKi, manchmal Frau Kafka vom Bürgerbahnhof oder aber auch die Schwangerenberatungsstelle das Richtige“, berichtet Edith Maier, die sich als gesundheitsorientierte Familienberaterin versteht.

Sie stelle fest, dass es vermehrt Mütter und Väter gebe, die „es besser machen wollen, häufig aber nicht wissen, wie“. Ein super Anlass für eine Beratung sind sich die drei Experten einig.

Kafkas Klientenspektrum geht von null bis 100 Jahre – bei ihr ist jeder willkommen. Und um die frisch gebackenen Eltern zu erreichen, sie anzubinden an die vielen Möglichkeiten, die der Bürgerbahnhof bietet, seien die Willkommensbriefe der Stadt Wasserburg ein idealer Türöffner. Darin werden sie eingeladen, sich ihr Geschenk sowie Informationsmaterial bei Kafka abzuholen und sehen gleich mal die Räumlichkeiten von innen.

So arbeiten sich Maier, Wiens und Kafka gegenseitig zu und können zusätzlich Frühe Kinderheit bauen. Davon profitieren die Eltern, die sich an sie wenden.

Fähigkeiten der Eltern bestärken

Wiens von KoKi betont: Sogenannte „frühe Hilfen“ sind immer freiwillig. Jeder dürfe sich bei seinem Fachdienst im Jugendamt Unterstützung holen – und auch gerne zum wiederholten Male kommen.

Wichtig sei bei der Beratung, nicht nur aufs Negative zu schauen, sondern auch festzustellen, was läuft gut und was könnte man ausbauen. „Wir buddeln gemeinsam aus, welche Fähigkeiten man stärken könnte. So erleben die Eltern, dass sie mit ihren eigenen Möglichkeiten etwas bewirken können. Wiens: „Unser Ziel sind starke Eltern.“

Ein Klischee: „Die nehmen uns das Kind weg“

Auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung bestätigt das Dreigestirn, leider hafte dem Jugendamt noch immer ein Klischee an: Die kommen und nehmen uns die Kinder weg.

„Diese Angst muss man den Leuten nehmen“, findet Edith Maier, die als Honorarkraft ebenfalls am Jugendamt angesiedelt ist. Auch Frank Wiens sagt, das Jugendamt ist ein Partner, den man sich als Familie ins Boot holt.

Jugendamt als Partner sehen

Die Zeiten, in denen das Amt als Fürsorger bei Hausbesuchen Einlass verlangen und Kinder vorsorglich mitnehmen konnte, seien vorbei. Die Entscheidung, ob ein Kind aus der Familien genommen wird, weil das Kindeswohl gefährdet ist, ftrifft das Familiengericht“, so Wiens. Die Rechtslage habe sich stark verändert.

KoKi hatte im Jahr 2020 Kontakt mit rund 300 Familien im ganzen Landkreis Rosenheim. „Ich weiß aus dem Stegreif nur eine Familie, in der es eine kurzfristige Inobhutnahme gab“, so Wiens. „Mit den restlichen 299 gibt es eine freiwillige und gedeihliche Zusammenarbeit und wenn die Möglichkeiten der Frühen Hilfe nicht ausreiche, suchten wir mit der Familie nach umfangreicherer Hilfe.“

Hier gibt es Hilfe

KoKi kann „personelle“ Unterstützung anbieten, etwa in Form einer Familienhebamme (1. Jahr) oder eine Familienkinderkrankenschwester, die die Familie die ersten drei Jahre nach der Geburt begleitet. Zum Beispiel wenn es Probleme beim Bindungsaufbau mit dem Baby gibt, wenn Mütter psychisch belastet sind, wenn man Einsame an eine Spielegruppe anbinden kann, oder wenn eine Begleitung zum Kinderarzt gebraucht wird. Auch eine Entlastungshilfe, die stundenweise bei der Kinderbetreuung hilft,, kann KoKi stellen. Zum Beispiel wenn die Mama sich erholen muss, weil sie eine schwierige Schwangerschaft hatte. Das leisten Ehrenamtliche, meist über ein halbes Jahr. Dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung. Interessierte Helfer sind willkommen. Infos unter 08031/3922398.

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Ethel-D. Kafka vom Bürgerbahnhof in Wasserburg.
Edith Maier, Babylotsin und Familien Kinderkrankenschwester.
Frank Wiens von KoKi (Stelle des Jugendamtes Rosenheim).

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