Petition an Stadt Wasserburg übergeben

Emotionale Forderung: Wann kommt die Bahnschranke für Viehhausen? 

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Hans Peter Bubb (rechts) übergab Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl die Petitin, die eine Schranke am Viehhausener Bahnübergang fordert. 
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Edling/Viehhausen - Damit es nicht noch mehr Tote am Viehhausener Bahnübergang gibt, wird die Forderung nach einer Schranke immer lauter. Welcher Aufwand ist mit einer solchen technischen Aufrüstung verbunden und wieso dauert eine Entscheidung so lange?  

Brechend voll war der Sitzungssaal des Rathauses am Donnerstagabend. In der Bürgersprechstunde um 18.30 Uhr stand das emotionale Thema Bahnübergang Viehhausen im Fokus. 

Hans Peter Bubb übergab unter Applaus der Anwesenden die Petition an den Bürgermeister der Stadt Wasserburg, Michael Kölbl. 5848 Unterschriften beinhaltet die Petition. "Wir wollen diese sehr gefährliche Situation am Bahnübergang nicht länger hinnehmen und auch nicht, dass noch mehr Unfälle geschehen", unterstreicht Bubb den Inhalt seiner Petition, die eine Schrankenlösung zur Sicherheit der Bürger fordert. 

Der Bahnübergang in Viehhausen verbindet die Gemeinde Edling mit dem Wasserburger Ortsteil Reitmehring. Täglich passieren Autos den unübersichtlichen Bahnübergang, an dem erst vor wenigen Wochen eine junge Frau ihr Leben verlor.

Am Morgen des 9. Juni 2018 kollidierte ihr Auto mit einem herannahenden Regionalzug. Obwohl die Ampelanlage mit einem roten Blinklicht warnte, geriet die 24-Jährige auf die Gleise und kollidierte mit dem Zug. Die 24-jährige Wasserburgerin war auf der Stelle tot

Peter Bubb (im rot-karierten Hemd neben Bürgermeister Kölbl) rief die Petition für die Schranke am Bahnübergang Viehhausen nach dem tödlichen Unglück im Juni ins Leben. 

Fehlende Schranke am Bahnübergang

Es war nicht die erste Tragödie an dieser Stelle. Vor fast genau fünf Jahren, im Juli 2013, starb eine 20-Jährige nach einer Kollison mit einem Regionalzug an der gleichen Stelle. Lediglich ein Andreas-Kreuz und eine Ampel warnen vor nahenden Zügen auf der Strecke Rosenheim-Mühldorf. Eine Schranke gibt es nicht

Die Debatte über eine mögliche Beschrankung des Bahnübergangs der Verbindungsstraße Edling-Reitmehring ist seit dem zweiten tödlichen Unfall erneut aufgeflammt. Doch die Bahn sieht den Übergang als sicher an. Bereits nach dem ersten Bahnunfall 2013, argumentierte die Südostbayernbahn, der Übergang sei "technisch sicher". Diese Ansicht habe man, wie ein Sprecher der Bahn erst diese Woche der Redaktion von wasserburg24.de erklärt, nicht geändert.

Die Meinung der Bahn aber teilen die Bürger, die hinter der Petition stehen, indes nicht. Doch es gibt mehr Aspekte, die eine Verbesserung der Situation verzögern. Eine Schranke könne nach der Aussage von Bürgermeister Kölbl nicht von heute auf morgen realisiert werden. "Wir sprechen hier von einem einem Zeitrahmen von drei bis fünf Jahren", betont Kölbl in der Bürgersprechstunde. Diese Aussage bestätigte uns ein Sprecher der Bahn ebenfalls telefonisch. 

Einverständnis von allen beteiligten Eigentümern notwendig 

Und noch etwas hemmt das Projekt "Schrankenlösung. "Es handelt sich dabei um einen Dreiklang zwischen den Eigentümern von Schiene und Straße sowie dem Bund. Nur wenn alle Beteiligten ihr Einverständnis geben, kann mit einem entsprechenden Planfeststellungsverfahren begonnen werden", erklärte der Bahnsprecher auf Nachfrage. Zudem genieße der einspurig befahrbare Bahnübergang in Viehhausen sogenannten "Bestandsschutz". "Für eine Verbesserung der Situation müssten wir komplett umbauen", so der Sprecher weiter. 

Wie Bürgermeister Kölbl in der Bürgersprechstunde sagte, stehe der Viehhausener Übergang nicht alleine da. "Aus technischen Gründen müssen die drei Bahnübergänge bei Viehhausen, Au und Roßhart gleichzeitig angegangen werden." Und wenn die Gemeinde Edling da nicht mitmachen wolle, fragte eine besorgte Frau aus dem Zuhörerkreis. Kölbl erwiderte, das könne man noch nicht abwägen. Man müsse das bevorstehende Gespräch abwarten.

Die besorgten Bürger um Hans Peter Bubb (Zweiter von Links stehend) im Sitzungssaal des Rathauses bei der Übergabe der Petition. 

Und dann bliebe noch die Kostenfrage. Die Kosten für die Installation einer Schrankenanlage belaufen sich pro Bahnübergang auf mindestens 500.000 Euro, der Nachbau einer Halbschranke rund 350.000 Euro. Ende 2017 schließlich billigte der Freistaat zwar einen Zuschuss in Höhe von 140.000 Euro für eine Halbschranke in Viehhausen - allerdings nur für die Gemeinde Edling

Die Bahn bekommt für die Nachrüstung laut dem Sprecher keine Zuschüsse. Die Kosten würden zu gleichen Teilen zwischen Eigentümer der Schienen und der Straße und dem Bund aufgeteilt. Realisiert werden könne die Aufrüstung allerdings sowieso nur bei Zustimmung aller drei Beteiligten. Ein Termin für einen Runden Tisch, so erklärt Kölbl, sei bereits anberaumt

Sorgen und Ängste werden in Bälde angesprochen 

Kölbl versprach den besorgten Bürgern, er werde in dem baldigen Gespräch mit der Bahn und der Gemeinde Edling die fraglichen Punkte sowie Ängste und Sorgen der Bürger ansprechen - darunter der massive sichteinschränkende Haufen Gestrüpp an den Gleisen, die Reduzierung der Geschwindigkeit der Regionbahn von aktuell 80 km/h auf mindestens 30 km/h am Viehhausener Übergang und Hupen als akustisches Warnsignal des Zuges.  

Es bleibt also spannend, wie es mit der Schrankenalternative in Viehhausen weitergeht. Die technischen Voraussetzungen dafür, den Bahnübergang aufzurüsten, wären immerhin gegeben

mb

Quelle: wasserburg24.de

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