Stichwahl 2014 in Eiselfing

Ein Grüner wird Rathauschef in Eiselfing 

+
Georg Reinthaler mitsamt den ersten Gratulanten

Eiselfing – Die Frage war: Wer beerbt Bürgermeister Rupert Oberhuber? Jetzt steht fest, ein Grüner und Endzwanziger regiert die nächsten sechs Jahre. 

Die Erleichterung ist groß. Ein klares Ergebnis kam zustande. Georg Reinthaler freut sich sehr über den Zuspruch der Bürgerund dankt für das Vertrauen: „Es ist Wahnsinn“, beschreibt Reinthaler, dass ich mich so klar durchsetzen konnte“. In den nächsten vier Wochen werde er sich auf die neue Aufgabe vorbereiten und seine Masterarbeit abgeben. Danach freue er sich auf den neuen Lebensabschnitt, hieß es kurz nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse. Übrigens: "Auch als Bürgermeister bleibt mein Feuerwehrfunk an und liegt neben mir auf dem Schreibtisch im Rathaus. Ans Aufhören denke ich nicht im Traum", heißt es von Reinthaler.

Der gescheiterte CSU-Kandidat Peter Windmaier teilte auf Nachfrage mit, dass er zwar enttäuscht sei, doch er schaue jetzt nach vorne und freue sich auf die Aufgabe als Eiselfinger Gemeinderat. Dem frisch gewählten Bürgermeister gratuliere er recht herzlich. Auf die Frage, ob er denn mit seinem einstigen Konkurrenten während des Wahlkampfes zukünftig an einen Tisch sitzen könne, beispielsweise bei Gemeinderatssitzungen kam umgehend ein "Selbstverständlich" von Peter Windmaier: "Die Demokratie läuft so. Die Bürger haben entschieden. Mir ist es im Wahlkampf vor der Stichwahl nicht gelungen, aus dem bürgerlichen Lager Stimmen zu bekommen". 

Es ist amtlich. Der 29-jährige Georg Reinthaler hat die Stichwahl in Eiselfing für sich entschieden. Große Freude beim zukünftigen Bürgermeister, der gerade die Glückwünsche im Rathaus entgegennimmt. Enttäuschung wohl beim CSU-Kandidaten Peter Windmaier. Er kam bislang nicht persönlich in die Gemeindeverwaltung. Auch der scheidende Bürgermeister Rupert Oberhuber gratuliert seinem Nachfolger: „Ich stehe wann immer es gewünscht wird, gerne als Unterstützer zur Verfügung“.

Die Wahllokale haben geschlossen, die Auszählung beginnt. Stellt sich die Frage, wie groß das Interesse der Bürger an der Stichwahl in Eiselfing war?

Während vor zwei Wochen durchwegs bewölktes und regnerisches Wetter das Wählen in den Tag noch äußerst gut integrieren ließ, standen heute Menschenschlangen insbesondere vor den Eisdielen der Region. Weitere „Konkurrenz“ hatte die Stichwahl in Eiselfing auch mit dem Verkaufsoffenen Sonntag und dem dazugehörigen Markt in Wasserburg sowie den Veranstaltungen zur Saisoneröffnung im Automobilmuseum sowie dem Bauernhausmuseum in Amerang.

Die Wahlbeteiligung ist zum aktuellen Stand noch nicht zu definieren. In Kürze werden erste Ergebnisse und weitere Fakten bekannt. Auch die Kandidaten und der scheidende Bürgermeister Rupert Oberhuber warten bereits mit Spannung auf aktuelle Zahlen aus den Stimmbezirken. 

Eine Woche vor der Stichwahl:   

Am Wahlsonntag, den 30. März 2014, sehen Sie in diesem Artikel gegen 19 Uhr die Ergebnisse der Bürgermeister-Stichwahl.  Vorab haben wir beiden Kandidaten vor der Stichwahl drei Fragen gestellt.

Die Bürgermeisterkandidaten vor der Stichwahl:

1. Die Stichwahl ist eine Persönlichkeitswahl: Wo sehen Sie hier Unterschiede zwischen Ihnen und Ihrem Gegenkandidaten? 

Georg Reinthaler (Grüne): Durch mein Studium der Politikwissenschaft, die Berufserfahrung als freier Lokaljournalist und nicht zuletzt die bisherige Mitgliedschaft im Rosenheimer Kreistag verfüge ich über das notwendige Fachwissen sowie die für das anspruchsvolle Amt des Gemeindeoberhaupts erforderlichen Fähigkeiten. Zudem bin ich – im Gegensatz zu meinem Mitbewerber – fest in der Gemeinde Eiselfing verwurzelt, habe hier meinen Lebensmittelpunkt und engagiere mich seit vielen Jahren ehrenamtlich für meine Mitbürger. Ich kenne daher die Probleme in unserer Kommune sowie die anstehenden Herausforderungen und muss nicht erst mühsam einen Kontakt zu den Menschen in den einzelnen Ortsteilen aufbauen.

Peter Windmaier (CSU):  Der wesentliche Unterschied zwischen Herrn Reinthaler und mir ist die Lebens- und Berufserfahrung. Beides ist keine zwingende Voraussetzung für die Befähigung zum Bürgermeisteramt, schaden tut das aber keinesfalls. Ich führe seit über 15 Jahren einer lebhafte Anwaltskanzlei, seit einigen Jahren in Bürogemeinschaft und bin daher schon von Berufs wegen mit der Beilegung von Interessenkonflikten befasst oder, falls das nicht geht, dann eben mit der Interessensdurchsetzung. In dieser langjährigen Berufserfahrung sehe ich für mich einen Kompetenzvorsprung. Ein weiterer Unterschied liegt im Familienstand. Ich bin seit 20 Jahren verheiratet und habe drei Kinder. Zudem bin ich Kirchenverwaltungsmitglied.

2. Wo sehen Sie inhaltliche Differenzen bzgl. Ihrer politischen Ziele für die Gemeinde? 

Reinthaler: Für den dauerhaften Erhalt unseres Grund- und Mittelschulstandorts reicht es beispielsweise nicht aus, einfach nur die verstärkte Ausweisung von neuen Wohngebieten für junge Familien zu fordern. Vielmehr müssen eine entsprechende Infrastruktur mit einem barrierefreien Schulgebäude vorhanden sein, die Zusammenarbeit mit der Schulleitung und dem Elternbeirat gesucht und Verhandlungen über eine sinnvolle Neustrukturierung der bestehenden Schulverbünde geführt werden. Darüber hinaus möchte ich den jungen Menschen in unserer Gemeinde durch die Einführung eines Jugendparlaments mehr Mitsprache ermöglichen, Ortsteilversammlungen einführen und lokale Energiewendeprojekte mit den heimischen Betrieben umsetzen. Auf die Verkehrsbelastung muss zunächst mit kurzfristig realisierbaren Maßnahmen wie Querungshilfen und Tonnagebeschränkungen reagiert werden, anstatt leichtfertig nicht beziehungsweise kaum realisierbare Umgehungsstraßen in Aussicht zu stellen.

Windmaier: Ich halte die bedarfsgerechte Ausweisung von Gewerbegebieten nebst Infrastruktur hierzu (gegebenenfalls auch Straßenbau) für ein taugliches Mittel der Wirtschaftsförderung. Ich befürworte die Neuausweisung von Baugebieten, zumal dann, wenn damit ein Einheimischenmodell auf den Weg gebracht werden kann. Die Belange der Landwirtschaft sehe ich gleichwertig zu Naturschutzinteressen. Ich halte die Verkehrsbelastung in den Gemeindeteilen Bachmehring und Eiselfing für die Anlieger der Rosenheimer-, der Wasserburger- und der Dirneckerstraße für derart unzumutbar, dass auch weiterhin der Bau einer Entlastungsstraße im Zusammenwirken mit der Stadt Wasserburg eines der Hauptanliegen des neuen Bürgermeisters in Eiselfing sein muss.

3. Wie bewerten Sie Ihre Chancen nach der Wahl am 16. März? Hoffen Sie auf Unterstützung von anderen Listen/Parteien? 

Reinthaler:  In der ersten Runde haben mir mehr als 600 Wähler ihr Vertrauen ausgesprochen und ein eindeutiges Signal gesetzt. Sie wollen den von mir angekündigten Neustart mit frischen Ideen und einer langfristigen Zukunftsperspektive. Mit meinem auf Inhalte und Sachthemen fokussierten Wahlprogramm jenseits von Parteiideologien und verkrusteten Traditionen oder Strukturen möchte ich bei den Bürgern punkten und erhalte auf meinen Touren durch die Gemeinde sehr viele positive Rückmeldungen. Öffentliche Aussagen der übrigen politischen Gruppierungen bezüglich einer Unterstützung gibt es nicht. Ich hoffe aber, auch den Wählern der beiden im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Kandidaten nun die bessere, weil fachlich und persönlich qualifiziertere Alternative zu meinem Mitbewerber bieten zu können.

Windmaier: Zur Stichwahl am 30.03.2014 werden die Karten neu gemischt. Da am 16.03.2014 drei bürgerliche Kandidaten einem grünen Kandidaten gegenüberstanden, sehe ich jetzt für der Stichwahl Erfolgsaussichten. Dabei hoffe ich insbesondere auf die Unterstützung sowohl der Freien Wählergemeinschaft Eiselfing als auch der Unabhängigen Liste Gemeinde Eiselfing.

Zurück zur Übersicht: Eiselfing

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT