Politik und Wirtschaft feierte "Ohne GenTechnik"-Siegel in Eiselfing 

Aigner: "Für Gentechnikfrei mehr auszugeben lohnt sich" 

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Feierten zehn Jahre "Ohne GenTechnik"-Siegel in Eiselfing beim Hofcafé Dirnecker: Christoph Zimmer, Vorstandsmitglied des Verbandes Lebensmittel Ohne Gentechnik, die Bayerische Landtagspräsidentin und Siegel-Initiatorin Ilse Aigner sowie Florian Bauer, Geschäftsführer der Bauer-Gruppe und einer der ersten Siegelnutzer (von links).
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Eiselfing - 2009 wurde das "Ohne GenTechnik"-Siegel von Ilse Aigner als damalige Bundesministerin eingeführt. Zum zehnten Geburtstag folgte die Politikerin, die in der Region groß geworden ist, am 6. August der Einladung ins Hofcafé Dirnecker zwischen Eiselfing und Wasserburg - und zog Resümee. 

Es seien "turbulente Zeiten" gewesen, als das Siegel damals eingeführt wurde, erklärte die Präsidentin des bayerischen Landtags eingangs als sie einen Blick zurück auf die Anfänge warf: "Mit der 'Ohne Gentechnik'-Kennzeichnung haben wir 2009 eine große Informationslücke für die Verbraucher geschlossen. Wichtig war uns damals die Transparenz zu halten: Die Verbraucher müssen auch entscheiden können, was sie kaufen und für welche Produkte sie Geld ausgeben wollen. Das gilt natürlich auch für die Futtermittel. Triebfeder des Ganzen und meine persönliche Motivation, die mich damals antrieb, war die Sicht der Verbraucher: Was wähle ich letztendlich aus, wenn ich vor dem Regal stehe?

Florian Bauer (rechts) lebt die Firmenphilosophie, wie er selbst vor Christoph Zimmer und Ilse Aigner betonte. 

Auch wenn der Bezug zu der Frage, wo die Lebensmittel herkommen und welche Arbeit in der Produktion steckt, vorhanden sei, viele würden laut Aigner dennoch weiter nach dem Preis entscheiden. "Die müssen wir bisserl aufrütteln und dem Verbraucher die Botschaft vermitteln, dass es sich eben doch lohnt für Bauern und gentechnikfreie Produkte ein paar Cent mehr auszugeben. Wer dafür nicht bereit ist, der muss eben auch die Konsequenzen tragen." 

Bauer: "Essentiell auf Zug der gentechnikfreien Wirtschaft aufzuspringen" 

Christoph Zimmer, gelernter Landwirt und Kaufmann, ist Vorstandsmitglied des Verbands Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG). Für ihn ist klar: Aus Sicht von Politik, Wirtschaft und Verbraucherschutz ist das "Ohne GenTechnik"-Siegel ein "voller Erfolg"

"Dass wir inzwischen über 700 Mitglieder haben, ist mehr als eindrucksvoll und zeigt, dass wir uns auf den richtigen Weg gemacht haben. Der Verband deckt ein breites Spektrum der Land- und Ernährungswirtschaft ab - vom Direktvermarkter und kleinen Betrieben bis hin zu Großbetrieben wie die Molkerei Bauer in Wasserburg am Inn", betonte Zimmer und spannte damit den Bogen zur familienbetriebenen Molkerei mit Sitz in der Innstadt, die einer der ersten Siegelnutzer war.

"Die breite Zustimmung für das Siegel ist für mich eine Erfolgsgeschichte", betonte auch Geschäftsführer Florian Bauer. Ihm liege in erster Linie die Firmenphilosophie, hochwertige Produkte ganz natürlich herzustellen am Herzen. "Das wollen wir fortführen und dafür stehe ich mit meinem Namen. Für uns war es essentiell, auf den Zug der gentechnikfreien Wirtschaft aufzuspringen." 

Michael Münch, Geschäftsführer Produktion und Technik der Bauer-Gruppe, erläuterte: "Es gilt bei der Umstellung auf Gentechnikfrei aber auch den Landwirt abzuholen. Das geht alles nicht auf Knopfdruck und eine Umstellung bedeutet ganz klar einen Mehraufwand - dem muss man sich auch bewusst sein." 

Wo geht die Reise in Zukunft hin? 

VLOG-Vorstandsmitglied Christoph Zimmer. 

Erkennbar sei laut Bauer allerdings, dass das Siegel in Bayern höhere Aufmerksamkeit erzielt als beispielsweise im Norden Deutschlands, wo man mehr exportorientiert handle. Ziel sei es aber, das Kennzeichen "möglichst national und international zu präsentieren und die Aufmerksamkeit auch auf die Bauern zu lenken". Münch ergänzte, ein Zurück werde es definitiv nicht geben: "Die Frage ist vielmehr wo wir langfristig hinwollen. Wenn du Gutes tust, musst du darüber sprechen. Das hört sich einfacher an als es ist aber unsere Aufgabe ist, die Geschichte hinter den Produkten zu erzählen. Dabei müssen wir auch den Verbraucher verstehen und seine Wünsche erkennen." 

Zimmer betonte in Hinblick auf die Produktion gentechnikfreier Milch sei man bereits "sehr gut aufgestellt" - mit nahezu 100 Prozent. Auch bei der Eier-Produktion verbuche man gute Werte. "Düster sieht es hingegen bei den Schweinen aus, da werden bisher lediglich ein Prozent gentechnikfrei gehalten. Hier gibt es noch Nachholbedarf." 

Diskussionsrunde im Hofcafé Dirnecker: Michael Münch, Geschäftsführer Produktion und Technik der Bauer-Gruppe, Moderator Wolfgang Köhler, Landtagspräsidentin Ilse Aigner, VLOG-Vorstandsmitglied Christoph Zimmer, Geschäftsführer Florian Bauer (von links). 

mb

"Ohne GenTechnik"-Siegel: Hintergrund-Information vom Verband

69 Prozent der Deutschen bevorzugen Lebensmittel mit einer "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung

71 Prozent bewerten den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen zur Fütterung von Tieren – als Basis für Milch, Eier und Fleisch – als negativ. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG). 

Vor zehn Jahren wurde am 10. August 2009 das "Ohne GenTechnik"-Siegel in Deutschland von Ilse Aigner als damalige Bundesministerin eingeführt. Mittlerweile tragen mehr als 14.000 Lebensmittel in Deutschland diese Kennzeichnung - darunter rund 5.400 Milchprodukte, 4.100 Geflügelfleischwaren und fast 2.200 Eiererzeugnisse. 

Produkte mit "Ohne GenTechnik"-Siegel haben in 2018 einen Gesamt-Jahresumsatz von 7,7 Milliarden Euro erzielt. Für 2019 wird von Experten des VLOG ein Umsatz von 8,5 Milliarden Euro erwartet. Im Auftrag der Bundesregierung vergibt der VLOG für entsprechend hergestellte Lebensmittel die Lizenzen für das einheitliche Siegel "Ohne GenTechnik". 

Wahlfreiheit der Verbraucher wichtig

Als besonders wichtigen Aspekt der Kennzeichnung hat Ilse Aigner bereits Ende vergangenen Jahres die Wahlfreiheit der Verbraucher hervorgehoben und darauf hingewiesen, dass diese auch für Produkte gelten müsse, die mit den neuen gentechnischen Verfahren hergestellt seien. Auch Produkte der Neuen Gentechnik als Gentechnik regulieren.

Ilse Aigner ist vom "Ohne GenTechnik"-Siegel überzeugt. 

Die aktuelle Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, sieht dies scheinbar anders. Sie mache sich laut VLOG für die Änderung des EU-Gentechnikrechts stark, um Produkte der sogenannten Neuen Gentechnik nicht unter Gentechnikrecht fallen zu lassen. Dazu gehört auch die als "Gen-Schere" bekannt gewordene Technik CRISPR/Cas – eine molekularbiologische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern. 

"Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner darf sich nicht länger vor den Karren der Gentechnik-Lobbyisten spannen lassen. Sie muss die Verbraucher ernst nehmen, die jeden Tag mit glasklaren Kaufentscheidungen ihren Wunsch nach Gentechnikfreiheit zum Ausdruck bringen", unterstreicht VLOG-Vorstand Christoph Zimmer. "Auch Produkte der Neuen Gentechnik müssen nach Gentechnikrecht geprüft und gekennzeichnet werden. Das hohe Gut des Vorsorgeprinzips muss erhalten bleiben."

Das sehen auch Verbraucherschützer so. "Das 'Ohne GenTechnik'-Siegel gibt den Verbrauchern Macht – Macht mit jedem Einkauf zu entscheiden, ob der Anbau gentechnisch unveränderter Pflanzen gefördert wird oder nicht. Diese Wahlfreiheit gilt es zu erhalten, auch bei Produkten, die mithilfe neuer Gentechnikmethoden erzeugt wurden", fordert beispielsweise Anne Markwardt von der Verbraucherzentrale Bundesverband, dort Leiterin des Teams Lebensmittel im Geschäftsbereich Verbraucherpolitik.

Weiterhin große Lücken in der EU-Gentechnik-Kennzeichnung

Im Auftrag des VLOG hat das Meinungsforschungsunternehmen Civey insgesamt 2.500 Personen über 18 Jahre befragt. 82 Prozent wünschen sich Transparenz auf Lebensmitteln, wenn Milch, Eier und Fleisch mit gentechnisch veränderten Pflanzen im Tierfutter hergestellt wurden. 

Während die Verwendung von Gentechnik-Pflanzen in der Europäischen Union im Futtermittel deklariert werden muss, fehlt trotz der ablehnenden Haltung der Bevölkerung auf den damit hergestellten tierischen Lebensmitteln jeglicher Hinweis auf die Gentechnik. Verbraucher können so nicht erkennen, ob Produkte wie Milch, Fleisch oder Eier von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden. 

In der EU enthalten die meisten handelsüblichen Mischfuttermittel gentechnisch verändertes Sojaschrot. Damit schaffen es die Gentechnik-Pflanzen unbemerkt in immer mehr Supermarktregale. Und so wird der Verbraucher unfreiwillig zum Förderer des – als umweltschädlich erachteten – Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen.

Pressemitteilung Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG)

Quelle: wasserburg24.de

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