Georg Reinthaler

Ein grüner Atheist im Eiselfinger Rathaus?

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Der Blick aus dem Rathausfenster wäre schon mal toll
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Eiselfing – Eine große Neuerung steht an. Im Chefsessel des Rathauses sitzt zukünftig ein Grüner. Doch nicht genug damit: Georg Reinthaler ist mit seinen 29 Jahren der jüngste Bürgermeister im Landkreis und auch noch glaubensfrei.

Das Durchschnittsalter der Bürgermeister im Landkreis Rosenheim liegt bei 48 Jahren. Er ist mit gerade 29 der jüngste Bürgermeister im Landkreis Rosenheim. Georg Reinthaler ist überglücklich. Er freut sich auf seine neue Aufgabe.

„Kippt die Stimmung noch oder bleiben die positiven Meinungen zur eigenen Person?“ Das war einer der vielen Gedanken, die dem zukünftigen Bürgermeister von Eiselfing Georg Reinthaler kurz vor der Stichwahl enorm beschäftigten. Nun ist er erleichtert, dass er mit großem Vorsprung die Wahl für sich entscheiden konnte. Bereits vor der Wahl hat er sich im Interview mit unserer Redaktion darauf eingeschworen, dass es sicher nicht nur an der Zeitumstellung liegen werde, dass er die Nacht vor der Wahl nicht besonders gut schlafen könne.

Georg Reinthaler erhält viele Glückwünsche vom Ortsverband

Nach der endgültigen Bekanntgabe der Stimmenauszählung nahm er die vielen Glückwünsche entgegen, die ihm umgehend direkt am Rathaus angetragen wurden. Dennoch fand er sofort Zeit, um sich einige Fragen durch uns gefallen zu lassen:

Wasserburg24: „Herr Reinthaler, es ist amtlich. Sie werden Bürgermeister von Eiselfing. Bislang haben Sie Ihren Alltag ohne Mobiltelefon gestaltet. Wird die erste Handlung des neuen Rathauschefs nun der Gang in den Handyladen sein?“

Georg Reinthaler: „Ich denke fast, das lässt sich jetzt nicht mehr vermeiden. Aber ich werde meine Gedanken in den nächsten Wochen mal sammeln und mich dann womöglich für ein Handy entscheiden.“

Wasserburg24: „Die Parteigenossen des Gegenkandidaten haben mit einem provokanten Aushang versucht, etwas Stimmung zu machen“.

Georg Reinthaler: „Dass ich aus der Kirche ausgetreten bin, stimmt. Dies ist bereits ein ganzes Jahrzehnt her. Wer mich kennt oder darauf angesprochen hat, wusste, dass ich keiner Glaubensgemeinschaft angehöre. Viele Leute haben mich aufgrund der gezielt gestreuten Aussagen darauf angesprochen. Etliche Bürger waren tatsächlich beunruhigt, doch viele haben sich dann direkt an mich gewandt. Ich habe meinen Standpunkt erläutert, wie ich zu kirchlichen Themen stehe. Ich werde mich als Bürgermeister zum Beispiel stets um die Belange des katholischen Kindergartens kümmern, da wird sich nichts ändern.

Zum Glück haben sich die Leute davon auch nicht beirren lassen, sonst wäre das Ergebnis nicht so deutlich ausgefallen. Mich freut es sehr, dass diese „Kampagne“ gegen mich nicht gefruchtet hat. Die Eiselfinger sind schlau genug, dass sie sich von sowas nicht beeinflussen lassen.“

Wasserburg24: „Die Eiselfinger sind und bleiben aber durchaus gläubige Menschen. Können Sie garantieren, dass alle vom neuen Bürgermeister gut betreut werden?“

Georg Reinthaler: „Selbstverständlich. Allein durch meinen Feuerwehrdienst arbeite ich ja regelmäßig mit der Kirche zusammen. Bislang bin ich bei den Prozessionen nicht als Gläubiger mitgegangen sondern in der Einsatzjacke als Feuerwehrmann und habe die Straße abgesperrt. Letzte Woche war ich mit der Feuerwehr beim Kindergartentag. Auch mit dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden bin ich in Kontakt. Wir haben letzte Woche nochmal über dieses Thema gesprochen und waren uns einig, dass sich nichts ändern wird, selbst wenn jetzt dann ein Atheist im Rathaus sitzt.“

Wasserburg24: „Der Sessel des Bürgermeisters ist momentan blau. Wird der Stuhl jetzt ausgetauscht in einen Grünen?“

Georg Reinthaler: „Der Sessel wird mit Sicherheit grüner werden. Aber vor allem durch meine Amtsführung. Ich werde aber keine grüne Revolution von Eiselfing aus starten können und wollen, das ist unrealistisch. Da kann jeder beruhigt sein. Ich hab ja nicht einmal einen grünen Pulli“.

Wasserburg24: „Welcher Umbruch findet jetzt kurz vor Amtsantritt im eigenen Alltag statt?“

Georg Reinthaler: „Ich habe noch vier Wochen Zeit, um mich ein bisschen darauf vorzubereiten. Ich hab glücklicherweise frühzeitig mit meiner Masterarbeit angefangen, damit ich im jetzt eingetretenen Fall, zügig damit abschließen und diese abgeben kann. Das werde ich auch schon bald tun. Damit ist das Studium abgeschlossen. Gerade die ersten Wochen im Rathaus werde ich intensiv zur Einarbeitung nutzen. Auch wenn ich Politikwissenschaften und Soziologie studiert habe und Kreistagsmitglied bin, es ist wichtig, alle Belange der Gemeinde kennenzulernen“.

Wasserburg24: „Auf was freuen Sie sich am meisten?“

Georg Reinthaler: „Ich bin jemand, der gerne Verantwortung übernimmt. Soviel Verantwortung habe ich in meinem Leben bislang noch nie gehabt. Das ist eine große Herausforderung, und auf die freue ich mich. Plötzlich stehe ich noch mehr in der Öffentlichkeit. Als Gemeindeoberhaupt repräsentiere ich alle Bürger der Gemeinde. Auch wenn ich durch mein Alter noch nicht die riesen Lebenserfahrung habe, nehme ich das durchaus ernst. Ortsteilversammlungen und mehr Kontakt zu den Bürgern bleibt mein großes Vorhaben. Ich möchte wissen, was die Leute beschäftigt.“

Wasserburg24: „Vielen Dank für das Gespräch“.

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