Überwachung des Bio-Lebensmittel-Verbrauchs? *Mit Voting* 

Eiselfinger Landwirt: "Wer für Bienen unterschreibt soll auch Bio kaufen" 

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Rupert Reininger aus Eiselfing kritisiert, dass das Volksbegehren vor allem die Bauern in der Pflicht sieht und appelliert auch an die Allgemeinheit. 

Eiselfing - Mit einem nicht alltäglichen Antrag sahen sich die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung konfrontiert. Antragsteller Rupert Reininger erklärt die Hintergründe zu seiner Idee der "Bio-Lebensmittel-Kontrollen": 

Ausschlaggebend für Reininger, den "Antrag auf Einführung einer Verbraucher-Kontrollstelle zur Überwachung des Verbrauchs an Bio-Lebensmitteln" zu stellen sei das Volksbegehren zum Artenschutz gewesen, wie er im Gespräch mit wasserburg24.de erklärt. 


Nicht nur die Bauern, sondern auch die Verbraucher seien gefragt

Reiniger ist Gemeinderat für die ULGE (Unabhängige Liste der Gemeinde Eiselfing) und führt zuhause einen Grünlandbetrieb mit Milchviehhaltung. Am Volksbegehren, das inzwischen ein erfolgreiches und unerwartet hohes Ergebnis erzielt hat, kritisiert er in erster Linie, dass ein gesamtgesellschaftliches Problem auf die Landwirte abgestuft werde. "Wenn ich den Bauern gesetzlich vorschreibe, wie sie produzieren sollen, dann muss ich aber im Gegenzug auch kontrollieren, was die Verbraucher am Ende wirklich kaufen. Und das ginge beispielsweise mit Kontrollen für den Verkauf von Bio-Lebensmitteln, nach dem jeder Verbraucher einen Beleg für seinen Einkauf bekommt", unterstreicht Reininger seine Intuition. 

Bis 2030 solle die Bio-Landwirtschaft auf 30 Prozent erweitert werden: "Schön und gut - aber dann darf auch niemand mehr Kieswüsten in seinem Vorgarten anlegen oder in ein Flugzeug steigen. Wir alle sind gefragt, wenn es um eine Verbesserung und den Schutz der Umwelt und Natur geht", betont Reininger. "Wer bei dem Volksbegehren für die Bienen unterschreibt soll auch bewusst Bio-Lebensmittel einkaufen." 


Reiningers Argument: Jeder Landwirt müsse bei Kontrollen lückenlos nachweisen, woher seine Futtermittel kommen. Er persönlich verzichte auf Pestizide und versorge seine Tiere mit geprüftem EU-28-Futtermittel. Auch der Verbraucher könne durch Kaufbelege nachweisen, dass er nur heimische Bio-Lebensmittel im Wagen habe. Auch der Geschäftsführer des Bauernverbands Rosenheim, Josef Steingraber hatte im Gespräch mit rosenheim24.de betont, es müsse nicht nur die Zahl der Biobetriebe erhöht, sondern auch dafür gesorgt werden, dass die Bevölkerung mehr Bio-Lebensmittel kauft. 

"Keiner braucht Trauben aus Südafrika oder Kartoffeln aus Indien"

Dass sein Antrag auf die Kontrollen am Ende zu keiner Beschlussfassung im Eiselfinger Rat führte, weil der Verwaltungsaufwand für die kleine Gemeinde immens gewesen wäre, das habe Reining am Ende auch eingesehen. 

Er unterstreicht aber: "Mir geht es trotzdem darum, die Hintergründe präsent zu halten und die Leute ein wenig aufzurütteln. Sie sollen sich bewusst Gedanken machen, was genau sie einkaufen und woher die Lebensmittel stammen. Keiner braucht Trauben aus Südafrika oder Kartoffeln aus Indien, die sind außerdem meistens qualitativ minderwertiger als die regionalen Lebensmittel. Wenn jeder einen kleinen Teil dazu beiträgt und bewusster einkaufen geht, auf die Umstände der Herstellung und die Herkunftsländer achtet sowie den Augenmerk vermehrt auf Bio-Produkte aus der Region legt, erst dann sind wir auf dem richtigen Weg."

Eiselfing keine offizielle "Pestizidfreie Kommune" 

Was sagt Reining dazu, dass die sich Gemeinde Eiselfing in der jüngsten Sitzung des Rats am 12. Februar gegen den Titel "Pestizidfreie Kommune" entschieden hat? Kann ein Verzicht auf Pestizide auf freiwilliger Basis funktionieren? "Auf den kommunalen Flächen wird ja bereits größtenteils verzichtet - ich denke schon, dass die Mehrheit der Landwirte rund um Eiselfing ebenfalls gegen den Einsatz von Mitteln wie Glyphosat sind. Dennoch gibt es Unkrautsorten, die sich nur mit schwerwiegenden Giften bekämpfen lassen." 

Zwischen der Januar- und Februar-Sitzung des Rats habe es ein laut Reining Treffen der Eiselfinger Landwirte mit einer positiven Resonanz gegeben. Sie seien durchaus bereit, auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten. Damit könnte der kleine Ort im Wasserburger Altlandkreis wohl tatsächlich ohne Verbote und Grundsatzbeschlüsse zu einer pestizidfreien Gemeinde werden. 

Auch die Allgemeinheit und nicht nur die Bauern sollen in die Pflicht genommen werden ... 

mb

Quelle: wasserburg24.de

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