"Fall Oliver O.": Prozess gegen Schützen beginnt

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Kameraden begleiteten Oliver zur letzten Ruhe

Schnaitsee/Gera - Dem Bundeswehrsoldaten, der im vorigen Jahr in Afghanistan seinen Kameraden Oliver O. aus Schnaitsee erschossen hatte, wird ab Mittwoch der Prozess gemacht.

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Eine Kugel, aus nächster Nähe abgefeuert, hatte den Hauptgefreiten tödlich am Kopf getroffen. Besonders bitter: Den Schuss feuerte kein Taliban, sondern ein Kamerad ab. Ab heute soll das Landgericht Gera die Umstände der Tragödie klären.

Als Angeklagter steht heute der Obergefreite Patrick S. vor dem Richter. Dem Mann aus Thüringen wird vorgeworfen, mit seiner Dienstpistole auf den Kopf von Oliver O. gezielt und dann abgedrückt zu haben. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und Ungehorsam in besonders schwerem Fall. Der Schuss war kurz vor dem Weihnachtsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Afghanistan gefallen.

Oliver O. gehörte dem Gebirgsjägerbataillon 232 an, das in Bischofswiesen (Kreis Berchtesgadener Land) stationiert ist. Der gelernte Estrichleger hatte sich im Oktober 2009 für zwei Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, im September 2010 war er nach Afghanistan abkommandiert worden. Dort trat er - ebenso wie der Angeklagte aus dem Saale-Holzland-Kreis - seinen Dienst in der Provinz Baghlan nördlich der Hauptstadt Kabul an, wo das Regionale Wiederaufbauteam ein Feldlager aufgebaut hatte.

Der Waldhauser war gerade unbeschadet von einem gefährlichen Einsatz in den Posten zurückgekehrt, als das Unglück passierte.

Ein Gutachten hatte laut Angaben der Anklage einen technischen Defekt der Waffe ausgeschlossen. Im Vorfeld des Prozesses wurde berichtet, der 21-jährige Angeklagte und ein weiterer Soldat hätten in einem Zelt mit ihren Schusswaffen herumgespielt und dabei auch den Lauf der Waffen aufeinander gerichtet. Als Oliver O. ins Zelt kam und neben dem anderen Soldaten stehen blieb, soll Patrick S. den Lauf auf den Waldhauser gerichtet und den Abzug der Waffe betätigt haben.

Der Schütze war wohl davon ausgegangen, dass seine Dienstpistole - eine Heckler & Koch P8 - nur teilgeladen, nicht aber fertiggeladen war. Als teilgeladen gilt eine Waffe, wenn das Magazin eingesetzt, die Kugel aber noch nicht im Lauf ist. Bis 5. Oktober sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Gehört werden neben Zeugen auch die Feldjäger, die in Afghanistan ermittelt haben, sowie ein Waffen-Sachverständiger. Es gilt als wahrscheinlich, dass Patrick S. mit einer Bewährungsstrafe davonkommt - so wie sie bei fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr üblich ist. Der Prozess stößt nach Angaben von Peter Granderath, Präsident des Landgerichts Gera, bundesweit auf großes Interesse.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: chiemgau24.de

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