Griesstätter Bürgermeister steht für Baumfällung an BayWa gerade

"Die Schutzzeit für brütende Vögel war für mich Neuland" 

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Für Bürgermeister Robert Aßmus war die Fällung der Linden am BayWa-Gelände keine "Nacht- und Nebelaktion". 
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Griesstätt - Gefällte Bäume erhitzen die Gemüter. Der jüngste Fall ereignete sich in Griesstätt. Am Zaun des Baywa-Technikzentrums fielen Linden der Säge zum Opfer. Die Kritik an der Sache: Die Fällaktion geschah während der geschützten Vogelbrutzeit und da gelten strenge Regeln. 

Große Aufregung herrschte zuletzt um die Fällaktion der rund 20 Jahre alten Lindenbäume am südlichen Ortseingang von Griesstätt direkt neben dem Kreisverkehr am Baywa-Gelände

Der Grund, warum die Bäume gefällt werden mussten, war eine durch die stattlichen Linden beeinträchtigte Sicht für Traktoren und Lkw, die beim Rangieren auf das Gelände der Baywa schon mehrfach beinahe Ursache für Unfälle geworden wäre.

Ausnahmen bestätigen die Regel   

In erster Linie ging es bei der Kritik um missachtete Regeln zum Vogelschutz, denn die Schutzzeit für brütende Vögel startet bereits am 1. März. Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes setzt sich für den allgemeinen Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen ein. Deshalb sind Baumfällungen und Heckenrodungen in der Zeit vom 1. März bis 30. September verboten, um die Gehölze als Lebensraum und Niststätten für Vögel zu erhalten. 

Auch wenn das Gesetz einige Ausnahmen vorsieht, Tücken bleiben. So sind zum Beispiel Privatgrundstücke wie Gärten und Sportplätze von der Regelung ausgenommen - dort sind Fällungen auch während der Vogelbrutzeit erlaubt. Ein schonender Form- und Pflegeschnitt bei Hecken und anderen beschnittenen Gehölzen ist ebenfalls möglich, wenn nur der Jahreszuwachs entfernt wird. Jederzeit erlaubt ist die Fällung von Gefahrenbäumen.

Selbst wenn in manchem Fall Gehölzarbeiten zur Vogelbrutzeit prinzipiell zulässig sind gelten weiter die Baumschutzverordnungen der jeweiligen Stadt oder Gemeinde sowie der Besondere Artenschutz, der die Zerstörung vorhandener, aktuell benutzter Nester und Baumhöhlen verbietet und generell die Störung von Vögeln während der Brutzeit.

Konsequenzen bei Nichtbeachtung: 

Zwei Wege können von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde eingeschlagen werden, wenn Bäume im artschutzrechtlichen Zeitraum der Säge zum Opfer fallen. 

Michael Fischer, Pressesprecher des Rosenheimer Landratsamts erklärt dazu: "Zum einen kann eine Anhörung stattfinden, bei der diejenigen, die für die Fällung die Verantwortung übernehmen, begründen müssen, warum sie das getan haben. In dem Fall kann dann auch ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden. Die zweite Möglichkeit fokussiert, durch Ersatzpflanzungen den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen." 

"So ein Fehler passiert mir nicht mehr" 

Eine Regel, die Griesstätts Bürgermeister Robert Aßmus jetzt schmerzlich lernen musste: "Mir war diese Sperrzeit bis dato nicht bekannt - sonst hätte ich mit den Verantwortlichen der Baywa, auf deren Grund die Linden standen, schon geredet. Als Bürgermeister muss man über viel Bescheid wissen, die Schutzzeit für brütende Vögel aber war für mich Neuland. Das hat sich nun seit der Fällaktion bei der Baywa bei mir eingebrannt - so ein Fehler passiert mir nicht mehr."

Hier standen bis vor Kurzem noch stattliche Lindenbäume. Nachpflanzungen soll es geben. 

Der Unteren Naturschutzbehörde als das für Baumfällungen zuständige Amt habe Aßmus zugesichert, dass es Ersatzpflanzungen in Form von Zierbirnen geben werde. Diese sollen jedoch erst im Herbst gepflanzt werden. Im Fall eines erneut heißen Sommers würde ein spätere Zeitpunkt den neuen Bäumen besser bekommen. Dabei soll es sich laut dem Bürgermeister um Bäume handeln, die bereits eine Größe von rund vier Metern haben. Außerdem sollen mindestens so viele Bäume nachgepflanzt werden wie gefällt wurden.  

mb

Quelle: wasserburg24.de

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