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Nach Busunfall von Rechtmehring

Kind verunglückt: Wer gibt Bescheid und was können Eltern tun?

Das Kriseninterventionsteam der Johanniter betreut Menschen unmittelbar nach emotional stark belastenden Erlebnissen und leistet psychosoziale Akuthilfe, beispielsweise für Angehörige nach einem plötzlichen Todesfall, Opfer einer Gewalttat oder Augenzeugen eines schockierenden Ereignisses.
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Das Kriseninterventionsteam der Johanniter betreut Menschen unmittelbar nach emotional stark belastenden Erlebnissen und leistet psychosoziale Akuthilfe, beispielsweise für Angehörige nach einem plötzlichen Todesfall, Opfer einer Gewalttat oder Augenzeugen eines schockierenden Ereignisses.

Der schlimmste Alptraum: Das eigene Kind verunglückt schwer, man selbst ist ganz woanders und ahnt noch nichts. Doch dann kümmern sich Profis.

Rechtmehring/Wasserburg - Wenn ein Kind in Not gerät, dann ist das immer schlimm. Besonders dramatisch wird es jedoch für die meisten Eltern, wenn ihr Kind schwer verletzt wird und sie selbst nicht dabei sind. Solch ein Unglück geschah am 28. November in Rechtmehring, als ein neunjähriger Bub auf seinem Heimweg von der Schule schwer verletzt wurde. Seine Mutter, die ihren Namen nicht in der Presse lesen möchte, sprach mit uns über dieses schlimme Ereignis.

„Da macht man sich jede Menge Gedanken, in schlaflosen Nächten nach dem Unfall“, beschreibt sie. Zum Glück ist ihr Sohn ein Kämpfer. Es geht ihm jeden Tag ein wenig besser, freut sie sich, aber manche Frage zum Unfallhergang bleibt trotzdem unbeantwortet. „Hätte ich im Vorfeld irgendetwas tun können, dass man mich schneller hätte erreichen können, nachdem der Unfall geschehen war“, fragt sich die Mutter beispielsweise, die am Tag des Unfalls nichts ahnend zuhause auf ihr Kind wartete.

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Rettungsdienstler erleben immer wieder Notsituationen, bei denen keine Angehörigen des Patienten dabei sind, schildert Gerhard Bieber, Pressesprecher der Johanniter, im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie würden sich allerdings nur in ganz seltenen Fällen um die Benachrichtigung von Eltern oder Partnern kümmern - „eigentlich nur, wenn wir nicht wissen, warum der Patient, um den es gerade geht, nicht ansprechbar ist. Dann wollen wir schon so schnell wie möglich Vorerkrankungen oder Allergien bei Bezugspersonen abfragen“, so Bieber. In allererster Linie seien Sanitäter und Ärzte in Notfallsituationen für das Wohl des Patienten da, erklärt er weiter. „Verstehen Sie mich nicht falsch“, macht er deutlich, „ aber für die Rettungskräfte ist es natürlich einfacher, sich auf einen Patienten zu konzentrieren, wenn nicht noch Eltern im Schockzustand dazukommen, um die man sich auch noch kümmern muss.“ Die Benachrichtigung der Angehörigen sei außerdem Aufgabe der Polizei, macht er deutlich.

Das bestätigt auch Markus Steinmaßl,  Leiter der Polizeiinspektion Wasserburg. Er erklärt, dass die Angehörigenverständigung „eine sehr eilige Sache mit höchster Prioritätsstufe“ sei. Zunächst werde die Identität des Unfallopfers zweifelsfrei ermittelt. Dazu kann der Schulranzen untersucht werden, in dem sich manchmal wichtige Hinweise befinden, oder auch ein Portemonnaie, das der Verunfallte bei sich trägt. „Im Idealfall findet man dort einen Ausweis oder Scheckkarten, die dann weitere Hinweise auf die Person geben“, so Steinmaßl. Bei einem Unfall auf dem Schulweg können Schulkameraden meist zumindest den Namen nennen. Ein großer Adressaufkleber im Schulranzen helfe natürlich auch, die Identität zu ermitteln.

Ist die Adresse gefunden, dann werden unverzüglich die Angehörigen verständigt. „Wir möchten nicht, dass die Eltern ihre Kinder im Internet auf Unfallfotos entdecken“, macht der Polizeichef deutlich. Hat das Kind schwere Verletzungen, macht sich eine Streife auf den Weg zu den nächsten Angehörigen, manchmal vorsichtshalber in Begleitung des Kriseninterventionsteams, um den Eltern gleich beistehen zu können. Bei leichten Verletzungen des Patienten würde die Benachrichtigung der Eltern auch mal telefonisch durchgeführt, so Steinmaßl.

Ralph Bernatzky, Leiter der Johanniter Krisenintervention Rosenheim, kennt solche traumatischen Situationen. Sein Team ist dafür ausgebildet, Menschen unmittelbar nach emotional stark belastenden Erlebnissen beizustehen. Das KID leistet psychosoziale Akuthilfe, beispielsweise für Angehörige nach einem plötzlichen Todesfall, Opfer einer Gewalttat oder Augenzeugen eines schockierenden Ereignisses. „Zunächst versuchen wir, den Angehörigen gesicherte Informationen verständlich mitzuteilen, damit sie erstmal wissen, was passiert ist“, beschreibt Bernatzky seine Vorgehensweise. Das Team diene dabei manchmal auch als Übersetzer der medizinischen Fachausdrücke in der Klinik. Das primäre Ziel aber sei, „bei den Betroffenen die eigene Handlungsfähigkeit wieder herzustellen, soziale Kontakte zu aktivieren und die Betreuten in die Selbstständigkeit zurückzuführen“, berichtet er weiter. Wichtig: Mögliche offene Fragen des Betreuten sollten beantwortet werden, so Bernatzky. Hätte die Person beispielsweise nichts tun können, um den Unfall zu vermeiden, sei es wichtig, ihr das klar zu machen.

Gerade Kinder, so glaubt er, könne und solle man nicht Tag und Nacht überwachen, „sondern sie ganz pragmatisch zur Selbstständigkeit erziehen.“ Und man solle sie mit einfachen, aber deutlichen Worten immer wieder auf mögliche Gefahren aufmerksam machen.

Weitere Hilfe geben Beratungsstellen und Gesprächsgruppen

Und wenn sich im Nachgang zu so einer schwierigen Situation für die Angehörigen noch weitere Fragen auftun, dann können sie sich auch immer bei der Polizei nach niederschwelligen Hilfsangeboten erkundigen. Dort gibt es Telefonnummern von Beratungsstellen oder Gesprächsgruppen mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, gibt Bernatzky mit auf den Weg.

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