Hoffnung auf weniger Autos *Mit Voting*

Chancen "enorm"? Grüne wollen wieder Bahnverkehr auf Strecke Endorf-Obing

+
Von links: Dr. Frank Matthias Ludwig, Eduard Huber, Gisela Sengl, Steffi König, Christian Schunk, Ulla Zeitlmann, Manfred Jäger und weitere Mitstreiter. 
  • schließen

Bad Endorf/Obing - Die Chiemgauer Lokalbahn fährt bisher nur an Sonn- oder Feiertagen. Die Landratskandidatinnen der Grünen sprachen sich nun aber dafür aus, die Bahn wieder regelmäßig einzusetzen. 

Über 50 Jahre ist es inzwischen her, dass es zwischen Bad Endorf und Obing einen regelmäßigen Personenzugverkehr gab. Die heimischen Grünen - allen voran die beiden Landratskandidatinnen Gisela Sengl für Traunstein und Ulla Zeitlmann für Rosenheim - wollen das aber wieder ändern. Nach einem Treffen mit Eisenbahnexperten und Vertretern der "Chiemgauer Lokalbahn" sprachen sie sich nun für eine Reaktivierung der Strecke aus.

Lokalbahn könnte Bad Endorfs Straßen entlasten

"Gerade in Zeiten des Klimawandels braucht es einen starken öffentlichen Nahverkehr, auch auf kleineren Gleisen", so Ulla Zeitlmann, die März 2020 für die Grünen als Rosenheimer Landrätin gewählt werden will. Bad Endorf Bürgermeisterkandidat Eduard Huber ergänzte: "Die Chancen für die Kommunen sind enorm. Gerade Bad Endorf erstickt an Verkehr, auch durch Pendler aus den Gemeinden Halfing, Pittenhart oder Obing, die in Endorf einen Anschluss an die Strecke München-Salzburg suchen." Durch die Lokalbahn hätte man weniger Pendlerverkehr im Ort und könne sich die Planungen für ein Parkhaus am Bahnhof sparen.

Ein solcher Schienenbus fährt zwischen Bad Endorf und Obing. 

Der Vorstand der Lokalbahn, Dr. Frank Matthias Ludwig, wies jedoch auch auf die Schwierigkeiten eines solchen Vorhabens hin. "Anders als in allen anderen Bundesländern fehlt Bayern ein Landeseisenbahnfinanzierungsgesetz, das dem Staat erlaubt, private Bahnen finanziell mit dem Staatskonzern DB gleichzustellen. Das Fehlen eines solchen Gesetzes, schafft für die Betreiber kleiner Bahnstrecken einen enormen Wettbewerbsnachteil – faktisch verhindert das Fehlen eines solchen Gesetzes, dass in Bayern kleine Strecken überhaupt zu neuem Leben erwachen können."

Auch Pittenharter Gemeinderat für Reaktivierung

Die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl sieht deshalb zuallererst den bayerischen Gesetzgeber in der Pflicht: "Die Landesregierung muss nun ernsthaft die rechtlichen Möglichkeiten schaffen, um auch Nebenstrecken wieder befahrbar zu machen. Nur so kann sie den öffentlichen Nahverkehr in den Regionen stärken." Trotzdem könnten nach den Kommunalwahlen mit stärkeren Mehrheiten in den Gremien Reaktivierungsprojekte wie Obing-Bad Endorf oder in Wasserburg wieder aufgenommen werden. Auch der Pittenharter Gemeinderat sprach sich jüngst für eine Reaktivierung der Strecke aus.

Die Lokalbahn zwischen Bad Endorf und Obing hält in Amerang und Halfing, bei Bedarf auch in Pittenhart und Aindorf. Eine Fahrt dauert mit dem alten Schienenbus 45 Minuten. Gefahren wird aktuell nur an Sonn- und Feiertagen, viermal von Bad Endorf nach Obing und retour.

Bis 1996 auch noch Güterverkehr

Die Strecke wurde 1908 in Betrieb genommen. Genutzt wurde sie hauptsächlich für den Torfstich bei Pittenhart sowie von Ausflüglern und der heimischen Bevölkerung. Der Personenverkehr wurde 1968 eingestellt. 1996 war auch mit dem noch verbleibenden, bescheidenen Güterverkehr Schluss. Für einen Obinger Schrotthändler wurde die Strecke damals noch betriebsbereit gehalten. Ab 2004 wurde die Strecke dann von Verein "Chiemgauer Lokalbahn" wieder Schritt für Schritt in Betrieb genommen. 

Pressemitteilung Grüne Bad Endorf/xe

Zurück zur Übersicht: Obing

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT