Gemeinderat Ramerberg

(K)ein Ersatz für den Obersendlinger Weg in Ramerberg

Die gelbe Linie zeigt die Strecke, die die Gemeinde Ramerberg als neuen Fuß- und Radweg ausbauen will. VR Rott
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Die gelbe Linie zeigt die Strecke, die die Gemeinde Ramerberg als neuen Fuß- und Radweg ausbauen will.

Der Obersendlinger Weg in Ramerberg hat ausgedient. Mit acht zu fünf Stimmen beschloss der Gemeinderat, ihn einzuziehen, sobald ein neu zu bauender Geh- und Radweg an der Kreisstraße RO 43 für den Verkehr freigegeben wird. Ist das wirklich ein Ersatz, fragte mancher Gemeinderat.

Ramerberg– Zur Vorgeschichte: Im September vergangenen Jahres leitete das Gremium ein sogenanntes Einziehungsverfahren ein. Im Rahmen einer Auslegung sollte geklärt werden, ob der Obersendlinger Weg, der von Sendling zum Ramerberger Bahnhof führt, noch eine öffentliche Verkehrsbedeutung besitzt.

Rechtsanwalt Sebastian Heidorn erklärte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, dass ein Einziehungsverfahren nur durchgeführt werden kann, wenn der Weg keine Bedeutung mehr besitzt oder wenn ein Ersatz für den bestehenden Weg mit Bedeutung geschaffen wird. Der Obersendlinger Weg aber habe für manche Menschen in Ramerberg eine Wertigkeit, das zeigten die Stellungnahmen der Bürger zum Einziehungsverfahren und das bekräftigte Heidorn auch im Gemeinderat.

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Die Gemeinde Ramerberg beabsichtigt deshalb, – quasi als Ersatz – entlang der Kreisstraße RO 43 zwischen dem Hauptort Ramerberg und dem Ortsteil Steingassen einen befestigten Geh- und Radweg anzulegen. Mit dem Grundstückseigentümer der benötigten Flächen bestehe diesbezüglich bereits Einigkeit. Die Haushaltsmittel ständen bereit, so war in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu hören.

Dieser Weg soll mit Errichtung die Funktion einer Verbindung der Ortsteile Steingassen und des Hauptortes übernehmen und in erster Linie von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden, hieß es weiter.

„Das ist kein Ersatz“, monierte Konrad Fuchs (NRL/FWG) sofort. „Der Weg endet in Anger, das ist doch ein Schildbürgerstreich. Dort gibt es keine Verkehrssicherheit zum Bahnhof“, ärgerte er sich und fragte nach: „Wenn ein Ersatzweg geschaffen werden muss, heißt das doch im Umkehrschluss, dass der ursprüngliche Weg eine Bedeutung hat. Warum wird er dann nicht ausgebaut?“

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Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR) ergänzte, dass unter dem neuen Weg auch die neue Wasserleitung verlaufen würde. Da würden Baukosten gespart. Das sah auch Magnus Steinmüller (UWR) so.

Um von Anger zum Ramerberger Bahnhof zu kommen, muss ein „gefährliches Stück Straße“ überwunden werden, fürchten einige Gemeinderäte in Ramerberg.

Petra Hölzle (NRL/FWG) fragte noch einmal: „Was mache ich in Anger, wenn ich zur Bahn will?“ Sie betonte, dass das fehlende Stück zwischen Anger und Bahnhof gefährlich für Fußgänger und Radfahrer sei. Eventuell könne sie sich eine Lösung vorstellen, bei der man unter der Bahn durchgehen könnte, um zum Bahnhof zu gelangen.

Stefan Kurfer (NRL/FWG) stimmte ihr zu: „Das letzte Teilstück fehlt hier noch. Dem Planungsstand jetzt kann ich nicht zustimmen“, kündigte er an.

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Andreas Ullmann wollte wissen, ob 1,50 Meter Breite für den neuen Weg nicht zu wenig seien – besonders bei Gegenverkehr mit dem Fahrrad? Reithmeier erklärte: „Wir kriegen hier nicht mehr Grund und laut Polizei sind 1,50 Meter ausreichend.“

Das Nadelöhr in Anger sah auch Steinmüller als gegeben. Vielleicht könne man an dieser Stelle gemeinsam mit dem Landratsamt zu einer Lösung kommen. Jürgen Zott (UWR) hielt den neuen Weg für die kostengünstigste Variante einer Verbindung: „Vier Eigentümer etwas Grund abzukaufen, kostet viel mehr als die 50.000 Euro für den Weg bis Anger. Und wenn der Weg fertig ist, geht vielleicht auch was mit Bahn.“

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Fabian Tretter (UWR) erklärte: „Man kommt auch von dem neuen Weg zum Bahnhof, wenn man sich bemüht. Der alte war doch nur eine nasse Pfütze, über die die Leute drüber gelaufen sind.“ Maximilian Jarolijmek (NRL/FWG) sah ebenfalls in dem „gelben“ Weg die finanziell günstigere Lösung und stellte in Aussicht: „Wenn man an der Engstelle Anger gute Ideen hätte, könnte man daran feilen.“

Kleine Bedeutung mit großer Wirkung

Interessierte Bürger konnten sich in dem Verfahren dazu äußern, ob und wie sie den Weg nutzen. 155 gleichlautende Stellungnahmen der BI Pro-Obersendlinger Weg gingen bei der Verwaltung ein, sowie 47 weitere Stellungnahmen, welche für den Erhalt des Weges sprachen. Gleichzeitig trafen in der Gemeinde 127 Stellungnahmen ein, die für die Einziehung des Weges waren.

Schlussendlich, so die Verwaltung weiter, geht es im Einziehungsverfahren nicht darum, die Anzahl der Für- und Widerstimmen gegeneinander abzuwägen. Im Einziehungsverfahren werde lediglich geprüft, ob der Weg eine objektive Verkehrsbedeutung aufweise.

Eine solche Verkehrsbedeutung sei dem Obersendlinger Weg wohl zuzugestehen, wenn auch nur in geringem Maße. Für die Aufrechterhaltung der Widmung genüge dies, stellte Rechtsanwalt Sebastian Heidorn klar.

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