Kiesabbau: Betreiber äußert sich zu Bürgerbedenken *Mit Voting* 

"In Ramerberg wachsen keine Tschernobyl-Schwammerl"

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Die Bagger stehen still in Oberkatzbach. Vorerst gibt es keine weitern Arbeiten zur geplanten Kiesgrube. 
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Ramerberg - Kiesabbau-Projekte scheinen die Gesellschaft zu spalten - vor allem Anwohner sorgen sich vor Lärm- und Staubbelastungen. Warum Kiesgruben dennoch unabdingbar und die Bedenken oft unbegründet sind, erklärt Felix Wühr von der Tiefbau-Firma in Ramerberg. 

Felix Wühr ist Antragsteller der 9.000 Quadratmeter großen Abbaufläche in Oberkatzbach im Gemeindegebiet von Ramerberg. Einer Anwohnerin eines Einfamilienhauses in der Nähe der Fläche zufolge gebe es Probleme in punkto Grundwasser, sie hat gegen den Genehmigungsbescheid des Rosenheimer Landratsamts vom August 2018 ein Veto eingelegt. Bis die Klage nun vom Verwaltungsgericht München bearbeitet ist, ruhen die Arbeiten in Oberkatzbach. 

Für Felix Wühr von der gleichnamigen Firma Michael Wühr GmbH ein Ärgernis, denn er kann den Wirbel um die knapp ein Hektar große Fläche nicht nachvollziehen: "Das Wasserwirtschaftsamt hat in zwei Gutachten das Anliegen der Anwohnerin geprüft und die Bedenken eindeutig widerlegt. Es gibt keinen Grund, dass das Grundwasser durch den Abbau beeinträchtigt wird. Deshalb wurde der Bescheid zum Abbau vom Landratsamt auch erteilt." 

Zudem liege das Haus der Dame unterhalb des Berges und die geplante Kiesgrube - aktuell laufen dort nur oberflächliche Humusarbeiten - oben in Katzbach 2. Des Weiteren seien Haus und Kiesabbaufläche von den Gleisen der Mühldorf-Rosenheim-Bahnlinie getrennt. 

"Zu den umliegenden Landwirten haben wir einen guten Draht, da rebelliert niemand gegen das Projekt", hebt Wühr hervor und fügt hinzu, dass auch der zuständige Jagdleiter in Ramerberg keinen Einspruch dagegen eingelegt habe, "im Gegenteil, er befürwortet es sogar, dass sich hier ein neuer Lebensraum für Tiere entwickeln kann". 

Die Fläche in Oberkatzbach, auf der künftig Kies abgebaut werden soll. 

Wie in vielen Bereichen des heutigen Lebensstandards setzt auch Wühr auf Regionalität - deshalb beabsichtigt er, in der Heimatgemeinde Kies abzubauen: "Kies brauchen alle - für jedes noch so kleine Bauvorhaben wird Kies benötigt. Das Schlimme für die Baustellen im Landkreis Rosenheim ist, dass Kies aus München hergefahren werden muss, weil es bei uns zu wenig Kiesgruben gibt und die die noch übrig bleiben in unserer Region sind für viele zu teuer. Das ist sowohl ökologisch und auch ökonomisch ein Wahnsinn.  

Ursprünglich hätte es in zwei bis drei Wochen los gehen sollen mit dem Abbau - nun ist dern Baubeginn allerdings abhängig von der Schnelligkeit des Verfahrens am Verwaltungsgericht. "Eine Kiesgrube zu betreiben ist immer mit viel Arbeit und Kosten verbunden. Wenn weiter Zeit verstreicht, die wir nicht nutzen können, sprechen wir bei einem Ankauf von außerhalb von Mehrkosten von 30.000 bis 50.000 Euro auf den Jahresbedarf gerechnet", schätzt Wühr nüchtern. 

"Keiner will sie vor der Haustüre haben" 

Dass viele Leute gegen Kiesabbauprojekte rebellieren - wie in Kornberg bei Attel oder Dörfl bei Gars am Inn - ist für Wühr unverständlich. Er hebt die Bedeutung von Kiesgruben hervor: "Wenn der Kies hier nicht abgebaut wird, dann anderswo. Vielen ist nicht bewusst, dass Kiesabbau bei uns privilegiert ist." Mitunter aus diesem Grund möchte die Gemeinde Seeon-Seebruck im Nachbarlandkreis Traunstein sogenannte Konzentrationszonen schaffen und den geplanten Kiesabbau im Bereich Seeon gezielt steuern.

"Das ist das Gleiche wie bei der Debatte um die Realisierung von Deponien - die braucht auch jeder aber keiner will sie vor der Haustür haben. Staub, Lärm oder Probleme bei der Wiederverfüllung - das sind häufig unbegründete Bedenken der Bürger", ist sich Wühr sicher, zumal seine Grube eine "Z0"-Erlaubnis habe, was vollkommen unbedenkliche Stoffe einschließe. Wühr betont abschließend: "In Ramerberg wachsen keine Tschernobyl-Schwammerl."

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mb

Quelle: wasserburg24.de

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