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Chlorung bis mindestens 2022

Schlechtes Wassernetz: Ramerberg verzweifelt am Sanierungsstau

Einfach mal den Hydranten aufdrehen, um einen Brand zu löschen? In Ramerberg ist das keine Selbstverständlichkeit.
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Einfach mal den Hydranten aufdrehen, um einen Brand zu löschen? In Ramerberg ist das keine Selbstverständlichkeit.

Das Rohrnetz von Ramerberg befindet sich in einem schlechten Zustand. Wie schlecht wurde in der Sondersitzung des Gemeinderats deutlich. Totleitungen, Lecks, zu wenig Armaturen: Und das ist nur ein Bruchteil der aufgeführten Mängel.

Ramerberg – Eine schlechte Nachricht nach der anderen hatte Bernhard Höpfinger, Geschäftsleiter der Firma Höpfinger, für den Gemeinderat Ramerberg in der Sondersitzung zum Thema „Wasser“. Kaputte Schieber, die schlechte Versorgung mit Löschwasser, alte, leckende Hydranten, zu wenig verbaute Armaturen. All das führt Höpfinger zu einem niederschmetternden Fazit: „Das gesamte Netz in Ramerberg ist in einem schlechten Zustand“.

Schadensrate von 30 bis 44 Prozent

Ab einer Schadensrate von 7,5 Prozent werde dieses Urteil gesprochen, in Ramerberg liege die Rate bei 30 bis 44 Prozent, je nachdem, ob die nicht überprüften Schieber und Hydranten mit eingerechnet würden.

Planänderungen nicht eingetragen

Und von diesen gibt es einige. „Das, was wir gemacht haben, ist eigentlich eine halb fertige Rohrnetzprüfung“, erklärt Höpfinger. Denn viele Schieber befänden sich auf Privatgrund, eine Überprüfung hätte den gegebenen Zeitrahmen und die Kosten gesprengt. Einige konnten aber auch einfach nicht gefunden werden. Denn das Geoinformationssystem (GIS) für die Rohrleitungen in Ramerberg sei nicht auf dem neuesten Stand.

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Im Jahr 2012 war es für die Gemeinde angelegt worden, ebenfalls von Höpfinger. Seitdem gab es aber keine Eintragung von Planänderungen. Normalerweise, wie Höpfinger auf Anfrage von Bernd Stawiarski und Konrad Fuchs (beide NRL/FWR) erklärt, sammle der Wasserwart der Gemeinde alle Planänderungen. Etwa einmal im Jahr würden diese Daten dann an sein Unternehmen übermittelt werden, mit dem Auftrag, diese in das GIS einzupflegen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir damit je beauftragt wurden“, sagt Höpfinger.

Entsprechend musste bei dieser Rohrnetzprüfung mit veralteten Daten gearbeitet werden, weshalb die Leitungen zum Teil gar nicht gefunden wurden. „Ich appelliere an Sie, das aufzuzeichnen“, meint Höpfinger gegenüber den Ratsmitgliedern, ansonsten koste eine Überprüfung viel Geld.

Totleitungen sorgen für Verkeimung

Immerhin, ein weiterer Grund für die Verkeimung in Ramerberg konnte gefunden werden. Totleitungen, in denen das alte Wasser steht, sind dafür laut Fachmann verantwortlich. Zwölf Stück wurden festgestellt, dass es mehr sind, sei durchaus möglich, wie Höpfinger auf Nachfrage von Fabian Tretter (UWR) bestätigt.

Ein Ende der Chlorung für die Häuser östlich der Bahnstrecke ist deshalb für dieses Jahr nicht in Sicht. Zum einen drückt eine Totleitung altes Wasser in den Hochbehälter in Eich, zum anderen ist dieser marode. „Das Gesundheitsamt hat die klare Ansage gemacht, solange der Behälter in Betrieb ist, haben wir keine Chance“, sagt der neue Wasserwart Thomas Weinberger. Das Rohrnetz für den Osten müsse neugebaut werden. Denn einfach ersetzt werden könne der Behälter nicht, der Standort entspreche nicht mehr den heutigen Standards und ein solches Vorhaben sei mit 400.000 bis 500.000 Euro auch viel zu teuer. Auch umgangen werden könne der Behälter nicht, denn da gebe es noch das Problem mit der Löschwasserversorgung.

Hochbehälter noch nötig, um Löschwasser sicher zu stellen

48 Kubikmeter pro Stunde müsse ein Hydrant mindestens liefern, damit die Versorgung gewährleistet sei. Auch das ist in Ramerberg keine Selbstverständlichkeit, wie Höpfinger deutlich macht. Denn die Hydranten seien oft tief in Schächten verbaut, mit schweren Betonplatten verschlossen. Keine ideale Lösung im Falle eines Brandes. Zudem konnten von den 39 geprüften Hydranten 13 die nötige Wassermenge nicht produzieren. Eine Ende Mai neu eingebaute Druck-Erhöhungs-Anlage konnte hier zwar Abhilfe schaffen. Klar ist aber, den Wasserhochbehälter in Eich braucht es noch, sonst könnte es erneut zu Problemen mit der Löschwasserversorgung kommen. Und eine solche Unterversorgung könnte unter Umständen teuer für die Gemeinde werden. „Viele Versicherungen zahlen heutzutage nicht, wenn sie so etwas feststellen“, erklärt Höpfinger, im schlimmsten Fall könne die Gemeinde belangt werden.

„Thema Wasser ist ein Fass ohne Boden“

Insgesamt zieht Höpfinger eine schlechte Bilanz, es müsse viel getan werden am Netz. „Die Totleitungen müssen entfernt, das Löschwasser muss gesichert werden, die Lecks müssen behoben werden“, erklärt der Experte. Auch eine Rohrnetzprüfung müsse in Zukunft regelmäßig erfolgen und das Planwerk müsse auf den neuesten Stand gebracht werden.

Es kommt also einiges auf die Gemeinde zu, überrascht davon ist niemand. „Das Thema Wasser ist ein Fass ohne Boden“, erklärt Fuchs. „Das Netz ist uralt und damals wurde nichts dokumentiert. Das war halt so, denen kann man auch keinen Vorwurf machen.“ Eine Ansicht, die Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR), teilt: „Die Totleitungen, da sind wir uns jetzt einig, müssen wir beheben. Da wird auch keiner an den Pranger gestellt. Das ist so und da müssen wir jetzt in die Zukunft schauen.“

Rohrverlegung für den östlichen Teil von Ramerberg komplizierter als gedacht.

Um die chlorfreie Wasserversorgung in Ramerberg östlich der Bahnstrecke zu gewährleisten, wurde das Ingenieurbüro Roplan mit der Planung des Netzes beauftragt. Und auch dieses ist alles andere als einfach, wie Fritz Pappenberger erläutert. Die Wasserversorgung von Edling aus muss nämlich einmal unter der Bahnstecke, dann unter der Attel und an der Kreisstraße entlang geführt werden. Insbesondere die Bahn und die Attel könnten Probleme bereiten. Das ist nicht alles. Schon jetzt ist klar, es wird dauern und das ganze Vorhaben wird umfangreicher als zunächst gedacht. „Diese Genehmigungsverfahren brauchen Zeit“, erklärt Pappenberger, zudem befinde sich ein großer Teil auf Privatgrund, hier müssten erst Grunddienstbarkeiten geschaffen werden. Ein Abschluss des Bauvorhabens und damit ein Ende der Chlorung vor dem nächsten Jahr seien nicht möglich. Verkompliziert wird die Sache zudem vom Gewerbegebiet, einem Ferienhaus in der Attelstraße und einem Neubau, der sich bereits beim Attelfeld befindet. Besonders letzterer benötigt dringend einen Wasseranschluss. „Ich würde deshalb zwei Bauabschnitte vorschlagen“, erklärt Pappenberger, einmal bis zum Hausanschluss des Neubaus, danach könne der Rest draufgesetzt werden.

Wasser muss in Bewegung bleiben

Die Wasserversorgung des Gewerbegebiets müsse mittelfristig verändert werden, denn der Wasserverbrauch sei zu gering. „Dann hätten wir wieder das Problem mit einer Totleitung.“ Eine Lösung sei es, hier eine Ringleitung einzubauen, sodass das Wasser in Bewegung bleibt. Das dritte Problem, das Ferienhaus in der Attelstraße, das angeschlossen werden muss. „Auch hier wird der Wasserverbrauch zu gering sein“, erklärt Pappenberger. Der Einbau einer Hygienespülstation kurz vor dem Hausanschluss biete sich an.

Damit ist klar, mit der ursprünglichen Kostenkalkulation von 600.000 Euro ist es nicht getan. „Der Anschluss zum Ferienhaus wird etwa 50.000 kosten“, erklärt Pappenberger, plus Spülstation. Das ist teuer, doch, obwohl es „nur“ ein Ferienhaus ist, hat die Gemeinde hier eine Anschlusspflicht, wie Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR) erklärt. Und die Versorgung müsse von Edling aus geschehen, wie Wasserwart Thomas Weinberger auf Anfrage von Konrad Fuchs (NRL/FWR) erläutert.

„Wir können nicht zwei unterschiedliche Drucksysteme haben. Im schlimmsten Fall würde das Wasser von Edling direkt nach Rott fließen“

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