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Männergesundheit – eine haarige Angelegenheit

Schnauzbärte retten Leben: Warum sich sogar Rotts Bürgermeister nach 30 Jahren rasieren ließ

Friseur-Meisterin Heidi Huber rasiert Bürgermeister Daniel Wendrock, der sich nach dreißig Jahren für die Aktion „Movember“ von seinem Bart trennte.Klemmer
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Friseur-Meisterin Heidi Huber rasiert Bürgermeister Daniel Wendrock, der sich nach dreißig Jahren für die Aktion „Movember“ von seinem Bart trennte.

Was haben Schnauzbärte mit Männergesundheit zu tun? Dieser Frage stellten sich in Rott zahlreiche Freiwillige und kamen ins Trachtenheim, um ein Zeichen zu setzen.

Rott – Können Sie sich vorstellen, wie man mit Schnauzbärten Leben retten kann? Ganz einfach: Man ruft Männer dazu auf, sich ihre Bärte stutzen zu lassen und verknüpft diese Aktion mit der Aufforderung, über ihre Gesundheit zu sprechen. Da sind die meisten Männer nämlich ganz schlecht drin, weiß Nadja Lehner aus Rott. Die 27-Jährige arbeitet seit Jahren in der urologischen Abteilung der Romed-Klinik Rosenheim und hat dort viele Männer kennengelernt, die lange keine Gedanken an ihre eigene Gesundheit verschwendet hatten.

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„Männer, traut euch!“, möchte man ausrufen, angesichts der Tatsache, dass sich die Herren der Schöpfung meist wesentlich weniger für ihre Gesundheit einsetzen, als es Frauen tun, sagt Lehner. Psychische Gesundheit und Suizidprävention, Prostatakrebs und Hodenkrebs, das seien Themen, mit denen sich Männer nur ungern befassen würden. Außer: Man wendet einen Trick an.

Äußeres Zeichen für die innere Einstellung

Und das taten im Jahr 2003 zwei Männer in Australien. Sie überzeugten weitere davon, wie wichtig ein Check der eigenen Gesundheit ist und wie lebensrettend ein Gespräch darüber sein kann. Als äußeres Zeichen für ihre innere Einstellung ließen sich die Männer zunächst Bärte wachsen, um sie dann in einem nächsten Schritt zu einem Schnauzbart zu stutzen. So entstand die Wohltätigkeitsorganisation „Movember“, berichtet Lehner.

Auf ihre äußerliche Veränderung wurden die Männer mit dem frisch gestutzten Schnauzbart vielfach angesprochen und konnten dann ihrerseits auf die verschiedenen Themen im Sachen Männergesundheit hinweisen.

Auch Lehner wird nicht müde, auf die Brisanz der Themen hinzuweisen. Hodenkrebs sei die häufigste Krebserkrankung bei jungen Männern, weiß die Krankenschwester zu berichten. Deshalb sollten sich Männer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren durchaus öfter mal selbst abtasten, um eventuelle Veränderungen zu erspüren. „Wenn der Krebs frühzeitig erkannt wird, kann die Medizin auch gut behandeln und viel besser heilen“, macht sie Mut. Und nimmt auch die Frauen mit ins Boot: „Mütter, Freundinnen, Schwestern, Ehefrauen, sie alle sollten die Männer unterstützen, sich für ihre Gesundheit einzusetzen.“

Seit fast zwanzig Jahren setzt sich die Stiftung „Movember“ dafür ein, im wahrsten Sinne des Wortes das Gesicht der Männergesundheit zu verändern. Mehr als 1250 Projekte auf der ganzen Welt hat die Stiftung finanziert, um Männern zu helfen, ein glücklicheres, gesünderes und längeres Leben zu führen.

Dreiviertel aller Suizide werden von Männern begangen

Apropos glücklich: Auch dazu nennt „Movember“ ernüchternde Zahlen auf der Homepage. Eine schlechte psychische Gesundheit betreffe Männer häufiger als Frauen, heißt es dort. Dreiviertel aller Suizide würden von Männern begannen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit jedes Jahr 510 000 Männer durch Suizid sterben. Das ist einer pro Minute.

Lehner erfuhr bei ihrer Arbeit von „Movember“ und beschloss, sich in ihrem Heimatort Rott für die Projekte der Stiftung stark zu machen. Im vergangenen Jahr machte Corona zunächst einen Strich durch die geplante Aktion, doch die Krankenschwester begeisterte vier Freunde für „Movember“ und alle zusammen sammelten trotz der Pandemie 1405 Euro für die Wohltätigkeitsorganisation.

Mit dem gut gefüllten, gelben Sparschwein in der Hand freut sich Nadja Lehner über die gelungene Spendenaktion, die sie federführend organisiert hat. Rechts neben ihr steht Friseurmeisterin Heidi Huber aus Rott. Auf der anderen Seite freuen sich (von links stehend) Marinus Häussler, Elisabeth Rottmooser und Georg Leineweber sowie (von links knieend) Angelika Schaber, Christian Habl und Tobias Siglreitmaier.

In diesem Jahr nun hat es funktioniert: Gemeinsam mit ihren Freunden organisierte Lehner einen Frühschoppen im Rotter Trachtenheim, bei dem es Getränke und Essen gegen Spenden gab und sich zahlreiche Männer ihre Bärte rasieren ließen, um auf das Thema Männergesundheit aufmerksam zu machen. Die Rotter Friseurmeisterin Heidi Huber stutzte mehrere Dutzend Bärte.

Bürgermeister lässt seinen Bart stutzen

Der wohl prominenteste Bartträger in dieser Runde war Bürgermeister Daniel Wendrock. Im Gespräch mit unserer Zeitung verriet er, dass er seinen Bart, den er seit 30 Jahren pflegt, gern für dieses wichtige Thema geopfert habe. „Ich bin der Meinung, dass es keineswegs Schwäche bedeutet, wenn man zur Vorsorgeuntersuchung geht, sondern ganz im Gegenteil, das ist ein Zeichen für Stärke“, betont er. Dafür solle man die Männerwelt sensibilisieren, das sei tatsächlich ein wichtiges Thema, so das Gemeindeoberhaupt weiter.

Er wolle seinen gewohnten Bart auf alle Fälle wieder wachsen lassen, kündigte der Bürgermeister nach der Rasur an. Vielleicht bis zum nächsten „Movember“-Aktionstag, den Lehner im kommenden Jahr wieder durchführen möchte. Heuer freut sie sich erst einmal wieder über mehr als 1000 Euro an Spendengeldern, die in Rott eingegangen sind und die sie an „Movember“ weitergeben kann.

Der Name kommt von Moustache

Movember ist ein aus dem (australisch-)Englischen entlehntes Schachtelwort, zusammengesetzt aus moustache (Kurzform mo; deutsch: Schnurrbart) und dem Monat November, in dem die Aktion meist stattfindet.

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