Brutaler Doppelmord am Montagabend in Rott

War Izzet S. (25) zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig?

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Rott am Inn - Nach dem brutalen Doppelmord am Montagabend steht die Gemeinde weiter unter Schock. Während die Polizei weiter mit Hochdruck die Ermittlungen vorantreibt, kommen weitere Details zur Tatnacht und zum mutmaßlichen Mörder ans Licht:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zwei Tote bei Bluttat am späten Montagabend am Marktplatz in Rott 
  • Bei den Toten handelt es sich um Elisabeth G. (66) und Helmut H. (73) 
  • Haftbefehl gegen 25-jährigen Tatverdächtigen 
  • Täter war nach Tankstellenüberfall Patient des Innsalzach-Klinikums
  • Er war nach Freigang seit Wochen untergetaucht
  • 20-Jährige erneut in Gewahrsam
  • Nachbarn und Bürgermeister von Doppelmord geschockt

UPDATE, 17.30 Uhr - Opfer Helmut H. kam vom Stammtisch

Wie die Bild-Zeitung berichtet, sei Helmut H. nach einem Stich ins Herz an Ort und Stelle gestorben. Er war laut tz erst Minuten zuvor von seinem Stammtisch im Bräustüberl nach Hause zurückgekehrt. Elisabeth G. habe sich dagegen noch mit Stichverletzungen in die eigene Wohnung schleppen können und sei dann im Wohnzimmer tot zusammengebrochen. 

Dies deckt sich auch mit Informationen von wasserburg24.de, wonach die tote 66-Jährige erst rund 20 Minuten nach dem ehemaligen Hausmeister gegen 23 Uhr aufgefunden worden ist. Izzet S. (25) war zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Flucht. Er konnte gegen 1.30 Uhr am nördlichen Ortsrand von Rott verhaftet werden.

UPDATE, 16.50 Uhr - Mutmaßlicher Mörder voll schuldfähig?

Der mutmaßliche Doppelmörder von Rott war zum Tatzeitpunkt wohl voll schuldfähig. Das berichtet Radio Charivari unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Von dort hieß es, dass es derzeit keine Hinweise auf eine aktuelle Schuldunfähigkeit des 25-jährigen S. gebe. Ob Drogen und/oder Alkohol im Spiel waren, werde derzeit geprüft, so Radio Charivari weiter. Dazu sollen auch Blutproben genommen worden sein. Die Ergebnisse stünden aber noch aus.

UPDATE, 15.50 Uhr - Großer Lärm bei Renovierung?

Nach und nach scheint sich das "Puzzle" aus der Tatnacht zusammenzusetzen. Wie unser Partnerportal tz.de nun berichtet, waren der mutmaßliche Täter Izzet S. (25) und die 20-jährige Lena, die bei der Festnahme erheblichen Widerstand leistete, am Montagabend gerade dabei, die Wohnung zu streichen. Die meisten Möbel sollen bereits ausgeräumt gewesen sein. Zeugen berichteten gegenüber der tz, dass die beiden bei den Renovierungsarbeiten nicht gerade leise gewesen sein sollen, was der Auslöser für die Tragödie gewesen sein könnte.

UPDATE, 15.30 Uhr: Polizei fahndete intensiv nach 25-Jährigen

Nach dem Verschwinden aus dem Innsalzach-Klinikum Anfang Februar ist der 25-jährige, mutmaßliche Messerstecher von Rott am Inn sofort zur Festnahme ausgeschrieben worden, das bestätigt Anton Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auf Nachfrage von wasserburg24.de: "Wir haben intensiv nach ihm gefahndet, leider ohne Erfolg." Dass sich der Gesuchte seit seinem Verschwinden bei der 20-Jährigen in Rott aufhielt, sei laut Huber möglich, "bis zum Tatabend am Montagabend wussten wir bei der Fahndung nach dem 25-Jährigen aber noch nichts von der Existenz der 20-Jährigen." Auch zum Beziehungsstand der beiden könne die Polizei noch nichts sagen.  

Bei Fragen zum genauen Tathergang hält sich Pressesprecher Huber noch sehr bedeckt, "das wäre Täterwissen und das können wir während der laufenden Ermittlungen nicht preisgeben." Die Polizei habe aber sowohl im Hausflur als auch in den Wohnungen der beiden Opfer Spuren gefunden, die noch ausgewertet werden müssen. Sicher sei aber, dass die beiden Opfer an der Beschwerde der Lärmbelästigung beteiligt gewesen seien und nicht - wie von Anwohnern behauptet - Unbeteiligte waren. "In dem Haus gab es bereits öfter Streitigkeiten, deshalb wurde der 20-Jährigen auch gekündigt. Sie stand unmittelbar vor dem Auszug", so Huber abschließend.

Update, 13.05 Uhr: Pressemeldung der Polizei

In der Rechtsmedizin München erfolgten am Dienstag die Obduktionen der 66-jährigen Frau sowie des 73-jährigen Mannes - beide Opfer der Gewalttat von Rott am Inn. Der Mann und die Frau starben durch mehrere tödlich ausgeführte Stiche. Absuchen der Tatortumgebung mit Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei sowie Polizei-Diensthunden sind abgeschlossen. 

Bislang verdächtige Gegenstände wurden nicht aufgefunden. Auch am Mittwoch folgen weitere Ermittlungen wie Vernehmungen und Spurenabgleiche. Ob die Beteiligten vor der Tat Drogen oder Alkohol konsumierten, müssen die Untersuchungsergebnisse zeigen. Der Ehemann des 66-jährigen Opfers wird durch die Kriminalpolizei betreut.

Seit einiger Zeit soll es in dem Mehrfamilienhaus in Rott am Inn Ärger wegen Lärmbelästigungen gegeben haben. Der 20-Jährigen sei daraufhin ihre Wohnung gekündigt worden und sie habe sich unmittelbar vor ihrem Auszug befunden. 

Nach ihrer Entlassung am Dienstagabend befand sie sich am Bahnhof in Rosenheim und soll dort Mitarbeiter der Deutschen Bahn sowie Reisende beleidigt haben. Bei Eintreffen einer Streife der Bundespolizei leistete die Frau erneut massiven Widerstand, beleidigte und bespuckte die Beamten und verletzte beide leicht. Diese Handlungen führte sie auf der Dienststelle der Polizeiinspektion Rosenheim fort, so dass die 20-Jährige in ein Bezirkskrankenhaus eingewiesen werden musste.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Update, 13 Uhr: Pressemeldung der Staatsanwaltschaft

Der zuständige Ermittlungsrichter bei dem Amtsgericht Rosenheim hat am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein Haftbefehl gegen einen 25 Jahre alten türkischen Tatverdächtigen wegen Mordes in zwei Fällen erlassen. Der Beschuldigte ist dringend verdächtig am Montag gegen 22.10 Uhr in einem Wohnhaus am Marktplatz in Rott am Inn zwei Menschen ohne jeden nachvollziehbaren Grund mit einem Messer erstochen zu haben.

Der Beschuldigte befand sich ursprünglich aufgrund einer Verurteilung wegen schwerer räuberischer Erpressung aus dem Jahr 2010 im Maßregelvollzug in einem psychiatrischen Krankenhaus. Im Zuge eines unbegleiteten Hofgangs auf dem Klinikgelände kehrte er am Abend des 4. Februar nicht in die Einrichtung zurück. Deshalb bestand ein Haftbefehl des Amtsgerichts Rosenheim und es wurde nach dem Beschuldigten gefahndet. Der Beschuldigte befindet sich mittlerweile in einer besonders gesichterten Einrichtung.

Pressemitteilung Staatsanwaltschaft Traunstein

UPDATE, 11.25 Uhr: Täter war wochenlang untergetaucht

Artikel zum Tankstellenüberfall:

Am Mittwochvormittag meldete sich in unserer Redaktion eine nahe Bekannte der Familie des 25-jährigen Täters. Die Frau, die anonym bleiben will, offenbarte uns brisante Details aus dem Leben des mutmaßlichen Täters von Rott am Inn: Demnach habe der Messerstecher im März 2010 tatsächlich eine Tankstelle in Wasserburg überfallen. Danach sei er in die forensische Abteilung des Innsalzach-Klinikums eingewiesen worden. Seitdem sei er dort Patient, der immer wieder auch Freigang bekomme. 

Für die Bekannte sind genau diese Freigänge unverständlich, da der 25-Jährige polizeibekannt, drogenabhängig und aggressiv sei. Vor etwa drei Wochen habe der Tatverdächtige dann einen Freigang genutzt und sei untergetaucht. Seitdem hätte die Polizei vergeblich nach dem 25-Jährigen gefahndet. 

Nach den Erzählungen der nahen Bekannten könnte genau dies das Motiv für die schreckliche Bluttat sein. Nachdem ein Nachbar am Tatabend gegenüber dem 25-Jährigen offenbarte, er werde die Polizei rufen, könnten bei dem jungen Mann die Sicherungen durchgebrannt sein, aus Angst, von der Polizei erwischt zu werden.

Neue Informationen zu Täter und Opfer

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Interview mit dem Rotter Bürgermeister zum Doppelmord

Das Oberbayerische Volksblatt berichtet in seiner Ausgabe vom Mittwoch einige neue Details zu dem an dem Drama beteiligten Personen. Der 25-jährige Täter türkischer Abstammmung ist laut OVB in Wasserburg wohnhaft. Bislang war nur bekannt gewesen, dass er nicht in Rott gemeldet ist.

Vor allem jedoch erfuhr die Zeitung "aus zuverlässiger Quelle", dass der junge Mann normalerweise in Behandlung im Bezirksklinikum in Gabersee gewesen sein soll und an diesem Tag Freigang gehabt habe. Die Bild-Zeitung will unterdessen erfahren haben, dass der junge Mann wegen des Überfalls auf eine Tankstelle bereits im Gefängnis gesessen haben soll. Auch darüber hinaus sei er mehrfach straffällig gewesen und habe regelmäßig Drogen konsumiert.

Außerdem sei eines der Opfer, der 73-jährige Helmut H. in der regionalen Fußballszene durchaus bekannt gewesen, berichtet das OVB. Er habe sich viele Jahre in der Abteilungsleitung und als Betreuer beim TSV 1860 Rosenheim engagiert. Mit "Bomber" Gerd Müller sei er sogar jahrzehntelang gut befreundet gewesen.

Rott am Inn: Doppelmord durch Messerattacke

Opfer wollten nur nach dem Rechten sehen

Wie bisher bekannt war, kam es am späten Montagabend in einem Mehrfamilienhaus am Marktplatz in Rott am Inn zu einem brutalen Doppelmord. 

Nach Angaben von Nachbarn sollte eine 20-jährige Bewohnerin am nächsten Tag ausziehen. Deshalb habe sie mit dem 25-jährigen Renovierungsarbeiten durchgeführt. In welcher Beziehung die Beiden zu einander standen, ist noch unklar. Der entstehende Lärm habe einen Nachbarn gestört, der sich beschweren wollte. 

Polizeisprecher Huber zum Ermittlungsstand:

Deswegen habe er gegen 22 Uhr die beiden jungen Leute aufgesucht und gedroht, die Polizei zu rufen, wenn der Lärm andauere. Der Schilderung von Nachbarn nach sei der 25-Jährige  daraufhin rasend vor Wut geworden und habe den Mann mit einem Messer bis in seine Wohnung gejagt. Dort habe sich der Nachbar verschanzt und später von dort aus auch den Notruf gewählt.

Bilder vom Tatort in Rott am Inn

Die genauen Umstände, wie es dann dazu kam, dass Elisabeth G. und Helmut H. dem Mann begegneten sind noch nicht klar. Aufgeschreckt durch den Lärm wollten sie nach Angaben von Nachbarn nach dem Rechten sehen und seien dabei dem Täter begegnet. Dieser stach sie brutal nieder und flüchtete im Anschluss. 

Dieses Bild soll die Festnahme des 25-Jährigen am Montagabend zeigen

Gegen 22.20 Uhr wurde dann die Polizei hinzugerufen. Diese suchte sofort mit einem Großaufgebot nach dem Täter, der gegen 1.30 Uhr gefunden und verhaftet werden konnte. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen und er befindet sich nun in Untersuchungshaft. Die 20-Jährige, die sich zeitweise ebenfalls in Gewahrsam befand, kam unterdessen am Dienstag wieder frei. Die Ermittlungen der Polizei dauern an. Das Ergebnis der Obduktion der beiden Opfer soll am Mittwoch im Tagesverlauf vorliegen.

Quelle: wasserburg24.de

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