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Schreckliche Nachricht nach langem Koma

Nach Unfall in Paraguay: Mathias Schifflechner (33) aus Schnaitsee stirbt im Armen-Krankenhaus

Mathias Schifflechner, hier mit seinem Großcousin, verstarb mit 34 Jahren.
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Mathias Schifflechner, hier mit seinem Großcousin, verstarb mit 33 Jahren.

Neun Wochen nach dem Autounfall in Paraguay verstarb der 33-jährige Mathias Schifflechner aus Schnaitsee im Armen-Krankenhaus. Für die Familie ein großer Schicksalsschlag.

Schnaitsee - Es ist der Albtraum eines jeden Menschen: Im Ausland unverschuldet schwer verunglücken und keine Möglichkeit zur Rückkehr. So passiert einem 33-jährigen Schnaitseer. Im fernen Paraguay, mitten in Südamerika lag Mathias Schifflechner nach einem Verkehrsunfall jetzt neun Wochen lang auf der Intensivstation. Erst im Koma, dann im Wachkoma - die Chancen, dass er jemals wieder komplett hergestellt wird, waren äußerst gering. Seine Mutter weilte täglich stundenlang an seiner Seite, der Stiefvater, Uwe Wirth, bangte in der Heimat um ihn. Aber den Kampf ums Überleben hat der junge Mann verloren: Mathias Schifflechner verstarb am 1. Dezember an Organversagen.

Die Behandlung verschlang tausende von Euro: Klinikaufenthalt, Medikamente, Rechtsanwältin und vieles mehr, alles musste die Familie selbst bezahlen, jetzt geht es noch um die Überführung der Urne. Aber alles dauert, die Staatsanwaltschaft hat noch keine Genehmigung zur Verbrennung des Leichnams gegeben.

Zu Beginn des Jahres hatte Mathias für sich die Entscheidung getroffen, nach Paraguay auszuwandern. Mit seinem Onkel stand er in Verbindung. Er lebt bereits seit zwei Jahren in Gindi, knapp 100 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Asuncion im Süden des Landes, das flächenmäßig größer als Deutschland ist, aber nur gut sieben Millionen Einwohner zählt. Jährlich wandern Hunderte Deutsche dorthin aus, nach offiziellen Angaben waren es zwischen 2012 und 2021 knapp 4.700.

Mathias Schilfflechner wollte einfach weg, fühlte sich in Schnaitsee nicht mehr wohl und überzeugte seine Mutter Angelika (56) und Stiefvater Uwe Wirth (52) von seinen Plänen. Sie stimmten schließlich schweren Herzens zu, wussten den Bub ja bei seinem Onkel, dem Bruder seiner Mutter, in besten Händen. Im Mai verabschiedete sich der glühende Bayern-Fan und war auf dem besten Weg, sich in seiner neuen Heimat einzuleben. Er bekam ein Grundstück geschenkt und wollte noch heuer mit dem Bau eines Eigenheims beginnen. „Es hat ihm gut gefallen, er war so positiv“, berichtet Stiefvater Uwe Wirth unter Tränen.

Dann kam der 23. September 2022, ein Freitag. Mathias Schifflechner war als Beifahrer angeschnallt mit seinem Onkel in einem Pickup unterwegs. An einer Kreuzung kam es zur Katastrophe. Beim Abbiegen rammte ein Lkw den Pickup. Der Onkel kam mit sieben Rippenbrüchen und einer Schulterblatt-Fraktur in eine Privatklinik, Mathias in ein so genanntes Armenkrankenhaus. Grund: Während der Onkel krankenversichert war, hatte der Schnaitseer keine Versicherung, da er auch noch keinen festen Job hatte. Als gelernter Mechatroniker half er aber immer dort, wo er gebraucht wurde.

In diesem Pickup verunglückte Mathias Schifflechner so schwer, dass er jetzt verstarb.

Die Diagnose war erschütternd. Im Klinikbericht steht: „Schwere TCE nach Glasgow, diffuse SAH in der linken Hemisphäre, plus Hämoventrikel, plus Fraktur mit Einsinken des linken Stirnbeins, Verletzung des geschlossenen Thorax, Fraktur des linken Schlüsselbeins.“ Zu deutsch: Schweres Schädel Hirn-Trauma - Mathias Schifflechner war mehr tot als lebendig.

Mutter Angelika und Stiefvater Uwe Wirth nahmen die nächst mögliche Maschine nach Paraguay. Während der Stiefvater nach fünf Wochen zurückkehrte, um als Frührentner private Dinge zu erledigen, war die Mutter bei ihrem Sohn geblieben. Das war auch zwingend notwendig, denn in dem Krankenhaus musste sie sich um alles kümmern: Bettzeug kaufen, Wäsche waschen, Ergänzung der Nahrungszufuhr, Medikamente in der Apotheke holen und vieles mehr. Sogar eine Matratze musste sie ins Krankenhaus bringen. „Wäre meine Frau nicht vor Ort gewesen, wäre Mathias sofort verloren gewesen“, sagt Wirth.

Er machte sich in den letzten Wochen schon große Sorgen um Frau und Sohn. „Sie arbeitete am Anschlag“, berichtet er, der täglich mit ihr korrespondierte. Nach einem Arbeitsunfall ist er selbst immer noch an der Schulter lädiert. Die Zustände in der Klinik bezeichnete er als katastrophal, kein Arzt spreche deutsch, die Intensivabteilung gleiche einer Abstellkammer. Täglich saß Angelika am Bett ihres Sohnes, war auch in den letzten Minuten bei ihm. Verschiedene Operationen waren noch geplant. Täglich postete sie nach Hause, zum Beispiel: „Mathias hat zwei Entzündungsherde im Körper, einen in der Lunge und einen im Hirn. Und beide müssen dringend entfernt werden. Sein Zustand verbessert sich nicht. Der Arzt hat seinen Körper noch gar nicht unter Kontrolle weder mit Bewegungen noch mit selbständig atmen. Man kann nicht sagen, ob und welchen Schaden er zurück behält und ob er überhaupt überlebt.“

Als Uwe Wirth seine Frau kennenlernte, war Mathias Schifflechner 15 Jahre. Es war in jenem Schicksalsjahr 2005, als die Familie den ersten schweren Schlag erlitten hatte. Uwes Mutter wurde in Folge zweier Schlaganfälle zum Pflegefall. Ihr Mann kümmerte sich aufopferungsvoll um sie - mit dem schlimmen Ende, dass er mit der Situation völlig überfordert war. Er brachte das Zweifamilienhaus in Schnaitsee zur Explosion, wurde selbst schwer verletzt, überlebte aber im Gegensatz zu seiner Frau. Die 64-Jährige wurde noch in eine Münchner Klinik geflogen, erlag dort aber ihren schweren Verletzungen. Ihr Ehemann erholte sich in einer Münchner Spezialklinik und nahm sich ein Jahr später das Leben.

„Wir haben alles wieder aufgebaut, fühlten uns in Schnaitsee sehr wohl“, sagt Uwe Wirth, der jetzt selbst auch mit den Nerven am Ende ist. Denn: Die Behandlungskosten in Paraguay schossen durch die Decke. Und rechtlich könne der Unfall nicht aufgearbeitet werden, obwohl sich eine Anwältin vor Ort um alles kümmere. Die Polizei wollte seinen Stiefsohn vernehmen - das sei jetzt nicht mehr möglich. Um für die laufenden Kosten aufzukommen, hatte die Familie eigens einen Kredit aufgenommen.

„Der Fall macht mich äußerst traurig, auch rechtlich ist alles so schwierig“, sagt Schnaitsees Bürgermeister Thomas Schmidinger. Er versicherte aber, dass die Heimatgemeinde sich einsetzen und helfen werde. Für solche Fälle stehe auch ein Sozialfonds zur Verfügung. Den betreut Rosi Schönhuber von der Finanzverwaltung in Schnaitsee. „Bei Auswanderungen greift keine Versicherung, die Familie muss alles selbst tragen, da muss die Gemeinde helfen“, sagt sie.

Die Anteilnahme in und um Schnaitsee ist groß. Der Freundeskreis von Mathias Schifflechner hat schon mal gesammelt mit dem stolzen Ergebnis, dass 10.000 Euro zusammengekommen sind. Die freilich waren dafür gedacht, dass er mit einer Spezialmaschine lebend zurückkommt. Weitere Behandlungen und Operationen im Krankenhaus Murnau waren schon angedacht - alles ist hinfällig geworden. Für die Familie von Mathias hat die Gemeinde ein eigenes Spendenkonto eingerichtet. Es trägt den Namen: „Spende für Familie von Mathias Schifflechner“ bei der Sparkasse Wasserburg, IBAN DE 75 7115 2680 0030 0346 31.

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