Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dorfschule schließt

Nach 216 Jahren endgültig Schulschluss in Waldhausen

Diese Hausinschrift zierte bis zum Abbruch 2019 das Schulhaus.
+
Diese Hausinschrift zierte bis zum Abbruch 2019 das Schulhaus.

Wenn das Schuljahr 2020/21 Geschichte ist, wird die Schule in Waldhaus nach 216 Jahren geschlossen. Da ist es an der Zeit, in der langen Historie der Waldhauser Dorfschule zu blättern.

Schnaitsee – Nach der Verordnung zur Schulpflicht für Kinder von sechs bis 12 Jahren im Jahr 1802 dauerte es bis 1805, dass auch Waldhausen eine eigene Schule bekam. Die Mesnertochter Maria Kleis erteilte den ersten Unterricht in der Stube des Mesnergütls.

Das Mesnergütl war das erste Schulhaus. Es wurde im Jahr 1936 abgebrochen.

Ihr Mann Josef Oberhauser aus Kirchensur war geprüfter Lehrer und wurde in Waldhausen angestellt. 1809 wurde die Feiertagsschule eingeführt. Oberhauser leitete 52 Jahre die Schule. Er starb 1866 im Alter von 88 Jahren. Für ihn und seine Frau Maria ist eine Gedenktafel an der Friedhofsmauer angebracht.

Auch interessant: Der Umbau zum Kinderhaus kostet die Gemeinde Schnaitsee 2 Millionen Euro (Plus-Artikel OVB-Online)

Schulhaus erfüllt von 1862 bis 2019 seinen Zweck

Nach dem zweiten Schulhaus, das 1827 gebaut worden war, folgte 1862 ein neues Schulhaus, das bis zum Jahr 2019 seinen Zweck erfüllte und dann abgerissen wurde. Darin waren zunächst ein Schulsaal und eine Lehrerdienstwohnung vorhanden. 1885 wurden zwei übereinanderliegende Schulsäle angebaut und eine zweite Lehrerstelle eingerichtet. Auch die Gemeindekanzlei wurde integriert.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Dieses Schulhaus wurde 1862 in Waldhausen gebaut.

1963/64 wurde das jetzige Schulhaus mit vier Schulsälen, einem Werkraum, einer Schulküche und einem Gymnastikraum erbaut. Zudem wurde ein großer Sportplatz angelegt. Der Neubau kostete damals 540000 Mark. Pfarrer Friedrich Heil weihte am 16. Januar 1965 das Haus ein.

Zum Schulsprengel gehörten damals neben Waldhausen die Orte Titlmoos, Ernst, Rauschwaltlham, Steinau und Geiersberg. Die Titlmooser Kinder besuchten Waldhausen erst seit 1886. Davor waren sie in Schnaitsee zur Schule gegangen. Da das neue Schulhaus noch mehr Kinder aufnehmen konnte, kamen die Orte Stadlern und Bierwang dazu.

Geschichten aus der guten alten Schulzeit

Therese Steckermeier berichtet in dem Buch „Wie´s war oder auch noch ist in Waldhausen“, dass früher nicht alles besser war: „Es war selbstverständlich, dass die Schulkinder jeden Tag zur Messe gehen mussten. Ja streng ging´s zu in der Schule. Ob sich einer beim Lernen schwer tat oder nicht, wurde bei den Strafen nicht berücksichtigt. Prügel auf den Hintern, Stockschläge auf die kleinen Kinderhände waren nicht selten. 60 Kinder waren in einem Saal. Sie mussten im Winter den Kachelofen selber heizen. Die Buben mussten Brennholz herbeischaffen.“

Lesen Sie auch: In Haag entsteht ein Denkmal für einen standhaften Demokraten (Plus-Artikel OVB-Online)

Das Kreuz bleibt: Schule in der Nazizeit

Die Schulmessen wurde in der Nazizeit abgesetzt. Stattdessen wurde am Schluss der Stunde gebetet: „Wir preisen dich und deinen Namen und sprechen gläubig `Deutschland – Amen`“. Statt „Grüß Gott Herr Lehrer hieß es „Heil H…..“

Eine begeisterte Hitlerjugend war schon schnell die Folge. Aber als der Lehrer das Kreuz im Klassenzimmer entfernte, rebellierten die Mütter. Sie bedrängten den Lehrer so lang, bis das Kreuz wieder hing.

Schulhaus wird zum Kindergarten

Fanderl Wastl und Kiem Pauli (von links), zwei Urväter der bayerischen Volksmusik, waren zu Gast in Waldhausen.

Im Schnaitseer Heimatbuch wird berichtet, dass auch der Fanderl Wastl und der Kiem Pauli in Waldhausen waren. Der Waldhauser Hauptlehrer Georg Schwertfirm, ein begeisterter Musiker, schaffte es, dass in den Jahren 1936 und 1937 die Urväter der Bayerischen Volksmusik, der Kiem Pauli und der Fanderl Wastl nach Waldhausen kamen. Beide schrieben Grußkarten an die Schüler und den Hauptlehrer. Die Besuche waren gewiss Höhepunkte in der 216-jährigen Schulgeschichte.

Aus den Erinnerungen des letzten Schulleiters: Anton Kölbl

Der letzte Schulleiter in Waldhausen war Anton Kölbl. Heute lebt er in Wasserburg. Für unsere Heimatzeitungen rief er sich die Schulzeit in Waldhausen in Erinnerung:

„Im September 1965 kam ich als Lehramtsanwärter nach Waldhausen. An der Volksschule übernahm ich zu Beginn des Schuljahres 1965/66 die Klasse 3/4. Ab diesem Schuljahr gab es wegen einer Schulsprengeländerung das erste Mal die vier Klassen 1/2, 3/4, 5/6 und 7/9. Die Gemeinde Waldhausen und die Gemeinde Titlmoos hatten sich zu einem Schulverband zusammengeschlossen. Für die Schülerbeförderung gab es einen eigenen Kleinbus. Schulleiter war damals Josef Vogl, der auch gleichzeitig Seminarleiter für die Ausbildung der Lehramtsanwärter im Landkreis Traunstein war.

In der Gemeinde Gemeindesekretär Ludwig Brindl als Ansprechpartner in Schulangelegenheiten zuständig. Zu Beginn des Schuljahres 1966/67 zog ich in das neu errichtete Lehrerwohnhaus ein. Damals mussten die Gemeinden noch Lehrerwohnungen bereitstellen. 1966/67 legte ich die zweite Lehramtsprüfung ab.

Als sich der Schulleiter Vogl nach Tacherting versetzen ließ, wurde ich kommissarisch zum Schulleiter von Waldhausen ernannt. Die Stelle wurde auch nicht neu ausgeschrieben, da es 1969 zur Schulreform kam. Kleinere Schulen wurden aufgelöst und zu größeren Verbänden zusammengeschlossen.

Waldhausen kam zum Schulverband Schnaitsee. So konnte jeder Jahrgang mit zwei Klassen gebildet werden. Die Klassen 1b,2b,3b,4b und 5b wurden in Waldhausen unterrichtet. 1987 wurde ich zum Konrektor der Grund- und Hauptschule Schnaitsee ernannt. Trotzdem unterrichtete ich weiterhin hauptsächlich in Waldhausen. Bis zu meiner Pensionierung im Jahre 2003 blieb dies auch so. 38 Jahre meiner 40 jährigen Dienstzeit unterrichtete ich in Waldhausen.“

In Zukunft werden alle Schüler im zentralen Schnaitseer Schulhaus ihren Unterricht erhalten. Aber trotzdem bleibt das jetzige Schulhaus eine Einrichtung für den Gemeindenachwuchs. Mehrere Gruppen werden dort in den Kindergarten gehen und die kleinsten Mitbürger können dann hier die Kinderkrippe besuchen. Mit dem Ankauf des Gebäudes samt Turnhalle und Umfeld hat die Gemeinde die Voraussetzungen zur Umwandlung geschaffen.

Das Waldhauser Schulhaus wird in Zukunft ein Kinderhaus mit Kindergarten und Krippe.

Zwei Schulverbände und fünf Gemeinden

Ganz so einfach, wie es sich in den Erinnerungen von Anton Kölbl anhört war die Vereinigung des Schulverbands Waldhausen-Titlmoos mit Schnaitsee nicht. Zu Schnaitsee, das damals die neue große Schule gebaut hatte, gehörten die Gemeinden Kling und Kirchstätt. Zwei Schulverbände und fünf Gemeinden waren nicht einfach unter einen Hut zu bringen.

Nach mehrfachen ablehnenden Abstimmungen auf beiden Seiten sprach die Regierung ein Machtwort. Der Schulverband Waldhausen-Titlmoos wurde zum 1. August 1969 aufgelöst und dem Schulverband Schnaitsee zugeordnet. Seither läuft der Schulbetrieb wie von Anton Kölbl beschrieben. In aller Regel waren vier Grundschulklassen in Waldhausen.

Kommentare