"Tragische Unfälle dürfen sich nicht mehr wiederholen"

Bahnübergänge werden für Millionen modernisiert: Es tut sich was in Soyen

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Die Schienen der Bahnstrecke Rosenheim-Mühldorf, die durch Soyen führen. Bald soll eine Autobrücke in Mühlthal realisiert werden, unter der die Züge künftig fahren. Dafür kämpft Bürgermeister Karl Fischberger seit Jahren. 
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Soyen - Zwölf Jahre Papierkrieg, behördliche Genehmigungsverfahren, aktualisierte Naturschutz-Gutachten. Das Verfahren für die Autobrücke über den Bahnübergang Mühlthal zieht sich seit Jahren. Nun soll die Brücke endlich realisiert werden. Und auch die übrigen Bahnübergänge im Gemeindegebiet werden angepackt. 

"Tragische Unfälle dürfen sich bei uns nicht mehr wiederholen." Mit diesen Worten kämpft Soyens Bürgermeister Karl Fischberger seit vielen Jahren schon für die Aufrüstung und Sicherung oder Einstellung der insgesamt neun Bahnübergänge im Gemeindegebiet. 

Besonders im Fokus, nachdem sich dort mehrfach tödliche Unfälle ereigneten in der Vergangenheit: Die Übergänge Hörgen und Mühlthal. Seit 2007 laufen die Planungen für die Realisierung einer kleinen Autobrücke mit bis zu zehn Metern Spannweite über den Mühlthaler Übergang. 

Mittlerweile habe sich etwas getan, wie Fischberger betont: "Die Pläne sind bei der Bahn über den Schreibtisch gegangen, die Genehmigung ist vorhanden. Mit der Autobrücke befinden wir uns nun in den Ausschreibungen. Das Projekt wird noch in diesem Jahr angepackt.

Bau der Eisenbahnbrücke ab Herbst 2019: 

Erste Vorarbeiten seien schon in Gange. Im Herbst 2019, so sei es angesetzt, soll mit dem eigentlichen Brückenbauwerk begonnen werden.

Der Bau der Eisenbahnbrücke stellt das größte Projekt im kleinen Ort dar. Es geht mit landschaftsplanerischen Begleitmaßnahmen einher, die Naturschutzbehörde hat strenge Vorgaben für das FFH-Gebiet (Flora, Fauna, Habitat).

Während der Bauphase erreichen die Bürger Mühlthal über eine provisorische Querung über den Nasenbach, die noch installiert werde. Ab Herbst soll der Wertstoffhof in diesem Ortsteil geschlossen und nach Soyen an das Bahngelände verlegt werden. Die Sicherung der Bahnübergänge war auch in der Bürgerversammlung Anfang April 2019 Thema. 

Das passiert mit den neun Bahnübergängen in Soyen: 

Die kleine 2900-Seelen-Gemeinde Soyen ist der Länge nach von der Bahnstrecke Rosenheim–Mühldorf durchschnitten. Mit der Umrüstung ist nun folgendes geplant: 

  • Mit dem Bau der Autobrücke verschwinden in Zukunft die Bahnübergänge Mühlthal und Hörgen für den Autoverkehr. Die Gleise verlaufen künftig unterhalb der Brücke. Sobald die neue Brücke Mitte 2020 über Mühlthal fertig gestellt ist, wird auch der zweite unbeschrankte Bahnübergang in Hörgen geschlossen.
  • Die beiden Übergänge innerorts an der Bergstraße und der Riedener Straße bleiben erhalten.
  • Der Bahnübergang in Edmühle bleibt bestehen. 
  • Die Bahnübergänge Buchsee und Seeburg sollen beschrankt werden. 
  • Der Übergang in Grasweg soll geschlossen werden und bekommt eine Umlaufsperre für Fußgänger und Radfahrer. 
  • Der Bahnübergang in der Nähe des Wasserburger Bahnhofs ist bereits mit einer Umlaufsperre geschlossen. Hier wird nichts mehr verändert.  

Unfälle an Soyener Bahnübergängen in der Vergangenheit

Die Bahnübergänge in Soyen werden immer wieder zum Schauplatz für tragische Unfälle. Im Juni 2015 ereignete sich am unbeschrankten Bahnübergang in Seeburg ein Unfall mit einem Regionalzug. Ein 20-Jähriger stieß dabei mit seinem Fahrzeug mit dem herbeikommenden Zug zusammen.

Im Februar 2016 endete an dem unbeschrankten Bahnübergang bei Schlicht im Soyener Gemeindegebiet ein Unfall tödlich: Ein Personenzug erfasste dabei ein Auto. Der 34-jährige Fahrer des Wagens wurde getötet. 

Am Bahnübergang in Hörgen war das bereits das vierte Todesopfer nach Unfällen mit einem Zug und einem Fahrzeug. 

"Es ist sehr traurig, dass erst reagiert wird, nachdem es schon Tote gab", bedauerte der Bürgermeister damals schon im Gespräch mit wasserburg24.de im April 2018 und spielte damit auf die Tatsache an, dass das Eisenbahnbundesamt unmittelbar nach dem tödlichen Unfall vor zwei Jahren den notwendigen Bescheid ausgestellt hat, die Voraussetzung für die öffentliche Auslegung des Großprojekts Autobrücke im Mühlthal. 

Knapp eine Million Euro nur für eine Schranke 

3,3 bis 3,5 Millionen Euro wird die Autobrücke ersten groben Schätzungen zufolge kosten. Beschrankung, Verbreiterung Ertüchtigung und Umrüstung sind - wie beim Bau der Schranke im Wasserburger Ortsteil Viehhausen - mit Kosten von 900.000 Euro pro Übergang angesetzt. Nach den Vorgaben des Eisenbahnkreuzungsgesetzes zahlt die Gemeinde Soyen ein Drittel. 

Für Fischberger eine essentielle Investition: "Es ist wichtig, dass wir die Projekte und vor allem die Eisenbahnbrücke nach Jahren des Hin und Her jetzt endlich realisieren, damit sich tragische Unfälle nicht erneut an dieser Stelle wiederholen."

mb

Quelle: wasserburg24.de

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