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Kuriose Ortschilder: Von „Pups“ bis „Schabernack“

St. Wolfganger Straßenschild „Pumpernudel“ bekommt im Fernweh-Park Oberkotzau Ehrenplatz

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„Pumpernudel“ hängt nun auch im „Fernweh-Park“ in Oberfranken

„Pumpernudel“ ist weder etwas zu essen, noch etwas Anrüchiges. Es handelt sich um einen Wegweiser zu einem Weiler mit zwei Höfen in St. Wolfgang bei Erding. Das kuriose Straßenschild wird gern von Souvenirjägern geklaut. Nun ist es auch vertreten im „Fernweh-Park“ in Oberfranken und zwischen „Katzenhirn“ und „Pups“ in guter Gesellschaft.

St. Wolfgang – Kennen Sie Pumpernudel? Das ist ein kleiner Weiler mit zwei Höfen und zwei Familien im Gemeindegebiet St. Wolfgang. Wenn die Bewohner ihre Adresse angeben, werden sie mit großen Augen angesehen oder belächelt, wie sie erzählen.

„Hundeluft“ und „Katzenhirn“

Nun ist das Schild auch in der oberfränkischen Touristenattraktion „Fernweh-Park“ in Oberkotzau vertreten. Der Initiator des „Fernwehparks“ ist Klaus Beer; ihm geht es darum, dass Schilder aus aller Welt auch Menschen aller Welt zusammen bringt. Der Park sei ein Zeichen für Frieden und Zusammengehörigkeit.

Da geht‘s nach Pumpernudel.

Zwischen „Deppenhausen„ und „Blödesheim“

„Pumpernudel“ ist in guter Gesellschaft neben „Hundeluft“, „Lederhose“, „Katzenhirn“, „Wassersuppe“, „Grüner Esel“, „Ochsenschenkel“ oder auch „Deppenhausen“, „Blödesheim“ und „Ostereistedt“. St. Wolfgangs Bürgermeister Ullrich Gaigl sagt im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung, „das gfreit mi, dass das da so gut hinpasst, darum hab ich es gespendet“. Sobald es die Pandemie erlaube, wolle er einen Gemeindeausflug zum Fernwehpark auf die Beine stellen. Er ist begeistert von dem Völker verbindenden Friedensprojekt und der Möglichkeit, dass seine Gemeinde mit dem Namen „Pumpernudel“ in der Themenstraße der dort involvierten „lustigen und kuriosen Ortsnamen“ vertreten ist.

Souvenirjäger klauen Schild regelmäßig

Das kleine gelbe Ortshinweisschild „Pumpernudel“ wird immer wieder geklaut, weil der Name so kurios ist. Davon berichtet auch regelmäßig die Polizei Dorfen. Bezahlen muss den Wegweiser stets die Gemeinde, weil sie Straßenbaulastträger ist.
Vor zwei Jahren wurde das mal etwas teurer. „Wir wollten das Schild vor den Souvenirjägern diebstahlsicher anbringen und haben die Schrauben versiegelt, so dass man sie nicht rausdrehen kann. Dann haben die Diebe einfach die einbetonierte Stange ausgegraben und komplett mitsamt Schild mitgenommen“, so Bürgermeister Gaigl . Der Schaden belief sich dann auf 500 Euro.

Ungeschickter Bauer als Namenspatron?

Woher der Name „Pumpernudel“ kommt, ist nicht eindeutig zu klären. Immerhin gibt die Ortschronik von St. Wolfgang einen Hinweis darüber, wie der Name entstanden sein könnte: Ein Bauer namens Ludwig Pumper, der von 1566 bis 1600 dort lebte, könnte der Namenspatron gewesen sein, so eine der Theorien.

Aus der Römerzeit?

In einem Vortrag über das antike römische Straßennetz in der Region, das in großem Stil gebaut wurde, erwähnte der Dorfener Dr. Emil Rudolf sen. vor etlichen Jahren, dass sich der Name „Pumpernudel“ aus „Pumpe“ und „Nude“ (nackt) zusammensetzt. Eine ähnliche Theorie vertrat der inzwischen verstorbene Heimatforscher Karl Engelmann vom Historischen Kreis Dorfen e.V., wie der Dorfener Anzeiger berichtete.

Eine mögliche Erklärung dazu: Die Römer, die den Wehrdienst verweigert hatten, mussten zur Strafe spärlich bekleidet im Straßenbau arbeiten. Vermutlich hatten die halbnackerten Bauarbeiter damals in Pumpernudel kampiert und dem Fleckchen Erde damit seinen Namen gegeben.

Eine andere Theorie hat Franz Streibl vom Historischen Kreis, der sagt, in der Gegend seien keine Reste von Römerstraßen gefunden worden. Er vermutet, der Ursprung des Namens „Pumpernudel“ liegt im 16. Jahrhundert. Da habe der Ort „Pumperlürl“ geheißen. Das gehe zurück auf den Begriff „pumper“, was so viel bedeute wie klein, dick und ungeschickt. Und „Lürl“ sei eine Abkürzung für „Ludwig“. Womit sich der Hinweis in der Ortschronik von St. Wolfgang gut in Verbindung bringen lässt. Mit der Zeit wurde aus „Pumperlürl“ also „Pumpernudel“.

Pumpernudler haben eigenen Song

Die heutigen Pumpernudler haben sogar einen kleinen Song geschrieben, über den lustigen Namen, der ihrem Zuhause einen ganz besonderen Anstrich gibt.
Interessanterweise gibt es noch ein „Pumpernudl“ im Landkreis Freising, das zur Gemeinde Rudelzhausen gehört. Davon hat sich ein kleiner Münchner Zirkus inspirieren lassen und sich ebenfalls so genannt.
Touristen, die den Fernweh-Park besuchen, lachen beim Anblick der 150 ungewöhnlichen Ortsnamen, die Beer inzwischen zusammen getragen hat.

Zwischen „Krätze“ und „Tittenkofen“

Besonders die „schlüpfrige Ecke“ mit Hinweistafeln auf „Tittenkofen“, „Pups“, „Pissen“, „Jucken“ und „Krätze“ sind der Renner. Es gibt auch „Bierkeller“ und „Kneipe“ oder gediegene „Kaffeekanne“ und „Kuchen“.
Neben der meterlangen Wand aus gelben Ortstafeln stechen auch drei Weiße mit blauem Rand hervor. Diese stammen aus Österreich und tragen Namen wie „Kirchschlag in der Buckligen Welt“, „Hühnergeschrei“ und „Fucking“, das erst kürzlich in „Fugging“ umgetauft wurde – weil es so oft geklaut wurde.

Eine weitere Wand vereinigt 4000 touristische Schilder. Dort wird beispielsweise „gewarnt“ vor „Kangaroos next 10 km“. Oder man ist plötzlich in Honululu oder Dubai. Oder in Hollywood. Über 400 Stars aus allen möglichen Bereichen sind hier mit handsignierten Star-Tafeln vertreten, darunter etwa Kevin Costner, Arnold Schwarzenegger, Denzel Washington, Siegfried & Roy.

Boulevard der Humanität

Klaus Beer erklärt, zudem werden Prominente, die sich in besonderer Weise für hilfsbedürftige Menschen auf der Welt engagieren, sind mit einem „Star “ähnlich wie am weltberühmten „Walk of Fame“ vertreten. Diese werden im Fernweh-Park entlang der Rundbühne des Amphitheaters vor der exotischen Schilderkulissen auf Granitstelen präsentiert. Stern-Würdenträger wie Karlheinz Böhm, James Last, Sarah Connor, Pierre Brice, Hans-Dietrich Genscher, Henry Maske und Peter Maffay sind unter anderem dort vertreten. Beer spricht vom „Boulevard der Humanität“.
Besonders stolz ist Beer, dass über seinen kuriosen Schilderpark weltweit schon 1400 Presseartikel erschienen sind.

Weiteres kurioses Schild in St. Wolfgang

In der Gemeinde St. Wolfgang gibt es noch einen lustigen Weilersnamen: „Schnurren“. „Das hat nix mit Katzen zu tun, eher mit der geografischen Lage, dass der Wind dort so drüber pfeift“, erklärt Bürgermeister Ullrich Gaigl. „Schnurren“ liegt nicht weit von der B15. Wo genau, das will Gaigl lieber nicht sagen, sonst kommen Souvenirjäger, die Katzenfans sind, noch auf Ideen.

Stichwort Fernweh-Park

Initiator Klaus Beer: „Durch meine Reisen in der ganzen Welt spreche ich nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis. Ich weiß, wie wunderschön unser blauer Planet Erde ist und wie dumm der Mensch, der durch Krieg, Terrorismus, Macht- und Geldgeilheit und religiösen Fanatismus soviel Leid über Unschuldige bringt. Deshalb habe ich mir geschworen nicht wegzusehen, sondern mit dem Fernwehpark ein Zeichen zum Nachdenken und gegen Rassismus zu setzen.“
Der Fernweh-Park wurde bewusst am 9. November 1999 in Hof errichtet, zehn Jahre nach dem Fallen der Mauer. Laut Initiator Klaus Beer wollte er ein Zeichen für grenzenlose Freiheit und Völkerverständigung setzen. Im Jahre 2017 zog das Projekt nach Oberkotzau (bei Hof) und wurde dort viel größer, mit Amphitheater und Showbühne, neu installiert. Der Fernweh-Park ist unter Beachtung der Coronavorschriften rund um die Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

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