EINZELHANDEL IN DER CORONAKRISE

Trotz Lockdown: Die Einkaufsstadt Wasserburg lebt

Christine Deliano hat gemeinsam mit ihrem Team der Backstube alle Geschäfte auf einem Stadtplan notiert, die noch geöffnet haben. Dass es so viele sind, hätte sie nicht gedacht.
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Christine Deliano hat gemeinsam mit ihrem Team der Backstube alle Geschäfte auf einem Stadtplan notiert, die noch geöffnet haben. Dass es so viele sind, hätte sie nicht gedacht.

Lockdown im eiskalten Winter: Eigentlich müsste die Wasserburger Altstadt ausschauen wie ausgestorben. Doch so ist es nicht. Viele Einzelhändler haben kreative Ideen entwickelt, um auf sich aufmerksam zu machen, und laden unter strengen Auflagen zum sicheren Einkaufen ein.

Wasserburg – Zwei Mitarbeiterinnen hat Christine Deliano, Mitglied des Vorstandes beim Wirtschaftsförderungsverband (WFV) Wasserburg, durch die Stadt geschickt, um aufzunehmen, wer noch auf hat, weil er Dinge und Serviceleistungen für den täglichen Gebrauch anbietet, wer liefert oder über neue Konzepte den Kontakt zum Kunden aufrecht erhält. Auf einem großen Stadtplan mit der Innschleife sind alle Geschäfte eingetragen worden. Das Blatt wimmelt vor Eintragungen – vom Kramerladen bis zum Feinkostgeschäft, von der Bank bis zum Metzger, von der Apotheke bis zur Radlwerkstatt, vom Schreibwarenhandel bis zu den Markthallen: „Die Stadt lebt“, sagt Deliano. Eine Kundin ihrer Backstube bleibt stehen und bestätigt: „Ich bekomme alles, was ich brauche – nur der Friseur fehlt mir sehr“.

Klobeck: „Der Kunde kriegt fast alles“

Christoph Klobeck, Wirtschaftsreferent des Stadtrates und ebenfalls Geschäftsmann sowie WFV-Mitglied, bekräftigt: „Tatsächlich kriegt der Kunde fast alles in Wasserburg – auch im Lockdown.“ Das liege auch daran, dass es hier noch viele kleine, inhabergeführte Läden gebe. Die meisten Geschäftsleute seien sehr kreativ und innovativ, wenn es darum gehe, die Kunden zu erreichen. Nach der Schockstarre im ersten Lockdown hätten sich viele intensiv auf den zweiten vorbereitet.

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So auch Steffi Haller, Inhaberin von Spielwaren Fuchs. .Drei Schichten Kleidung hat sie übereinander gezogen, eine große Thermoskanne heißen Tee gekocht, denn die Ladentür ist geöffnet. Ein Tisch versperrt zwar den Eintritt, aber darauf liegen Spiele und Puzzle bereit. Draußen stehen Schlitten und Kinderschneeschaufeln, auch sie sind vorbestellt und werden abgeholt.

Steffi Haller macht in der offenen Tür ihres Spielzeuggeschäfts auf sich aufmerksam.

Das Geschäft läuft weiter – dank der Möglichkeit, „Click & Collect“ anzubieten, also online oder per Telefon zu bestellen und dann vor der Tür des Geschäfts unter Auflagen an Kunden zu übergeben.

Die meisten Läden haben große Schilder aufgestellt mit Handynummern als Kontaktmöglichkeit, mit Bestellkästchen, in die Zettel eingeworfen werden können. Schaufenster sind umgeräumt worden – unter anderem bei Schuh Sax am Marienplatz, wo in den Regalen jetzt die Schuhe per Größen präsentiert werden, so als wäre der Kunde im Geschäft.

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Das sorgt dafür, dass der Kontakt nicht abbricht, kann jedoch trotzdem den Umsatzeinbruch nicht wettmachen, sagt Haller. Das Prinzessinenkleid für den Fasching hängt zwar in der offenen Tür ihres Spielwarengeschäfts, aber kaufen wird es heuer kaum jemand, denn die närrische Saison fällt aus. Die neuen Playmobil- und Legoartikel sind da – doch die Kunden können die Ware nur im Katalog anschauen, nicht in den vollen Regalen stöbern. Über 200 Spiele musste Haller einlagern – typische Produkte, die kurz vor Weihnachten oder auch zwischen den Jahren und im Winter in der Regel vor allem bei Impulskäufe erstanden werden. Trotzdem stellt auch sie fest: In der Stadt ist noch was los – die Bürger drücken sich an den Schaufensterscheiben die Nasen platt und nutzen „Click & Collect“.

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Dazu gibt`s an vielen Stellen einen Kaffee to go, ein Stück Kuchen im Gehen oder Pizza und Döner. Gestern war außerdem grüner Markt, auch der Fischstand hatte aufgebaut. Hier ist stets viel los – vor allem Stimmengewirr ist zu hören, denn auf Abstand ist ein kleiner Ratsch möglich.

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Auch die Tür im Blumengeschäft von Pia Danzer stand gestern einen Spalt weit auf. Sie sammelte bis Mitte der Woche Bestellungen für Sträuße und übergab gestern die Gebinde mit den ersten Tulpen des Frühlings den Kunden. „Wenigsten die Fixkosten kommen so rein“, sagt sie.

Pia Danzer freut sich, dass ihre Sträuße gut bestellt werden. Das deckt wenigstens die Fixkosten.

Warnung vor einem zu langen Lockdown

Deliano hofft, dass die Bürger die Angebote nutzen. „Auch der Endverbraucher kann mitbestimmen, wie Wasserburg nach Corona ausschauen wird“, ist sie überzeugt. Klobeck stellt fest, dass viele ganz bewusst lokale Händler unterstützen. Trotzdem: Dauere der Lockdown noch sehr viel länger an, etwas bis Ostern, „gehen bei einigen die Lichter aus. Dann werden wir unsere Innenstädte nicht wiedererkennen“, warnt der Wirtschaftsreferent.

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