Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rettungsaktion vor dem Abriss in Wasserburg

Nachts auf Batmans Spuren: Was zwei mutige Frauen an der gruseligen Ex-Essigfabrik suchen

Idealer Lebensraum für Fledermäuse: die Industriebrache der Essigfabrik. Per Hebebühne wurden bis gestern Abend Planen angebracht und Holzverschalungen entfernt.
+
Die Industriebrache der Essigfabrik ist der ideale Lebensraum für seltene Tiere..

Die Ex-Essigfabrik von Wasserburg ist ein gruseliger Ort – vor allem nachts. Hier sind zwei mutige Frauen im Einsatz. Ihre Mission: die Rettung einer bedrohten Art. Ihr Arbeitsgerät: der Bat-Detektor.

Wasserburg – Eine Industriebrache wie die Ex-Essigfabrik würde sicherlich auch Batman, dem Superheld im Fledermauskostüm, als Wohnort gefallen: düster, verfallen, ein „lost place“. Dass sich in der Ex-Essigfabrik in Wasserburg Fledermäuse angesiedelt haben, verwundert deshalb nicht. Doch die fliegenden Säugetiere müssen ausziehen, dabei helfen ihnen Artenschützerinnen wie Daniela Seitz. Wir haben sie bei ihrer „Nachtschicht“ begleitet.

Der Detektor hört die Ortungsrufe

Es ist stockdunkel auf dem abgesperrten Gelände am Holzhofweg. Die Konturen der ehemaligen Essigfabrik, die ab heute, Mittwoch, abgerissen wird, sind nur schemenhaft zu erkennen. Ein unheimlicher Ort. Doch Daniela Seitz vom Büro Niederlöhner in Wasserburg hat eine Mission: die Rettung der Fledermäuse, die sich hier angesiedelt haben. Mit dicker Winterjacke, warmer Mütze und Schal hat die Landschaftsplanerin am Abend Position bezogen im Innenhof – in der Hand den Bat-Detektor. Das kleine Gerät in der Größe eines Handys kann die Ortungsrufe der Fledermäuse „hören“. Und übersetzt die Ultraschalllaute in für Menschen wahrnehmbare Töne.

Weitere Berichte und Nachrichten aus der Region Wasserburg lesen Sie hier:

Doch der „Bat-Detektor“ schlägt nicht aus. Sind die Fledermäuse bereits ausgeflogen? Das könnte sein, hofft Seitz, denn das ist nicht ihr erster Einsatz in der ehemaligen Essigfabrik. Für die Umsiedlung hat die Stadt Ersatzquartiere bereitgestellt: 20 Kästen am benachbarten alten und neuen Schöpfwerk. Es kann jedoch auch sein, dass die Tiere – „nachdem wir ihnen ihr Zuhause aufgekündigt haben“, wie Seitz schmunzelnd sagt – bereits in ihr Winterquartier umgezogen sind: Das können Baumhöhlen, Keller oder Ställe sein.

Wenn der Bat-Detektor 30 ;Minuten lang keine nächtlichen Fledermausflüge gemeldet hat, wird es hell an der Essigfabrik. Noch in dieser Nacht rückt die Hebebühne an: Seitz und Andrea Pichler von der Firma Crystal Geotechnik aus Wasserburg, zuständig für die Bauerkundung, lassen sich an der Fassade hochfahren, um die Holzverschalungen, hinter die die Fledermäuse geschlüpft waren, zu entfernen. Und siehe da: Drei Tiere haben ausgeharrt. Seitz packt sie vorsichtig in einem Baumwollbeutel und lässt sie am Schöpfwerk ausfliegen. Außerdem bringen sie und ihre Kollegen eine Plane an, die ebenfalls verhindern soll, dass die Tiere doch noch mal zurückkehren in die alte Heimat.

Nächtlicher Einsatz mit dem Bat-Detektor: die Fledermausretterinnen Daniela Seitz (rechts) und Andrea Pichler

Die Ex-Essigfabrik war ein idealer Lebensraum für die Fledermäuse, berichtet Seitz. Verlassen, dunkel, still, ohne Vibrationen – eine Ruine mit vielen Ritzen, Spalten, Löchern, idealen Verstecken. Als die ersten Bretter für den Abbruch an der Fassade entfernt worden waren, zeigte sich die Population: Fledermauskot hatte sich dort zu kleinen Bergen aufgetürmt. Die Regierung von Oberbayern verlangte vor der Fortsetzung der Arbeiten ein artenschutzrechtliches Konzept mit Ausweichquartieren und Vergrämungsmaßnahmen.

Vertreibung nur in Ausnahmen

Die geschützte Fledermaus darf laut Seitz nur in Ausnahmen vertrieben werden. Das Landschaftsarchitekturbüro Niederlöhner, das für die artenschutzrechtliche Prüfung des Geländes mit Hangwald zuständig ist, entwickelte ein Konzept, das die Regierung anerkannte.

Lebensräume nehmen ab

Die Rettung der Fledermäuse – an der Essigfabrik vermutlich vor allem die Zwerg-Art „Pipistrelloid“ – ist Seitz eine Herzenssache. Denn die Tiere seien wichtige Insektenfresser. Sie vertilgen gerne Schädlinge, weshalb sie auch in der Landwirtschaft eine bedeutende Rolle spielen, sagt die Expertin. Doch die Lebensräume würden immer rarer: Abholzungen nehmen zu, außerdem bieten die vielen gedämmten Gebäude heute kaum noch Möglichkeiten für Fledermäuse, unterzuschlupfen, bedauert auch Pichler.

Kommentare